Nach Gewalt bei Anti-Kriegs-Demo: Bericht rechtfertigt Polizei-Einsatz
Stand:
Bei einer Anti-Kriegs-Demo in Köln war es zu Gewalt zwischen der Polizei und Demonstranten gekommen. In einem Bericht rechtfertigt das NRW-Innenministerium den Einsatz jetzt, räumt aber auch Fehler der Polizei ein.
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Jetzt mitdiskutierenHunderte Demonstranten waren bei einer Anti-Kriegs-Demonstration Ende August in der Kölner Innenstadt eingekesselt worden. Dabei war es auch zu Gewalt der Polizei gegen Teilnehmer gekommen. In einem Bericht für den Landtag rechtfertigte das NRW-Innenministerium den Einsatz, räumte aber auch einzelne Fehler im Verhalten der Polizei ein.
Faustschläge, Fußtritte, Pfefferspray
16 Seiten lang ist der Bericht des Innenministeriums, der die Abläufe während der Demo am 30. August 2025 beschreibt. Geschildert wird auch, wie es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen ist.
Die Demonstranten hatten die Polizei dafür kritisiert, zu hart gegen sie vorgegangen zu sein. Dazu heißt es im Bericht: "Mit Blick auf die Dynamik des Einsatzgeschehens war es situativ erforderlich, körperliche Gewalt durch gezielte Faustschläge anzuwenden sowie teils den Einsatzmehrzweckstock und Pfefferspray einzusetzen."
Ihrerseits seien die Einsatzkräfte ebenso "mit Faustschlägen, Fußtritten, Schubsen und Wegdrängen" attackiert worden.
Demonstranten zu lange ohne Getränke und Toilettenzugang
Demozug von "Rheinnmetall entwaffnen"
An einer Stelle kommt der Bericht zu einer selbstkritischen Einschätzung: Die ab etwa 19.30 Uhr eingekesselten Demonstranten hätten erst spät Getränke bekommen, auch mobile Toiletten seien "nicht in einem angemessenen Zeitrahmen" bereitgestellt worden. Zudem sei die "Ansprache" Minderjähriger und eventuell Hilfsbedürftiger in der Gruppe zu spät erfolgt. Mobile Toilettenanlagen und Getränke seien demnach ab 21.42 Uhr im Einsatzbereich eingetroffen.
Die Polizei Köln werde "die Bewätligung der Lage am 30.08." nachbereiten, heißt es weiter. Im Fokus stünden dabei die zeitlichen Abläufe im Zusammenhang mit der "Einschließung" und der Maßnahmen zur Identitätsfeststellung.
Vorwürfe von Lisa Schubert gegen Polizei
Besonders kritisch war offenbar ein Vorfall: Lisa Schubert von der Partei "Die Linke" war zur Parlamentarischen Beobachtung vor Ort. Anschließend warf Schubert der Polizei vor, von Beamten geschlagen und gewürgt worden zu sein.
Diese Situation habe man über ein öffentlich zugängliches Video verifizieren können, heißt es dazu jetzt in dem Bericht. Die Polizei Köln nahm das zum Anlass, Strafanzeige gegen sich selbst zu stellen: wegen des Verdachts auf Körperverletzung im Amt. Aus Neutralitätsgründen ermittele nun die Polizei Bonn.
Wie zur Rechtfertigung der filmisch dokumentierten Gewalt gegen Lisa Schubert heißt es dann: Der Polizei in Köln sei zuvor keine Teilnahme von Abgeordneten angekündigt worden. Daher sei auch keine gesonderte Betreuung für parlamentarische Beobachter geplant gewesen.
Demonstration wurde abgebrochen
Die Veranstaltung des Bündnisses "Rheinmetall entwaffnen" Ende August war nach Angriffen auf Beamte und wiederholten Verstößen gegen das Versammlungsrecht schließlich gestoppt worden.
Im Bericht heißt es dazu, dass sich im Demonstrationszug eine Gruppe von etwa 500 Personen mit einem "Überkopfbanner" so verhüllt hatte, dass eine Sicht auf sie durch die Polizei fast nicht mehr möglich gewesen sei. In einem Begleitfahrzeug fand die Polizei nach eigenen Angaben Brennspiritus und Gasflaschen.
In der besonders aufgeheizten Situation hätten etwa 30 Personen zwei Polizeibeamte "bedrängt, geschubst und es wurde in deren Kleidung gegriffen", heißt es in dem Bericht. "Ein Störer sprang der Verbindungsbeamtin in den Rücken, sodass diese in der von Dynamik geprägten Situation mit einer Vielzahl an Personen um sich herum unkontrolliert zu Fall geriet." Die Situation sei "durch den Einsatz körperlicher Gewalt anderer Einsatzkräfte unter Kontrolle gebracht" worden.
