Ein Kind kauert vor einem Sofa und blickt auf ein Smartphone, man erkennt kein Gesicht

Echte Information oder Fake-News?

Bildquelle: dpa / Annette Riedl

Fake-News oder echt Wie Kinder lernen, wem sie online trauen können

Stand:

Demokratie lebt davon, dass sich Menschen eine eigene Meinung bilden können. Dafür brauchen sie Informationen. Deshalb wollen große Medienhäuser in dieser Woche darauf aufmerksam machen, wie wichtig seriöse Informationen sind. Und wie wichtig es ist, dass Menschen echte Infos von Fake-News, reale Fotos von Ki-generierten Bildern unterscheiden können. Das fängt bei den Kindern an.

Anfang des Jahres sorgte ein Internet-Video für Gesprächsstoff: Es zeigte ein Flugzeug, das angeblich mitten auf der A 3 bei Duisburg gelandet war. Die Bilder waren täuschend echt - aber sie waren mit KI erschaffen. Doch wie unterscheidet man echte, seriöse Nachrichten von Fake-News?

KI-generiertes Bild: Ein Flugzeug steht auf einer Autobahn bei Duisburg

Das Foto sieht täuschend echt aus - ist aber Fake.

Bildquelle: SokakTV

Gerade für Kinder und Jugendliche kann das schwer sein, sagt Robert de Lubomirz-Treter von der Landesanstalt für Medien NRW. Der 35-Jährige ist dort Teamleiter im Bereich Medienkompetenz und kennt die Fragen und Herausforderungen, mit denen sich Schüler, deren Eltern und die Lehrkräfte bei dem Thema konfrontiert sehen.

Herr de Lubomirz-Treter, wie steht um die sogenannte Medienkompetenz bei Kindern? Denken wir mal an die Altersgruppe zwischen zehn und 14 Jahren?

Robert de Lubomirz-Treter: Meine Erfahrung ist, dass die Kompetenzen sehr unterschiedlich sind. Wir haben Kinder und Jugendliche, die, was ihre Fähigkeiten angeht, deutlich weiter sind als ihre Eltern. Die schnell darin sind, Dinge zu erkennen. Wir kennen aber auch viele Kinder und Jugendliche , die damit nicht so viel in Berührung kommen. Beides existiert. Das kann man gar nicht so pauschalisieren.

Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, dass Kinder mit Medien umgehen können?

Portrait von Robert de Lubomirz-Treter

Robert de Lubomirz-Treter von der Landesanstalt für Medien NRW

Bildquelle: Landesanstalt für Medien NRW

de Lubomirz-Treter: Sehr wichtig. Medien und die damit verbundene Kompetenz berühren ja alle Lebensbereiche und können nicht voneinander getrennt werden. Früher gab es die Vorstellung der "echten Welt" und der "digitalen Welt". Das verwächst alles miteinander. Was im echten Leben gilt, gilt meist auch digital: "Wem kann ich vertrauen, wie soll ich mich verhalten?" Aber in der Wahrnehmung ist das noch nicht angekommen. Viele Menschen verhalten sich im Internet anders, risikohafter und kommunizieren so miteinander, wie sie das im "echten Leben" nicht tun würden.

Welche Gefahren gibt es beim Medienkonsum, vor allem bei Social Media?

de Lubomirz-Treter: Zum einen die Zeit, die man in den sozialen Medien verbringt, es gibt da ja teilweise süchtigmachende Mechanismen. Kinder machen oft das nach, was die Eltern machen. Wenn wir als Erwachsene alle am Handy kleben, dann hat das Auswirkungen auf das ganze Miteinander. Zum anderen: Kinder und Jugendliche können vielleicht technisch mit den Apps umgehen, aber vertrauen im Internet schnell jemanden, den sie gar nicht kennen. Ihnen fehlt teilweise die Lebenserfahrung und manchmal auch das Vertrauen zu den eigenen Eltern, um sich Hilfe zu suchen. Das sind Bausteine, an denen wir bei der Landesanstalt für Medien NRW arbeiten.

