Spaghettieis servieren, Eishörnchen zubereiten, sauber machen. Und das elf Stunden am Tag, mit gerade mal 30 Minuten Pause, sechs Tage die Woche, ein Jahr lang. Das waren die Bedingungen in einem Kölner Eiscafé, in dem Maria zwei Jahre gearbeitet hat. "Ich habe Tag und Nacht geweint. Ich habe mich gefragt, warum ich so etwas durchmachen muss", sagt sie.
10-Stunden-Schichten, unter Mindestlohn bezahlt
Dieses Gefühl kennt auch Daniela*. Sie hat im selben Eiscafé gearbeitet: "Ich hatte das Gefühl, dass mich diese Arbeit zerstört." Auch Daniela stammt aus Lateinamerika. Die Bezahlung lag bei beiden unter der gesetzlichen Lohnuntergrenze. Sie haben im Jahr 2024 brutto circa 8,70 Euro pro Stunde bekommen. Damals lag der Mindestlohn bei 12,41 Euro.
Arbeitszeiten von zehn Stunden oder mehr seien laut Mark Baumeister von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in der Regel nicht legal. Ausnahmen seien Saisonarbeiten wie in der Landwirtschaft.
Eisgenuss für die einen, miese Arbeitsbedingungen für die anderen.
Bildquelle: picture alliance / CTKWie viele Menschen in Eiscafés zu Dumping-Löhnen arbeiten, kann er nicht sagen: "Das liegt daran, dass Beschäftigte in der Regel nicht in einer Gewerkschaft sind und nicht ausreichend über ihre Rechte informiert sind." Das Hauptzollamt bestätigt, dass es keine genauen Daten dazu gibt, wie viele Menschen von Lohn-Dumping in Eiscafés betroffen sind, da es sich als Teil der Schattenwirtschaft in der Regel im Verborgenen abspielt und sich der statistischen Erfassung entzieht.
Warum sich Betroffene kaum wehren
Maria und Daniela waren neu in Deutschland, beherrschten die Sprache kaum. Maria berichtet zudem von der Angst, ihren Job zu verlieren. Dieses Muster bestätigt Mark Baumeister aus den Erfahrungen in der Gastronomie im Allgemeinen: "Oft sind es sprachliche Hürden, oder auch die Angst vor Konsequenzen, wenn sich Betroffene an Behörden oder Gewerkschaften wenden."
Baumeister empfiehlt Betroffenen, Beweise zu sichern. Das können Entgeltabrechnungen, Arbeitsverträge oder dokumentierte Arbeitszeiten sein. Anlaufstellen sind dann Polizei oder Zoll.
Daniela plant, gegen den ehemaligen Arbeitgeber vor Gericht zu ziehen. Ihr Eindruck: "In diesem Sektor gibt es viele brasilianische Arbeitskräfte und viele akzeptieren die sehr harten Arbeitsbedingungen. Aus Not oder weil sie der Ansicht sind, dass sich die Bezahlung lohnt, auch wenn sie im Verhältnis zur Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden niedrig ist." Viele würden damit die Familie in Brasilien unterstützen.
Maria und Daniela arbeiten mittlerweile in anderen Branchen und haben in Köln ein neues Zuhause gefunden.
Unsere Quellen:
- Interviews mit Maria* und Daniela*
- Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)
- Generalzolldirektion Bonn
* Namen von Redaktion geändert
Sendung: WDR.de, So leiden Fachkräfte für unseren Eis-Genuss, 25.09.2026, 05:00 Uhr
