Portraitfoto von Hein Mulders, Opernintendant der Oper Köln

Opernintendant Hein Mulders im Foyer der Oper Köln

Bildquelle: WDR / Jens Gleisberg

Kölner Opernchef Hein Mulders im Interview "Ein fantastischer Saal"

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Der Intendant der Kölner Oper. Vor dem Bürgerfest am Wochenende hat er mit unserem Reporter Jens Gleisberg gesprochen.

Kurz vor der Eröffnung, wie schauen Sie denn auf Ihr neues künstlerisches Zuhause?

Hein Mulders: Jetzt voller Begeisterung, aber auch ein bisschen mit Spannung, weil wir wirklich auf den letzten Metern noch viel zu tun haben. Es laufen die Endproben für Rosenkavalier und den Festakt und ein großes Konzert mit unseren Opernsängerinnen und Kasalla am Sonntagabend, also sehr viel gleichzeitig. Und spannend auch, so ist der Operbetrieb, aber nach vierzehn Jahren Sanierung können Sie sich vorstellen, dass noch nicht alles so 100 Prozent läuft und damit ringen wir jeden Tag.

"Der Saal ist fantastisch" Hein Mulders, Opernintendant

Der Saal ist fantastisch. Also, ich bin früher auch noch vor der Sanierung oft hier gewesen als Besucher. Und die Akustik war immer schon gut, aber die ist noch mehr optimiert, weil man den Orchestergraben vergrößert hat und die Polsterung der Stühle. Die Stühle sind noch die alten, aber die Polsterung ist neu. Die ist sehr schön geworden, aber auch so entwickelt, dass es auch noch besser reflektiert. Also insofern ist die Akustik optimal. Jetzt ist noch mal die Akustik verbessert worden, insbesondere natürlich die Bühnentechnik.

Es gibt viel mehr Möglichkeiten, die jetzt da sind, wie wird sich das auswirken auch auf die Inszenierungen?

Mulders: Ja, es gibt Hubpodien (Anm. d. Redaktion: Versenkeinrichtung der Unterbühne), es gibt eine Drehscheibe, es gibt alles Mögliche an vollautomatisierter Obermaschinerie, aber im Moment ringen wir tatsächlich noch so ein bisschen mit Theatertechnik, dass das alles läuft. Unsere Leute sind da, aber die Technik muss auch funktionieren und das heißt, in der erste Saison haben wir auch noch ein bisschen defensiver programmiert, weil wir uns gegen diese Kinderkrankheiten noch gewappnet haben, so dass es nicht das volle Pulle-Programm ist. Aber langsam machen wir das im Laufe der Spielzeit.

Sie sind damals 2022 aus Essen gekommen, in der Situation, wo sie sich gar nicht sicher sein konnten, dass hier gespielt wird. Wie viel Sorge war da über die Jahre?

Mulders: Ja, ich fand das erst Mal fantastisch, hier berufen zu werden nach Köln, weil Köln eine fantastische Stadt ist und dockt für mich so ein bisschen an meine Amsterdamer Zeit an. Also, ich war natürlich schon informiert über die Sanierung, aber die Ins and Outs kannte ich nicht und es war natürlich schon erstmal ein Schock, als ich hier anfing: "Ok, 2024/25 schaffen wir das?"

Ich nehme an, das erste Mal, als Sie im Haus waren, werden Sie wahrscheinlich eine Sicherheitsweste angehabt haben, einen Bauhelm und ein paar Bauschuhe. Wenn Sie das jetzt sehen, hat sich Ihr Blick verändert auf das Haus?

Mulders: Das Haus ist fantastisch, es war immer schon schön, aber was wirklich auch für viele Besucherinnen und Besucher, die das Haus von früher kennen, die große Änderung ist, dass die Farben von Riphahn aus 1957, also der Architekt, der es konzipiert hat, wieder wiederhergestellt worden sind. Also wir kennen das Haus alle, auch ich aus der Zeit.

Die Kölner Oper aus der Vogelperspektive

Die Kölner Oper aus der Vogelperspektive

Bildquelle: WDR / Jens Gleisberg

In den 1970-er Jahren hat man alles weiß gestrichen und man denkt, das ist alles schön weiß. Aber es war eigentlich dadurch komischerweise heavy. Und jetzt durch diesen 22 Farben, ist es wirklich ein, als ob man zurückkehrt in die 50er Jahre, als es konzipiert wurde. Das tut schon etwas, wenn man in das Gebäude reinkommt.

Es hat so eine ganz eigene Geschichte, es ist Nachkriegsgeschichte, es ist das Denkmal der Nachkriegsgeschichte. Die Kölner haben es damals genannt, "Grabmal des unbekannten Intendanten", wenn Sie das versuchen einzupreisen: Sydney, Kopenhagen, Mailand, wo sehen Sie da die Kölner Oper?

Mulders: Also "die Kölner" ist immer so ein Verallgemeinerung, die ich nicht unterschreibe, also es gibt einige, die es nicht gemocht haben. Man hat bewusst nach dem Krieg entschieden, wir machen einen neuen demokratischen Bau hier für alle Bürgerinnen und Bürger, das war schon mal revolutionär, auch diesen Schlitten, diese Balkons hier. Andere Häuser haben das dann nachgeahmt, aber das war wirklich neu und für alle gut sichtbare Plätze und es war ein damals schon eine richtig revolutionäre Architektur.

