Alle 18 Minuten verunglückt ein Kind | Aktuelle Stunde
Bildquelle: dpaWDR. 23 Sek.. Verfügbar bis 10.08.2028.
Durchschnittlich alle 18 Minuten ist im vergangenen Jahr ein Kind im Straßenverkehr verletzt oder getötet worden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verunglückten im Jahr 2025 rund 29.270 Kinder unter 15 Jahren bei Verkehrsunfällen. Damit kamen sieben Prozent mehr Kinder zu Schaden als im Jahr 2024 mit 27.260 Verunglückten, wie die Behörde am Montag mitteilte.
Besonders häufig verunglückten Kinder wochentags zwischen 7 und 8 Uhr - also genau zu der Zeit, in der sie meist auf dem Schulweg sind. Besorgniserregend ist auch die Entwicklung bei den schwersten Unfällen: Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Kinder stieg 2025 gegenüber 2024 drastisch - von 53 auf 74.
Der Schulweg ist ein "Unfallhotspot"
Auch in NRW ist die Zahl der verunglückten Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr hoch. Im Jahr 2025 gab es 6.358 solcher Unglücksfälle. Im Jahr 2024 lag die entsprechende Zahl laut Statistischem Landesamt bei 5.956. Während die Gesamtzahl stieg, sank die Zahl der Todesfälle: 2025 starben 23 Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr, 2024 waren es 30.
Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer, sieht den Schulweg eindeutig als "Unfall-Hotspot". Sie warnt Eltern aber davor, daraus die falschen Schlüsse zu ziehen.
"Wer das Kind mit dem Elterntaxi zur Schule bringt, tut ihm keinen Gefallen." Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer
Intensives Schulwegtraining statt Elterntaxis
Auch die Deutsche Verkehrswacht, ein als gemeinnützig anerkannter Verein für mehr Sicherheit im Straßenverkehr, sieht die sogenannten Elterntaxis kritisch. Der Grund: Verstopfte Straßen, Zeitdruck und Hektik führten nicht selten zu Unachtsamkeit und aggressivem Verhalten, wild geparkten Autos sowie versperrten Gehwegen und Sichtachsen. Dies könne zu Unfällen führen. Erste Städte in NRW gehen bereits aktiv gegen Elterntaxis vor.
Statt die Kinder im Auto zur Schule zu fahren, sollten Eltern lieber ein intensives Schulwegtraining mit ihnen absolvieren, empfiehlt die Deutsche Verkehrswacht.
So sieht das Training konkret aus:
- Gemeinsam laufen: Den Schulweg mehrmals zusammen mit dem Kind zu Fuß ablaufen.
- Details besprechen: Jedes Abbiegen, jede Straßenüberquerung und potenzielle Gefahrenpunkte wie Baustellen genau erklären.
- Perspektive wechseln: Gelegentlich in die Hocke gehen, um den Verkehr aus der Augenhöhe des Kindes wahrzunehmen.
- Sicherheit vor Schnelligkeit: Straßen an Ampeln oder Zebrastreifen überqueren, auch wenn dies einen Umweg bedeutet.
- Blickkontakt halten: Am Bordstein stoppen, nach links, rechts und nochmals links schauen – erst gehen, wenn alles frei ist.
- Auch Rückweg üben: Den Heimweg auf exakt dieselbe Weise einüben.
- Rollen tauschen: Nach einigen Durchgängen das Kind die Führung übernehmen lassen und nur noch bei Bedarf korrigieren.
- Regelmäßig wiederholen: Das Training so oft durchgehen, bis sich das Kind vollkommen sicher fühlt.
Ebenfalls üben: Den Schulweg mit dem Rad zurücklegen
Grundsätzlich gilt: Kinder sollten beim Fahrradfahren immer einen Helm tragen. Darauf weist die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e.V. hin. Ebenfalls wichtig: Eltern sollten mit ihrem Kind gemeinsam üben, wie man eine Kreuzung mit dem Rad sicher überquert.
Kinder üben auf einem Verkehrsübungsplatz das richtige Verhalten mit dem Fahrrad.
Bildquelle: dpaDie Faustregel lautet: Anhalten, absteigen, schauen, Blickkontakt mit dem Autofahrer aufnehmen und erst dann queren. Zudem gilt es, stets auf unübersichtliche Stellen wie kleine Gassen oder Einfahrten zu achten. Damit Kinder von anderen Verkehrsteilnehmern rechtzeitig gesehen werden, sollten sie helle Kleidung tragen sowie Reflektoren an Jacke und Ranzen haben.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Statistisches Bundesamt
- Statistisches Landesamt
- Deutsche Verkehrswacht
- Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e.V.
- Bundesministerium für Verkehr
Sendung: WDR.de, "Wie mein Kind unfallfrei in die Schule kommt", 10.08.2026, 17.44 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 10.08.2026, 18:45 Uhr