Zahl der Verkehrsunfälle von Kindern und Jugendlichen
Bildquelle: Ralf Hirschberger/WDR/dpaWDR. 24 Sek.. Verfügbar bis 09.09.2028.
Ein 13-jähriges Mädchen ist Ende August im Kreis Herford mit dem Fahrrad unterwegs. Sie will eine Ampel in Löhne überqueren, als sie von einem abbiegenden Lkw erfasst wird. Das Mädchen wird mit ihrem Fahrrad eingeklemmt und erleidet lebensgefährliche Verletzungen. Sie stirbt im Krankenhaus.
Zwölf Kinder und Jugendliche kamen im vergangenen Jahr in NRW bei Verkehrsunfällen ums Leben. Die Zahlen hat das Statistische Landesamt bereits im März veröffentlicht. Insgesamt zählt die Verkehrsunfallstatistik 7.194 Verunglückte unter 15 Jahren - rund 17 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Mehr als die Hälfte der Verunglückten war zwischen 10 und 14 Jahre alt.
Die Statistik umfasst alle von der Polizei aufgenommenen Unfälle auf öffentlichen Straßen und Plätzen, bei denen Personen- oder Sachschäden entstanden sind.
Warum Kinder in NRW häufiger verunglücken
Einen einzelnen Grund für den Anstieg sieht die Landesverkehrswacht NRW auf eine Anfrage nicht. Auffällig sei vor allem die Entwicklung bei den 10- bis 14-Jährigen. Mit dem Wechsel auf eine weiterführende Schule würden Wege häufig länger und Kinder öfter selbstständig mit dem Fahrrad unterwegs.
"Kinder, die früh lernen, sich selbstständig durch den Straßenverkehr zu bewegen, sind später sicherer." Geschäftsführer Jörg Weinrich von der Landesverkehrswacht NRW auf eine WDR-Anfrage
Hinzu komme die zunehmende Nutzung von E-Scootern. Obwohl diese erst ab 14 Jahren gefahren werden dürfen, seien auch jüngere Kinder damit im Straßenverkehr unterwegs, so die Verkehrswacht.
Fahrrad bei älteren Kindern besonders häufig
Die meisten Unter-15-Jährigen verunglückten mit dem Fahrrad: Das Statistische Landesamt (IT.NRW) zählt rund 2.100 Fälle. Rund 2.000 Kinder und Jugendliche waren Insassen eines Autos, etwa 1.500 waren zu Fuß unterwegs. Je nach Alter unterscheiden sich die Anteile deutlich. Bei den unter Sechsjährigen verunglückten 55,1 Prozent als Mitfahrer in einem Pkw.
Bei den Sechs- bis Neunjährigen verunglückten jeweils knapp ein Drittel als Pkw-Insassen, zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Bei den 10- bis 14-Jährigen war das Fahrrad mit 38,1 Prozent die häufigste Verkehrsart. In dieser Altersgruppe folgten E-Scooter, Auto und Fußverkehr mit jeweils rund 16 Prozent.
NRW-Anteil an bundesweiten Fällen gestiegen
Deutschlandweit verunglückten 2025 insgesamt 29.273 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. Knapp ein Viertel davon, 24,6 Prozent, entfiel auf NRW. Ein Anstieg von 2015. Da lag der NRW-Anteil bei 21,8 Prozent.
Die zugrunde liegenden Verkehrsunfallzahlen für 2025 waren bereits bekannt. IT.NRW hat die Daten nun noch einmal gesondert für Unter-15-Jährige ausgewertet. Einen konkreten neuen Anlass dafür gab es nach Angaben des Landesamtes nicht. Hintergrund sei das hohe Interesse bei der Landesbehörde, unter anderem zu E-Scooter-Unfällen und zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen.
Was Kinder im Straßenverkehr besser schützt
Die Landesverkehrswacht fordert deshalb mehr Verkehrserziehung auch nach der Radfahrausbildung in der Grundschule. Eltern sollten Schulwege mit ihren Kindern üben und möglichst auf sogenannte Elterntaxis verzichten. Darüber hinaus nennt der Verband Tempo 30 im Umfeld von Schulen und sichere Möglichkeiten zum Überqueren von Straßen als wichtige Maßnahmen.
Vor allem im Märkischen Kreis haben schwere Unfälle mit E-Scootern zuletzt für Aufmerksamkeit gesorgt. Deshalb geht die Polizei seit diesem Schuljahr in achte Klassen, um dort gezielt über Gefahren und Regeln aufzuklären.
Unsere Quellen:
- Verkehrsunfallstatistik der Polizei
- Veröffentlichung und Hintergrundgespräch mit IT.NRW
- Schriftliche Antwort auf eine WDR-Anfrage an die Landesverkehrswacht NRW
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 09.09.2026, 12:45 Uhr
