Menschen versammeln sich am Neumarkt, um zu demonstrieren.
Bildquelle: WDR/ Anke BrunsGerechtigkeit für Pedro Corona : Demonstrierende in Köln fordern Aufklärung
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Der Polizeieinsatz in der Wohnung von Pedro Corona am 8. April müsse endlich umfassend aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. So die einhellige Forderung bei einer Demonstration am Sonntag in Köln. Der Erzieher ist seit dem Einsatz schwerbehindert.
"Wir fordern Transparenz und Aufklärung darüber, was in Pedros Wohnung geschehen ist." Mit diesen Worten eröffnen Anna und Isus von der Initiative Justice for Pedro am Sonntagnachmittag die Demonstration auf dem Kölner Neumarkt. Sie schildern den Anwesenden, was am 8. April geschehen ist. Pedro Corona habe an jenem Tag psychische Probleme gehabt. Eine Notärztin habe den Erzieher in eine Klinik zwangseinweisen wollen und die Polizei hinzugerufen. Am Ende des Einsatzes hatte Corona einen schweren Herzinfarkt. Seit Monaten kritisieren Angehörige, Freunde und Unterstützer von Corona das Vorgehen der Justizbehörden in diesem Fall.
Kein Ermittlungsverfahren gegen beteiligte Einsatzkräfte?
Die Staatsanwaltschaft sah monatelang keinen Grund dafür, ein Ermittlungsverfahren gegen die beteiligten Einsatzkräfte einzuleiten. Erst nachdem Ende Juli ein Video vom Beginn des Einsatzes öffentlich geworden ist, das Corona noch selbst aufgenommen hatte, änderte sich das. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen zwei Polizisten und die Rettungsärztin.
Nach Ansicht der Initiative Justice for Pedro müsse das Verhalten von allen Polizei- und Rettungskräften, die an diesem Einsatz beteiligt waren, untersucht werden - und das möglichst von einer unabhängigen Einrichtung. Der Arbeitskreis kritischer Jurist:innen Köln sieht das ähnlich: "Eine kritische Untersuchung von Polizeigewalt ist in Deutschland sehr schwierig", so ein Sprecher des Arbeitskreises bei der Demo, "weil Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte eng miteinander verflochten sind."
Zwangseinweisung wegen psychischer Probleme
Rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich am Sonntag vor der kleinen Bühne auf dem Kölner Neumarkt versammelt. Auf Plakaten fordern sie eine lückenlose und umfassende Aufklärung, was bei dem Polizeieinsatz am 8. April in der Wohnung des 30-jährigen Erziehers konkret geschehen ist. Coronas Partner Julian spricht ebenfalls auf der Kundgebung.
Pedro Coronas Partner bei der Demo für ihn
Bildquelle: WDR/ Anke BrunsMehr als 20 Minuten Herzstillstand
Julian hatte selbst gesehen, wie Pedro am Ende des Einsatzes unten vor seinem Haus auf einer Liege lag, bäuchlings und gefesselt. Polizisten hätten seinen Oberkörper immer wieder nach unten gedrückt. Auf dem Kopf hatte Corona zwei Spuckhauben übereinander. Am Ende brach er zusammen. Sein Herz stand 23 Minuten lang still. Seither ist der 30-Jährige schwerbehindert.
Protestzug durch Kölner Innenstadt für Pedro Corona.
Bildquelle: WDR / BrunsViele Parallelen zum Fall Ibrahima Barry
Die Initiative Justice for Pedro kämpft seit April darum, dass die beteiligten Polizisten und auch die Notärztin zur Rechenschaft gezogen werden. Auf ihrem Social-Media-Kanal werden in den Diskussionen immer wieder Vergleiche zu anderen ähnlichen Fällen gezogen. Zum Beispiel zum Fall Ibrahima Barry. Deshalb haben die Veranstalter der Demo ein Mitglied der Initiative "Justice for Ibrahima Barry" und seine Schwester eingeladen, bei der Demo zu sprechen. Sie schildert eindrücklich, wie schwer es für ihre Familie ist, das Geschehene zu verstehen.
Neun Polizeikräfte wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt vor Gericht
Der 23-jährige Ibrahima Barry starb im Januar 2024 unmittelbar nach einem Polizeieinsatz in Mülheim an der Ruhr. Auch er hatte psychische Probleme. Auch er lag während des Polizeieinsatzes längere Zeit gefesselt auf dem Bauch und sein Oberkörper wurde auf den Boden gedrückt. Dabei lernen Polizisten bereits in der Ausbildung, dass diese Lage lebensbedrohlich ist und deshalb - wenn überhaupt - nur sehr kurz angewendet werden darf.
Seit Juni stehen neun Polizeikräfte vor dem Landgericht Duisburg. Der Solidaritätskreis "Justice for Ibrahima Barry" kritisiert, dass sich die Angeklagten "nur wegen gefährlicher Körperverletzung" verantworten müssen und nicht unmittelbar wegen Barrys Tod.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
- Initiative "Justice for Pedro"
- Staatsanwaltschaft Köln
Sendung: WDR.de, Demo für Pedro Corona in Köln, 30.08.2026, 15:10 Uhr
