Schießerei stellt Kölns Ausländerpolitk in Frage
Bildquelle: WDRWDR. 02:29 Min.. Verfügbar bis 11.08.2028.
Die Schießerei in Mülheim am Montag vergangener Woche hat nicht nur die Kölner Bevölkerung aufgeschreckt. Deutlich wird: die Diskussionen führen zur Zerreißprobe für die Stadt Köln, die sich so gerne als weltoffen und tolerant bezeichnet. Und das Ausländeramt steht im Zentrum der Kritik.
Im Nachgang zu der Schießerei zwischen den beiden Familien wurde bekannt, dass die Kölner Ausländerbehörde im November 2024 von den Kollegen aus Coesfeld eine Liste mit den Namen von 500 ausreisepflichtigen Menschen bekommen hatte. Darunter auch Personen, die einem der beiden Familien angehören. Köln aber blieb nach jetzigem Erkenntnisstand untätig und lehnte jede Hilfe ab.
Polizei fordert Liste an
Die sogenannte Coesfelder Liste interessiert jetzt auch die Polizei. Wie der WDR erfuhr, sollen die 500 Namen darauf überprüft werden. Nicht nur im Zusammenhang mit den Ermittlungen wegen der Schießerei in Mülheim. Angeblich befinden sich auf der Liste nicht nur ausreisepflichtige Migranten, sondern auch Beschuldigte und Verurteilte in Strafverfahren. Das will die Polizei sich nun genauer ansehen.
Die Ermittlungen um die Schießerei gestalten sich derweil offenbar schwierig, was wohl überwiegend am nicht vorhandenen Aussageverhalten der Beschuldigten liegt.
Auch Stadtspitze lässt Coesfelder Liste prüfen
In Vertretung des in Urlaub weilenden Kölner Oberbürgermeisters Torsten Burmester steht Stadtdirektorin Dörte Diemert in der Verantwortung. In der von ihr geleiteten Sitzung des Hauptausschusses sagte sie die Überprüfung der Liste zu. Darauf drängt neben anderen der SPD-Fraktionschef Christian Joisten.
"Wir brauchen erst einmal den Sachverhalt. Wir haben bisher nur ein paar Informationshäppchen, die mit Sicherheit erst einmal verstörend sind und uns auch irritieren." Christian Joisten, SPD-Fraktionschef
Willkommenskultur nicht für Straftäter
Bernd Petelkau, der Fraktionschef der CDU will wissen, was über die 500 Personen bekannt ist. "Die Thematik wurde wohl nicht vernünftig gelöst", vermutet Petelkau. Die Bündnisgrünen sind zurückhaltender und verweisen auf die Kölner Willkommenskultur. Das Ausländeramt solle sich als Willkommensbehörde verstehen, heißt es in einem Ratsbeschluss sinngemäß. Dass Straftäter das unter Umständen ausnutzen, war sicher nicht im Interesse der Ratspolitikerinnen und Politiker.
Unsere Quellen:
- Parteien im Kölner Stadtrat
- Beobachtungen des Reporters vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Köln, 10.08.2026, 19:30 Uhr