Kölner Polizei stellt Strafanzeige gegen sich selbst
Aktuelle Stunde . 01.09.2025. 18:34 Min.. Verfügbar bis 01.09.2027. WDR. Von Oliver Köhler.
Verletzte und Festgenommene
Demonstranten sammeln sich am Heumarkt in Köln
Bilanz des Einsatzes laut Bericht: 525 Personalien wurden aufgenommen, sechs Personen kamen in Gewahrsam. Insgesamt verzeichnete die Polizei 57 Straftaten - von Körperverletzung über Sachbeschädigung bis zur Volksverhetzung.
Auf beiden Seiten gab es Verletzte: Laut Behörde wurden 13 Polizisten verletzt - davon seien vier nicht mehr einsatzfähig gewesen. Auch auf Seiten der Demonstrierenden gab es laut einem Sprecher rund 150 Verletzte, die Polizei zählt in ihrem Bericht "mindestens" neun verletzte Teilnehmer.
Forderung der Demonstranten: Entmilitarisierung Deutschlands
Anlass der Demo auf dem Heumarkt war eine Kundgebung von Friedensinitiativen und pro-palästinensischen Gruppen. In Reden und mit Sprechchören protestierten sie gegen eine zunehmende Aufrüstung und das geplante Wehrpflicht-Gesetz in Deutschland. Sprecher forderten die Entmilitarisierung Deutschlands und betonten die Bedeutung der Völkerfreundschaft, unter anderem zwischen Deutschland und Russland.
Polizei wollte weitere Blockaden verhindern
Demonstranten und Polizei stehen sich gegenüber
Die zwei zunächst getrennten Demozüge waren gemeinsam mit annähernd 3.000 Teilnehmenden am Heumarkt gestartet und mehrfach von der Polizei angehalten worden, nachdem Teilnehmende sich vermummt, Rauchtöpfe gezündet, Schutzbewaffnung angelegt hatten und aus einem Begleitfahrzeug mit entsprechendem Material versorgt worden seien, wie die Polizei mitteilte.
Unter den Demonstranten waren viele Teilnehmer eines Aktionscamps, die in den vergangenen Tagen unter dem Motto "Rheinmetall entwaffnen" in Köln die SPD-Parteizentrale, ein Lager des Motorenherstellers Deutz AG und eine Bundeswehr-Kaserne blockiert hatten.
Die Polizei wollte laut eigenen Angaben verhindern, dass die Demonstranten am Rande der Kundgebung oder während des Demonstrationszuges erneut Gebäude oder Straßen blockieren. Im jetzt vorliegenden Bericht des Innenministeriums an den Landtag wird allerdings betont, dass das Protestcamp an sich "störungsfrei" verlaufen sei.
Unsere Quellen:
- Bericht des Innenministeriums vom 09.09.2025
- Beobachtungen unserer Reporter vor Ort
- Polizei Köln
- Nachrichtenagentur dpa
26 Kommentare
Kommentar 26: Wally schreibt am 12.09.2025, 12:56 Uhr :
Wer zu so einer bescheuerten Demo geht,kann ja nicht verlangen das im Brötchen und Bier gereicht werden und dann noch Toiletten am besten mit der Bildzeitung auf dem klo
Kommentar 25: Demo schreibt am 12.09.2025, 12:44 Uhr :
Die armen friedliebenden Demonstranten, warum dann Vermummen, Pyrotechnik, Flaschen und Steine, immer das gleiche Spiel, die Polizei ist zu gewalttätig gegen die harmlosen Demonstranten vorgegangen, würden sich alle Teilnehmer ordentlich verhalten, wäre ein Einschreiten der Polizei nicht notwendig gewesen, aber da ist der schwarze Block und gewaltbereite Demonstranten, die auf Krawall gebürstet und Gewalt provozieren wollen, dann ist man wieder in der Opfer Rolle, kann spucken, beleidigen,Steine werfen, schlagen und treten, Schuld hat natürlich der Staat und seine Handlanger (Polizei), es wird immer nur über die armen Demonstranten berichtet, die Polizei ist grundsätzlich der Schuldige, ich bin froh, das wir noch so eine Polizei haben, die sich im großen ganzen an Recht und Gesetz hält, was man bei Demonstrationen nicht immer sagen kann.
Kommentar 24: Bürger schreibt am 11.09.2025, 11:25 Uhr :
Na ja, wer die vermeintliche "Friedensbewegung" in den 80iger tatsächlich gesteuert und unterwandert hat, sollte allgemein bekannt sein. Dass Linke und Grüne meinen, dass für sie besondere Regeln gelten (Vermummung, Nebeltöpfe, Parolen .....) ist auch allgemein bekannt --- und war in den letzten 10 Jahren auch absolute Praxis. Verständlich, dass nun die Überraschung bei Linken und Grünen groß ist. Natürlich sollte man auch mal was zu trinken bekommen und aufs Klo gehen können, aber eine Demo ist auch kein 5-Sterne -Wellnessaufenthalt. Ebenfalls sollte bekannt sein, dass Linke und Grüne die Eskalation bewusst suchen, um dramatisch-schöne Insta-Bilder zu bekommen und dann monatelang im Internet rumheulen zu dürfen. Und zu Gelbwesten-Phantasie-Uniformen ist jeder Kommentar überflüssig.
