Wasser ist Leben. An einigen Tagen in diesem Sommer hatten einige wahrscheinlich das Gefühl, lange ist hier nicht mehr viel mit Leben. Alles trocken, vieles verdörrt und die Wasserstände in vielen Flüssen historisch niedrig.
Im Kreis Siegen-Wittgenstein ist die Lage nun derart akut, dass bis Anfang Oktober das private Blumengießen oder Autowaschen mit Trinkwasser aus der Leitung verboten ist. Gut 280.000 Menschen sind davon betroffen. Wer das trotzdem macht und erwischt wird, muss bis zu 1.000 Euro Strafe zahlen.
Andreas Müller, Landrat Kreis Siegen-Wittgenstein
Bildquelle: WDR"Wenn wir Weihnachten noch genug Wasser haben wollen zum Kochen und zum Duschen, dann müssen wir jetzt anfangen wirklich zu sparen", sagt Landrat Andreas Müller. Wie dramatisch ist die Lage dort? Und droht das auch in anderen Städten und Gemeinden?
Woher kommt unser Trinkwasser in NRW?
Um die Frage zu beantworten, müssen wir zunächst schauen, woher das Trinkwasser in NRW kommt. Die Hälfte wird aus Grund- und Quellwasser gewonnen, sagt das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima. Rund 17 Prozent kommen aus großen Talsperren. Die sind aber vielerorts im Moment deutlich leerer als sonst, wie eine Abfrage des WDR bei den Wasserverbänden ergeben hat.
In Siegen-Wittgenstein kommt viel Trinkwasser aus Talsperren
Der Kreis Siegen-Wittgenstein ist deswegen so stark betroffen, weil da fast 90 Prozent des Trinkwassers aus den Talsperren kommt - anders als in den meisten anderen Regionen, in denen Talsperren nur ein Teil der Trinkwasserversorgung sind. Deswegen könnte nicht nur die Qualität des Trinkwassers leiden, wenn es weiter zu wenig regnet - es drohen "in absehbarer Zeit auch Versorgungsengpässe", schreibt der Wasserverband Siegen-Wittgenstein.
Die Obernautalsperre ist nicht mal mehr zur Hälfte gefüllt.
Bildquelle: WDR/Gerrit SaßmannIn Zahlen heißt das: Die Obernautalsperre ist nur noch zu 48 Prozent gefüllt, die Breitenbachtalsperre zu 57 Prozent. In anderen Regionen im Westen ist zwar teilweise noch weniger Wasser in den Talsperren - in der Großen Dhünntalsperre beispielsweise nur noch 42 Prozent (alle Stand 24.08.2026). Der zuständige Wupperverband sagt aber: Das können wir durch zwei andere Talsperren ausgleichen, die sehr viel voller sind. Das geht in Siegen nicht. Deswegen der Hilferuf.
Die Arbeitsgemeinschaft Trinkwassertalsperren sagt trotzdem: Grundsätzlich sei die Trinkwasserversorgung aus Talsperren gesichert - und das trotz des knochentrockenen Sommers. Doch die Hitze und fehlender Regen zeigen, wie verwundbar das System geworden ist.
Experte rechnet häufiger mit Einschränkungen
Mark Braun leitet das Forschungsinstitut für Wasserwirtschaft und Klimazukunft an der RWTH Aachen. Er geht davon aus, dass so etwas wie im Kreis Siegen-Wittgenstein öfter vorkommen wird: "In NRW wird es zukünftig temporär mehr lokale Einschränkungen geben." Das Mindset, dass immer und überall Wasser verfügbar sei, "wird nicht mehr funktionieren".
Mark Braun von der RWTH Aachen
Bildquelle: Martin Braun / FiW e.V.NRW leide zwar nicht an Wasserarmut. "Aber wir haben keinen vollständigen Überblick darüber, wer wie viel Wasser aus unseren Gewässern entnimmt." Die Politik müsse deswegen transparent über die Verteilung und Priorisierung sprechen. Heißt: Wer benötigt wieviel Wasser, wenn es knapp wird: die Bürger, die Landwirtschaft, die Industrie.
"In anderen Ländern ist es normal, dass Strom oder Wasser temporär eingeschränkt nutzbar oder nicht verfügbar sind. Ich erwarte von der Politik, dass sie für solche Phasen Notfallpläne ausarbeitet", sagt Braun. Damit die Menschen in NRW weiter mit frischem Trinkwasser beliefert werden - und auch an Weihnachten kochen oder duschen können.
Unsere Quellen:
- Landesamt für Natur, Umwelt und Klima
- Arbeitsgemeinschaft Trinkwassertalsperren
- Wasserverband Wupper
- Wasserverband Siegen-Wittgenstein
- Interview mit Mark Braun (RWTH Aachen)
Sendung: WDR.de, Leere Talsperren in Siegen-Wittgenstein, 24.08.2026, 16.50 Uhr