Also wäre es sinnvoll, ihnen beizubringen, wie zum Beispiel ein Algorithmus funktioniert?

de Lubomirz-Treter: Unbedingt. Wenn ich Auto fahre und nicht weiß, wie ein Motor funktioniert, ist das weniger dramatisch, als wenn ich auf Sozialen Medien unterwegs bin und nicht weiß, warum mir bestimmte Beiträge angezeigt werden. Zum Beispiel, weil ich zu dem Thema schon sehr viel konsumiert habe. Oder die Tatsache, dass man nicht immer davon ausgehen kann, dass die Person, mit der ich auf einer Online-Plattform diskutiere, echt ist und es darum geht, eine Diskussion anzuheizen und eine Polarisierung zu verstärken.

Welche Rolle spielt denn die Schule in der Vermittlung von Medienkompetenz?

de Lubomirz-Treter: Für uns als Landesmedienanstalt eine sehr große. Wir haben allein an über 1.200 Schulen in NRW Medienscouts und bilden regelmäßig neue Schülerinnen und Schüler aus, die dann wiederum ihren Mitschülern bei Problemen helfen. Ich glaube, dass Medienkompetenz in allen Schulfächern eine Rolle spielt und nicht nur ein böses Schreckgespenst sein muss. Und wahrscheinlich ist es auch für das künftige Arbeitsleben wichtig: Bei vielen Berufswegen wird auch entscheidend sein, wie groß die KI-Kompetenz ist.

Was halten Sie davon, ein eigenes Schulfach "Medienkompetenz" einzuführen?

de Lubomirz-Treter: Da habe ich eine ambivalente persönliche Meinung. Das kommt darauf an, wie gut das in den einzelnen Schulfächern schon verwoben ist. Wenn das nicht der Fall ist, könnte es sinnvoll sein, sich Gedanken zu machen, wie man das als eigenes Fach hinbekommt. Andererseits: Die Thematik wie KI und Chatbots verändert sich so schnell und ist ganz anders aufgebaut als ein Schulfach mit Naturgesetzen. Das wäre ein Schulfach, das extrem anpassungsfähig sein müsste. Da weiß ich nicht, ob das in der Praxis funktionieren würde.

Wie hoch ist die Verantwortung der Eltern bei der Vermittlung von Medienkompetenz?

de Lubomirz-Treter: Eltern sind die ersten Ansprechpersonen für ihre Kinder. Ich bekomme viele Fälle mit, wo es um sehr persönliche Geschichten geht und um die Dinge, die passieren können. Da geht es oft um persönliche Integrität, und das sind Themen, die will man nicht in der Schulklasse besprechen. Da braucht man Eltern, die verstehen, was die Kinder da überhaupt machen. Social Media ist ein Teil ihrer Jugendkultur.

Aber das setzt voraus, dass die Eltern im Umgang mit Sozialen Medien selbst fit sind. Inwiefern trifft das zu?

de Lubomirz-Treter: Wir machen viele Elternveranstaltungen, digital teilweise mit Tausenden Eltern über unsere Kanäle zum Beispiel über "Frag Zebra". Man merkt am Zulauf, dass es ein großes Interesse gibt. Wenn es darum geht, sich vorher zu informieren, empfehle ich unser Angebot www.frageantwort.de oder unseren Podcast "Likes und Nebenwirkungen" Wenn es darum geht, sich persönlich und konkret Hilfe zu holen: Wir vermitteln auch die passenden Angebote.

Interview mit Robert de Lubomirz-Treter,Landesanstalt Medien NRW

WDR 11.09.2026 5 Min. 21 Sek. Verfügbar bis 11.09.2027

Das Interview wurde geführt von WDR-Reporterin Cordula Krell.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, Wie Kinder lernen, wem sie online trauen können, 14.09.2026, 5:00 Uhr

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