Ukrainer erinnern an Unabhängigkeit | WDR aktuell
Bildquelle: Andrii DunaievWDR. 00:51 Min.. Verfügbar bis 24.08.2028.
Familie Dunaiev kommt aus Cherson, im Süden der Ukraine. Am dritten Tag des Krieges besetzten russische Soldaten die Stadt. Iryna lebte mit ihren Kindern zwei Monate unter der Besatzung. Dann flohen sie. Noch heute guckt sie jeden Tag auf den Krieg in ihrer Heimat.
"Die Situation in unserer Stadt ist schlimm. Das russische Militär bombardiert sie täglich. Drohnen fliegen wie Vögel durch die Luft und schießen. Es ist eine Menschenjagd." Iryna Skybitska
Ein neues Leben für die Familie beginnt in Ascheberg
Seit Mai 2022 wohnt Iryna mit ihren Kindern Oleksandra und Stanislav in Ascheberg im Münsterland. Bereits nach zwei Wochen gingen die Kinder hier zur Schule. Heute sind sie 14 und 18 Jahre alt. Stanislav ist gerade im Ferienlager, seine große Schwester macht demnächst ihr Abitur.
"Ich fühle mich hier wohl. Ich mag Deutschland und bin dankbar für alle Möglichkeiten, die ich hier habe. Ich will jetzt mein Abi machen und dann studieren." Oleksandra Dunaieva
Vater Andrii wird im ukrainischen Schützengraben schwer verletzt
Irynas Mann Andrii ist erst seit April 2026 in Deutschland. Vorher war er vier Jahre bei der Armee. Er meldete sich freiwillig. Bei einem Minenangriff im Schützengraben wurde er schwer verletzt. Jetzt ist er bei seiner Familie und besucht hier einen Deutschkurs.
Die Familie lebt zwischen Heimweh und Ankommen
Iryna ist glücklich hier zu sein. "Das ist das Beste für meine Kinder und ich bin glücklich, wenn meine Kinder glücklich sind", sagt sie. Trotzdem vermisst sie ihr altes Leben.
Die Familie ist seit diesem Jahr wieder vereint.
Bildquelle: WDRIn der Ukraine hatte sie Bauwissenschaften studiert und als Baurechnerin gearbeitet. In Deutschland macht sie gerade eine Weiterbildung. Sie möchte wieder in dieser Branche arbeiten.
"Vor allem vermisse ich meine Eltern. Die sind in der Ukraine geblieben. Wenn ich daran denke, dass ich sie vielleicht nie wieder sehe, ist das für mich das Schlimmste", sagt Iryna.
Unabhängigkeitstag der Ukraine auch bei uns
- Am 24. August 1991 erklärte die Ukraine ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion.
- Zum 35. Jahrestag hält Präsident Selenskyj eine große Rede.
- Viereinhalb Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs berät die "Koalition der Willigen" in Kiew über weitere Hilfen.
- Auch in NRW sind Aktionen geplant, zum Beispiel in Bonn und Köln. In Bielefeld gibt es ein Kulturprogramm.
Der ukrainische Unabhängigkeitstag ist Protest- statt Feiertag
Früher feierte die Familie am Unabhängigkeitstag der Ukraine. Jetzt wollen sie auf die Situation in ihrer Heimat aufmerksam machen.
"Jedes Jahr gibt es diese Proteste und wir gehen auch hin. Wir müssen den Leuten zeigen, der Krieg ist immer noch da und wir gehen auf die Straße." Oleksandra Dunaieva
Auf die Frage, ob die Familie langfristig an die Unabhängigkeit der Ukraine glaubt, antwortet Iryna entschlossen: "Ja. Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass die Ukraine ihre Unabhängigkeit jemals wieder verliert."
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Iryna Skybitska
- Gespräch mit Oleksandra Dunaieva
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, "Wir geben unsere Heimat nicht auf", 24.08.2026, 5.07 Uhr
Sendung: WDR aktuell, 24.08.2026, 12.45 Uhr
