Das Auto des Opfers nach den Schüssen
Bildquelle: picture alliance / dpa / Sascha Thelen"Nicht öffentlich", ist neben der Eingangstür zum Verhandlungssaal zu lesen. Weil der Angeklagte bei der vorgeworfenen Tat erst siebzehn Jahre alt war, findet der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dabei hat es der Fall in sich. Die Polizei hatte damals von sich aus keine Infos herausgegeben. Erst nach WDR-Recherchen wurde der Fall öffentlich.
Prozess in Köln: Auftrag zum Mord aus Türkei erhalten?
Dem mittlerweile 18 Jahre alten Schweden wirft die Kölner Staatsanwaltschaft "das Sich-Bereiterklären zu einem Mord" vor. Laut Anklage wurde er von Männern aus der Türkei über ein Netzwerk in Schweden beauftragt, gegen Geld einen Kontrahenten aus dem Rockermilieu in Köln zu erschießen.
Daraufhin reiste der damals noch Jugendliche in die Domstadt und wurde dort mit einer Waffe und Munition ausgestattet, bekam schließlich ein Foto, das Zimmer und die Anschrift der Zielperson, so lauten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft.
Angeklagter soll Opfer zweimal aufgelauert haben
Die Kölner Staatsanwaltschaft geht zudem davon aus, dass der damals 17-Jährige kurz davor war den Tatplan umzusetzen. "Bei zwei Gelegenheiten habe sich der Angeklagte mit der geladenenen und einsatzbereiten Schusswaffe zu der Anschrift begeben", doch dabei habe er die Person nicht angetroffen.
Offenbar noch schnell genug, um einen weiteren Mordversuch zu verhindern, gab es für die deutschen Ermittler dann wichtige Informationen. Schwedische Behörden informierten die deutschen Behörden, sodass der Angeklagte dann in Köln festgenommen werden konnte.
Von anderem Schweden: Zielperson wird dann doch fast erschossen
Wochen nach der Festnahme geschieht dann das Unfassbare: Offenbar lassen die Auftraggeber aus der Türkei nicht locker und bestellen laut Anklage einen weiteren Auftragsmörder.
Es ist laut Kölner Staatsanwaltschaft wieder ein Schwede, der in Köln Dellbrück die "Zielperson" ins Visier nimmt und ihn mit etlichen Schüssen aus einer Pistole traktiert. Der angeschossene überlebt nur knapp. Dann wird der Schütze identifiziert. Der 28-Jährige reist nach der Tat zurück nach Schweden. Die Kölner Staatsanwaltschaft hat die Auslieferung des Mannes beantragt, um auch ihm in Köln den Prozess zu machen.
Unsere Quellen:
- Landgericht Köln
- Staatsanwaltschaft Köln
Sendung: WDR 2 Rheinland, Lokalzeit, 20.05.2026, 11.31 Uhr