Der Kölner Stadtanzeiger will künftig mehr auf digitale Produktion und KI setzen.
Bildquelle: Kölner StadtanzeigerBei den Kölner Stadt-Anzeiger Medien fallen im Zuge eines Umbaus 57 Vollzeitstellen weg. Betroffen ist die Rheinische Redaktionsgemeinschaft (RRG), die bislang als eigenständiger Dienstleister die Regionalteile rund um Köln plant und produziert. Ihre Tätigkeit soll zum 30. September 2026 enden. Das bestätigt ein Redakteur des Kölner Stadt-Anzeiger, der am Donnerstagmorgen an einer Betriebsratsversammlung teilgenommen hat und nicht namentlich genannt werden möchte.
Bei Betriebsratversammlung fließen Tränen
Laut einem Betriebsrat-Mitglied seien bei der Versammlung einige Tränen geflossen. Viele hätten zunächst unter Schockstarre gestanden. Dann machte sich zunehmend auch Unmut breit. Eine Frau habe sich an den Arbeitgeber gewandt und gefragt, was man den Mitarbeitenden hier für einen "Scheiß" erzähle.
Viele Fragen seien demnach in der Versammlung offen geblieben. Insbesondere dazu, was die Auflösung der Redaktionsgemeinschaft für die einzelnen Beschäftigten bedeutet und wie es ab Oktober weitergeht. Der Verlag wolle mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan verhandeln.
KI soll Aufgaben der RRG teilweise ersetzen
Auf der Betriebsversammlung soll außerdem eine Rolle gespielt haben, dass die technologische Entwicklung in den vergangenen Wochen große Fortschritte gemacht habe. Nach Angaben eines Betriebsratsmitgliedes sei erklärt worden, dass die Zeitungsproduktion, für die bislang die Rheinische Redaktionsgemeinschaft zuständig war, künftig mit der Unterstützung von KI abgewickelt werden könne.
Kritik daran kommt vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV) in NRW.
"Das, was DuMont vor hat, nämlich mit KI Menschen zu ersetzen, das ist genau das, was Journalismus nicht sein darf". Volkmar Kah, Geschäftsführer des DJV des Landesverbandes NRW
Journalimus müsse weiterhin von Menschen und nicht von KI gemacht werden, so Kah.
DJV kritisiert Vorgehen: "DuMont fährt Zeitungslandschaft vor die Wand"
"DuMont möchte künftig mit deutlich weniger Journalistinnen und Journalisten, die sich gut in der Region auskennen, Journalismus machen. Das bedeutet mit Sicherheit, dass die Qualität der Informationen für die Bürgerinnen und Bürger sinken wird", kritisiert Volkmar Kah.
Das ist seiner Meinung nach der nächste Tiefschlag für den Medienstandort Köln. Außerdem gingen die kurzfristigen Sparmaßnahmen zu Lasten der Belegschaft, erklärt Kah. "Die Mitarbeiter im Unternehmen sind jetzt schon so personell ausgedünnt, dass sie auf dem Zahnfleisch gehen".
In einer Pressemitteilung schreibt der DJV zudem von einem schwarzen Tag für den Lokaljournalismus. "So fährt DuMont die Kölner Zeitungslandschaft endgültig vor die Wand", heißt es.
Inhalte sollen künftig von Digitalteam erstellt werden
Die Kölner Stadt-Anzeiger Medien stellen die Produktion ihrer Regionalteile nach eigenen Angaben auf einen durchgängig digitalen Prozess um. Die Inhalte sollen künftig von digitalen Regio-Teams kanalübergreifend erstellt und anschließend für Apps und Portale, das E-Paper sowie die gedruckte Zeitung aufbereitet werden. Die Aufgaben der RRG würden dabei weder verlagert noch an anderer Stelle fortgeführt.
Insgesamt arbeiten bei den KStA Medien derzeit 256 Redakteurinnen und Redakteure. Wie viele Beschäftigte der RRG tatsächlich ihren Arbeitsplatz verlieren, ist noch offen. Die Geschäftsführung will Gespräche mit dem Betriebsrat über faire und sozialverträgliche Lösungen aufnehmen. Offene Stellen sollen zunächst intern ausgeschrieben werden. Erste RRG-Journalistinnen und -Journalisten haben sich laut Verlag bereits erfolgreich auf neue Stellen in den digitalen Regio-Teams beworben.
Als Grund für den Umbau nennen die Kölner Stadt-Anzeiger Medien die seit Jahren sinkenden Zeitungsauflagen und die Veränderungen im Medienmarkt. Gleichzeitig soll stärker in digitale Angebote investiert werden. Wiederkehrende Produktionsschritte sollen mithilfe neuer Technologien und KI automatisiert werden.
Nach DuMont-Übernahme: 31 Stellen bei Kölnischer Rundschau gestrichen
"Das ist ein weiterer Verlust für die Medienlandschaft. Nachdem es Anang des Jahres schon die Kölnische Rundschau getroffen hat, trifft es jetzt das Kölner Umland", kritisert Volkmar Kah. Der Stellenabbau bei den Kölner Stadt-Anzeiger Medien folgt auf weitere Einschnitte im Kölner Zeitungsmarkt. Im Februar hatte DuMont die Herausgeberschaft der Kölnischen Rundschau übernommen. Die Redaktion der Traditionszeitung wurde aufgelöst, 31 Stellen in Köln wurden gestrichen.
Die Kölnische Rundschau erscheint seit April weiterhin als eigenständiger Titel, wird redaktionell aber von DuMont verantwortet. Als Grund für das Ende der Redaktion wurden unter anderem die seit Jahren sinkenden Abonnentenzahlen genannt.
Unsere Quellen:
- Redakteur des Kölner Stadtanzeigers
- Interview mit Mitglied des Betriebsrates
- Interview mit Volkmar Kah (DJV)
Sendung: WDR.de, Kölner Stadtanzeiger baut 57 Vollzeitstellen ab, 13.08.2026, 16:50 Uhr