Kommentar 23: Regina Peters schreibt am 03.09.2025, 02:04 Uhr :
Die Frage ist, was das Ganze sollte. Sollte eine Eskalation provoziert werden, als Vorwand, damit künftig solche Demos besser verboten werden können? Oder sollten die teils sehr jungen Menschen geschockt werden und damit sie künftigen Friedensaktionen fern bleiben? Oder ging es um die Personalien, der "Rheinmetall entwaffnen" Aktivisten? (Von allen im Kessel wurden die Daten aufgenommen.) Warum von Anfang an dieses völlig übertriebene Polizeiaufgebot? Und warum wurde der Weg durch die enge Mechtildisstr. gewählt? Man hätte die Rheinuferstr. weiter gehen können und dann am Ubierring zum Clodwigplatz (Abschlusskundgebung). Verrückt, die ganze, offensichtlich als gefährlich eingestufte Demo (sonst wäre die Anzahl der Polizisten und damit auch der Kosten für die Steuerzahler nicht gerechtfertigt) durch die Severinsstr. mit den ganzen Schaufenstern schicken zu wollen. Oder sollte sie da schon nie ankommen?
Kommentar 22: Anonym schreibt am 02.09.2025, 20:41 Uhr :
Das Video des*der Anwohner*in (https://www.youtube.com/watch?v=fwa0HEHZ9t0) lässt die Stellungnahme der Polizei, dass der Auslöser für die Eskalation, das Niederstoßen von Beamten gewesen sei, zumindest erklärungsbedürftig erscheinen. Eine ausgewogene Berichterstattung sollte auch die Darstellung der Demonstrierenden auf den Hergang abbilden, nicht nur die der Polizei und der parlamentarischen Beobachtung.
Kommentar 21: Anonym schreibt am 02.09.2025, 19:05 Uhr :
Wie mich die Kommentare hier abnerven, die die Schuld bei den Demonstrierenden suchen... (Quelle: Infos aus den Pressemitteilungen der POLIZEI. na klar) Hier werden meiner Meinung nach seitens Polizei völlig irsinnige Vorwürfe konstruiert, weil ansonsten die Haarsträubende Gewalt, die gegen die Demonstrierenden angewendedet wurde niemals zu rechtfertigen wäre. Ich empfehle allen die hier glauben, den Sachverhalt zu verstehen, mal selbst zu einer Demonstration zu gehen und sich ein eigenes Bild zu machen. Alternativ gibt es Videos im Internet, die das Vorgehen der Polizei bei dieser Demo eindrücklich zeigen. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen und bin immernoch schockiert von dem Ausmaß der Gewalt.
Kommentar 20: Anke Neisens schreibt am 02.09.2025, 18:02 Uhr :
Diese Putinversteher,Putin:(Mörder,Faschist,Kinderentführer,Eroberer mit Kriegsfantasien in Echt), Ja wir sollten gesamt Europa entwaffnen und diesen emphatischen Menschenfreund herzlich willkommen heißen, gehts noch ????? die Militärausgaben sind gruselig ,wie das ganze Morden weltweit, viele Menschen weltweit finden Faschismus toll , Hoch leben die Autokraten undDiktatoren!!! Toll!!!!!
Kommentar 19: Heidi schreibt am 02.09.2025, 12:59 Uhr :
Wenn die Polizei nicht mehr einschreiten darf, dann können wir sie ganz und gar abschaffen. In vielen anderen Ländern wird noch gewaltsame vorgegangen. Wer Gewalt ausübt, muss mit Gegengrwalt rechnen.
Kommentar 18: Kein Freund schreibt am 02.09.2025, 10:58 Uhr :
Minderjährige ohne Benachrichtigung der Eltern bis tief in die Nacht in einem Polizeikessel festhalten. Wer da keinen freidrehenden Polizeistaat erkennt, hat einen Dachschaden.
Antwort von Patrick , geschrieben am 02.09.2025, 16:28 Uhr :
Was für ein Quatsch.
Kommentar 17: haa-pe57 schreibt am 02.09.2025, 08:57 Uhr :
Hat mal einer der Demonstraten oder der Polizei darüber nachgedacht, wie sich wohl die Anwohner der Straße vorgekommen sind. Über viele Stunden eingesperrt, damit zu den Kölner Lichtern ungestört schöne Bilder produziert werden können, im weltoffenen Köln.
Kommentar 16: Nutzer schreibt am 02.09.2025, 08:55 Uhr :
Bei den gefundenen Gasflaschen handelte es sich wohl um Heliumflaschen für Luftballons.