Fußpatrouillen kontrollieren E-Scooter
Bildquelle: WDR/Sabine BüttnerWDR. 03:18 Min.. Verfügbar bis 17.08.2028.
E-Scooter in türkis, rot, grün oder weiß - auf dem Platz vor dem Kölner Hauptbahnhof stehen dutzende Roller verschiedenster Anbieter. Zwar ist hier an der Straßenecke eine offizielle Abstellfläche der Stadt, doch die Roller nehmen längst einen größeren Teil des Platzes ein. Tobias Tetzlaff schlängelt sich hindurch - er soll hier für Ordnung sorgen.
Tetzlaff ist für den Anbieter "Dott" unterwegs - auf Fußpatrouille. Seit Anfang Juli macht er den Job. Auch die anderen fünf E-Scooter-Anbieter in Köln haben solche Patrouillen im Einsatz, vor allem tagsüber unter der Woche. Außerdem gibt es eine gemeinsame Fußpatrouille für alle Anbieter.
Tobias Tetzlaff von der E-Scooter-Fußpatrouille des Anbieters "Dott"
Bildquelle: WDR/Sabine BüttnerDas kostet: Ride Movi etwa schreibt uns, pro Monat seien es rund 8.300 Euro. Die Verleiher hatten der Stadt zugesagt, mehr zu kontrollieren - denn immer wieder gibt es Beschwerden über Roller, die im Weg stehen.
"Und dann kommt eine Mama mit ihrem Kinderwagen und möchte vorbei", beschreibt Tetzlaff eine solche Situation. Er geht zügig auf die Roller seiner Firma zu und beginnt, sie in die Abstellzone zu bringen und ordentlich nebeneinander aufzureihen.
In der Kölner Innenstadt dürfen E-Scooter nur in gekennzeichneten bereichen abgestellt werden.
Bildquelle: WDR/Sabine BüttnerWeiter geht es auf dem Rundgang in Richtung Altstadt. An einer Straßenecke fallen Tetzlaff mehrere Roller ins Auge, die zu weit weg von der Abstellstation geparkt sind. Auch hier ist das Prozedere dasselbe: Tetzlaff schaltet mit seinem Handy den Scooter frei, stellt sich darauf und fährt in Richtung der anderen Scooter von "Dott", um sie dann eng aneinander aufzureihen.
Ist ein Kennzeichen am E-Scooter kaputt, muss es ausgetauscht werden.
Bildquelle: WDR/ Sabine BüttnerTetzlaff prüft dabei auch, ob Blinker, Licht und Bremse funktionieren. An einem Scooter fällt ihm ein kaputtes Nummernschild auf. Schnell zieht der 37-Jährige Ersatz aus seinem Rucksack, klebt das neue Kennzeichen auf den Roller auf und registriert ihn über sein Handy mit dem ausgetauschten Kennzeichen neu.
Kann ein Roller nicht mehr gefahren werden, meldet der gelernte Mechaniker das ebenfalls über seine App, damit Kollegen das Fahrzeug abholen: "Dann gehen die in die Werkstatt, werden repariert und kommen wieder auf die Straße." Das alles gehe relativ zügig, sagt er. Schnell wird klar: Der Markt in Köln ist hart umkämpft, die Anbieter wollen möglichst viele Scooter auf der Straße haben.
Stadt Köln reduziert drastisch: Nur drei Anbieter bleiben übrig
Nächstes Jahr wird sich die Situation allerdings grundlegend ändern: Die Stadt Köln will die Zahl der Scooter halbieren, auf maximal 10.000. Nur noch drei Anbieter sollen eine Genehmigung bekommen, derzeit läuft ein Auswahlverfahren.
Sechs verschiedene E-Scooter-Anbieter gibt es derzeit in Köln.
Bildquelle: WDR/Sabine Büttner"Die Anbieter müssen uns darlegen, wie sie die Anforderungen aus der Genehmigung erfüllen wollen und mit welchen Einsatz an Personal, an Zeit und Erreichbarkeit das funktionieren soll", sagt Christian Leitow vom Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung der Stadt.
Weniger E-Scooter in der Innenstadt
Er hofft außerdem, dass sich die Scooter künftig weniger in der Innenstadt knubbeln: "Wenn die Anbieter nur noch zu dritt sind kann eine Verteilung nach außen erfolgen, weil gerade der Markt im Innenstadtbereich gefragt ist." Man werde deshalb zur Vorgabe machen, dass die Anbieter eine Abdeckung der ganzen Stadt gewährleisten müssen.
Christian Leitow, Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung der Stadt Köln.
Bildquelle: WDR/ Sabine BüttnerKontrolliert werden soll die neue Obergrenze von 10.000 Scootern mit Daten, die die Verleiher der Stadt zuliefern. Sie müssen jeden Monat ihre angemeldeten Scooter melden. Zusätzlich will die Stadt digital Anzahl und Standorte der E-Scooter prüfen.
Weniger Scooter in Düsseldorf, mehr Abstellflächen in Aachen
E-Scooter an der Düsseldorfer Rheinpromenade.
Bildquelle: Christoph Wegener/WDRWeniger E-Scooter - dieses Ziel verfolgt auch Düsseldorf. Noch gibt es nach Angaben der Stadt 8.400, es läuft aber ein Vergabeverfahren. An dessen Ende sollen rund 500 Scooter weniger übrig bleiben - und wie in Köln ebenfalls nur noch drei Anbieter statt aktuell vier. Die Stadt Düsseldorf berichtet auf WDR-Anfrage ebenfalls von Beschwerden, weil E-Scooter falsch abgestellt werden. Das Problem habe sich aber unter anderem durch den Ausbau von Abstell-Stationen deutlich abgeschwächt.
Auch Münster setzt auf Parkzonen für E-Scooter. Das Konzept werde schrittweise auf weitere Bereiche der Stadt, in denen gewerbliche E-Scooter fahren können, ausgeweitet. In einem nächsten Schritt wurden die Hauptverkehrsachsen teils bis in die Vororte in das Konzept integriert, heißt es.
Die Stadt Aachen plant aktuell mehr Abstellflächen für E-Scooter. Ziel sei, so viele Barrieren wie möglich zu beseitigen.
Tobias Tetzlaff: Abstellzonen sollten besser markiert werden
Auch Tobias Tetzlaff sagt, dass die Abstellzonen wichtig sind, um Ordnung zu bewahren. Er findet, dass sie in Köln besser markiert sein könnten - möglich wären etwa Zeichen auch auf dem Boden oder Linien als Begrenzung: "Es gibt ein Park-Zeichen in der App, aber wo genau und wie die Leute jetzt abstellen dürfen, ist nicht so gut gekennzeichnet." Und so hat er weiter genug damit zu tun, E-Scooter umzuräumen und so mehr Platz zu schaffen.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
- E-Scooter-Anbieter
- Stadt Köln
Sendung: WDR.de, Fußpatrouillen kontrollieren E-Scooter, 17.08.2026, 5:03 Uhr