Sehr häufig werden in der Öffentlichkeit auch die Vergleiche Richtung Hamburg gezogen. Zur Elbphilharmonie. Das liegt auch da dran, dass es eine ähnliche Baugeschichte und ähnliche Baukosten gibt. Was sagen Sie denjenigen, die diesen Vergleich ziehen?

Mulders: Das eine ist ein neues Gebäude. Hier geht es um Sanierung. Zugegeben, das hat viel zu lang gedauert, aber jetzt merkt man auch in der Stadt, alle sind einfach froh, dass es letztendlich losgeht und man kann natürlich nicht damit ignorieren, dass es so viel gekostet hat und so lang gedauert hat.

WDR-Reporter Jens Gleisberg

Jens Gleisberg hat das Interview geführt und in bei der Lokalzeit Köln Experte rund um das Thema Oper

Bildquelle: WDR / Köplin

Aber alle wollen den Blick nach vorne und wie gesagt, dieses Gebäude ist schon ein Denkmal in sich. Es ist schon in 1957 konzipiert wurden und so irgendwie ist es sowohl die Moderne als schon ein historisches Denkmal und diese Kombination macht es faszinierend.

Finden Sie den Vergleich unfair?

Mulders: Der einzige Vergleich, den wir machen, ein Bau hat viel zu lange gedauert. Wir können über den Berliner Flughafen sprechen und viele andere Baustellen. Ich hoffe, dass daraus gelernt wird, dass man bei einer Sanierung, wo man mit den heutigen Kriterien die Bauvorschriften einbringen muss in ein historisches Gebäude, das ist immer schön schwierig, das hat man unterschätzt. Jetzt haben wir das hinter uns und ich glaube, wir gucken nach vorne und das ist schön.

In Hamburg ist es relativ einfach: Sie haben dieses imposante Gebäude, da ist der Hamburger Hafen, da ist dieser Ausblick. Hier gucken Sie auf Offenbachplatz und auf die Nord-Süd-Fahrt. Da ist die Frage nach der Strahlkraft des Hauses?

Mulders: Ja, die Strahlkraft ist da, weil das Gebäude hat in sich auch eine sehr starke Ausstrahlung und es ist mitten in der Stadt, das klopfende Herz. Es war jetzt vierzehn Jahre tote Hose, jetzt haben wir wieder ein Gebäude, was lebt und drumherum wird das bestimmt auch für die Geschäfte interessant sein, dass wir in der Stadt wieder dieses kulturelle Zentrum haben für alle.

Sie haben davon gesprochen, für alle Bürger da zu sein. Die sind nun eingeladen am Wochenende. Wie wollen Sie sozusagen eine Versöhnung mit den Bürgern schaffen, die es ja nun am Ende des Tages auch bezahlen müssen?

Mulders: Ja, ich glaube, der beste Beweis ist, dass wir unsere Abonnements fast verdreifacht haben. Viele haben tatsächlich gewartet. Also in Köln hab ich auch gelernt, als Niederländer, dass das über den Rhein gehen und ans andere Ufer kommen, trotzdem für viele eine große Hürde war. Wir haben ein neues Publikum natürlich aufgebaut im Interim, das war auch sehr schön.

"Es gibt auch noch sehr viele treue Gäste von damals" Hein Mulders, Opernintendant

Die sind mit uns mitgekommen. Aber es gibt auch noch sehr viele treue Gäste von damals, die gewartet haben, drei Jahre, sechs Jahre, jetzt sind es letztendlich vierzehn Jahre geworden und die kommen in Scharen wieder hierher. Also das beweist, glaube ich, auch, dass man wirklich hier wieder zu Hause sein möchte und auch die Neugierde dieses Gebäude wieder zu erforschen. und auch zu entdecken, was der Unterschied war von vor der Sanierung.

Wann nimmt das ab, die Diskussion über Baukosten und Bauzeit? In Hamburg gab es das ja auch, da war das dann aber ab der Eröffnung plötzlich kein Thema mehr?

Mulders: Ja, also plötzlich war es kein Thema mehr, aber weiß ich nicht, man merkt jetzt schon diese Wende. Es gab am Freitag vierzig Jahre Jubiläums-Konzert in der Philharmonie und alle kamen zu mir: Es geht wieder los und wie toll.

"Nicht mehr an dieses Elend zurückdenken möchten"

Also man merkt das schon, man will das einfach hinter sich lassen, aber anders, dieses Debakel war mal da und jetzt können wir eröffnen und das haben wir dann, glaub ich, auch gemeinsam mit der Elbphilharmonie. Dass, wenn das dann einmal da war, dass die Leute sich gefreut haben und ja, nicht mehr an dieses Elend zurückdenken möchten.

Für die Online-Version wurde das Interview leicht gekürzt und für eine bessere Lesbarkeit angepasst, ohne den Inhalt zu verändern. Das vollständige Gespräch als Audio gibt es hier unten zum Nachhören:

Intendant Hein Mulders zu Wiedereröffnung der Kölner Oper

WDR 17.09.2026 8 Min. 57 Sek. Verfügbar bis 16.09.2028

Unsere Quelle:

  • WDR-Reporter im Gespräch mit Intendant Hein Mulders

Sendung: WDR.de, "Intendant Hein Mulders zu Wiedereröffnung der Kölner Oper", 18.09.2026, 09:50 Uhr

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