Eine Explosion an einem Auto in Porz-Eil, Köln: Rockermilieu? | Aktuelle Stunde

Bildquelle: WDR / Franz

03:07 Min. Verfügbar bis 23.12.2027

Explosionen, Auftragsmörder, Schießereien: Racheakt im Rockermilieu?

Stand:

Immer wieder gibt es Gewalttaten in Köln, die dem Rocker-Milieu zugeordnet werden. Aktuell scheint sich die Situation zuzuspitzen.

Am Dienstagmorgen gegen 4.30 Uhr explodiert ein Sprengsatz in einer Seitenstraße in Köln. Die Explosion in dieser ruhigen Wohngegend in Porz-Eil beschädigt insgesamt zehn Autos. An einem Mercedes wird zum Beispiel die Windschutzscheibe zerstört, Fotos zeigen ein Loch in der Motorhaube des schwarzen Wagens.

Spurensicherung durch die Polizei nach Explosion in Köln-Eil

Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler soll eine dunkel gekleidete Person einen Sprengsatz auf der Motorhaube des geparkten Wagens abgelegt und gezündet haben. Die Wucht der Sprengung riss ein Loch in das Metall. Auch Hausfassaden sind laut Polizei betroffen. In der Nacht rufen Anwohner, die von dem Knall wach geworden waren, die Polizei. Nach bisherigem Stand wurde niemand verletzt.

Hinweise auf einen Täter gibt es offenbar nicht. Aus Ermittlerkreisen kam die Info, dass die Person, der der Anschlag galt, offenbar Verbindungen in die Rockerszene hat.

Racheaktion nach Schüssen am Samstag?

Die Ermittler prüfen deshalb mögliche Zusammenhänge ins Rockermilieu und zu dem versuchten Tötungsdelikt vom vergangenen Wochenende, bei dem ein 36-Jähriger durch Schüsse lebensgefährlich verletzt wurde. Das haben Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag bekanntgegeben.

Am Samstag wurde in Köln-Dellbrück ein 36 Jahre alter Mann in seinem parkenden Auto angeschossen. Gleich mehrere Projektile trafen den Mann, der Mitglied der Hells Angels sein soll. Sein Gesundheitszustand soll nach wie vor kritisch sein. Zeugen wollen am Samstag in Dellbrück beobachtet haben, dass der Schütze nach der Tat in ein silbernes Auto gestiegen und weggefahren ist.

Schütze für Gewalttat angeheuert?

Ein weiterer Punkt macht der Kriminalpolizei Arbeit: Bereits vor Wochen wurde ein 17-jähriger Schwede in Köln festgenommen. Der Jugendliche steht im Verdacht, in sozialen Netzwerken Straftaten als eine Art Dienstleistung angeboten zu haben. Konkret soll er dafür angeheuert worden und nach Köln gekommen sein, um im Rockermilieu jemanden zu erschießen. Das hatte die Kölner Staatsanwaltschaft vor wenigen Tagen mitgeteilt.

Nun prüfen die Ermittelnden nach eigenen Angaben, ob der 17-Jährige die Tat am vergangenen Samstag verüben sollte. Nach WDR-Informationen hat die Polizei auf seinem Handy Fotos des Opfers gefunden. Möglicherweise wurde nach der Festnahme des Jugendlichen ein neuer Schütze beauftragt, den 36-Jährigen zu töten. 

Immer wieder Gewalt aus Rockerszene

Die Ermittlungsgruppen der Kölner Polizei, die für Organisierte Kriminalität zuständig sind, halten sich mit Informationen zurück. Sie haben viel Arbeit. Das liegt an etlichen Fällen, die die Ermittelnden der Rockerszene zuordnen. Es geht dabei um schwere Kriminalität.

Explosionen, Auftragsmörder, Schießereien: Racheakt im Kölner Rockermilieu?

WDR Studios NRW 23.12.2025 04:02 Min. Verfügbar bis 23.12.2027 WDR Online

Immer wieder "Hells Angels"

Im Mai 2023 wird an einem Samstagnachmittag ein Mann erschossen. Mitten in einem belebten Park. Die Schützen flüchten offenbar in die Türkei. Hintergrund sind Auseinandersetzungen um ein sogenanntes Chapter der Hells Angels mit den Namen "Rhine Area".

Schüsse vor Kalker Fitnessstudio

Im Oktober 2024 stirbt ein Mann durch mehrere Schüsse vor einem Fitness-Studio in Köln-Kalk. Der vermummte Schütze flüchtet mit einem E-Scooter. Auch hier gibt die Polizei Auseinandersetzungen in der Rocker-Szene an.

Blick in einen Kiosk in Ostheim, geschossen durch die Scheibe

Schüsse in einem Kiosk in Osheim im Januar 2025

Bildquelle: WDR / Schmitz

Im Januar 2025 betritt in Köln-Ostheim ein vermummter Mann einen Kiosk. Er geht hinter die Theke und schießt mehrmals gezielt auf die Beine des Kassierers. Der Mann wird schwer verletzt, der Schütze flüchtet auch hier mit einem E-Scooter. Er soll ebenfalls Verbindungen ins Rockermilieu haben.

Ein Milieu, viele Geschichten

In diesen Fällen geht es um verschiedene Hintergründe, sagt die Polizei. Es geht um ausstehende Geldzahlungen, Streit um Drogen oder auch um das Verhalten innerhalb der Gruppierungen, beispielsweise um abtrünnige Mitglieder. Den Tätern in der Organisierten Kriminalität geht es ausschließlich um Geld, sagt ein Sprecher der Kölner Polizei. Das berge viel Konfliktpotential.

Explosionen, Auftragsmörder, Schießereien: Racheakt im Rockermilieu?

WDR Studios NRW 23.12.2025 00:44 Min. Verfügbar bis 23.12.2027

Unsere Quellen:

  • Staatsanwaltschaft Köln
  • Polizei Köln

Sendung: WDR.de, Explosionen, Auftragsmörder, Schießereien: Racheakt im Rockermilieu?, 23.12.2025, 11:38 Uhr

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