Familie Hübner vor acht Jahren, als sie ihr zweites Kind Milan adoptiert hatten.
Bildquelle: Familie HübnerAlkoholgeschädigte Kinder : Wie Adoptiveltern in Münster damit klarkommen
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Die Hübners aus Münster lieben ihre Kinder über alles. Als sie sie im Neugeborenen-Alter adoptierten, wussten sie nicht, dass die Kleinen schwere Hirnschäden haben, weil ihre leiblichen Mütter in der Schwangerschaft Alkohol getrunken hatten.
Ella und Thorsten Hübner haben es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht, in ihrer Mitte Sohn Milan, acht Jahre alt. Zusammen blättern sie in Fotoalben, schauen Baby-Fotos an. Milan mag das. Er zeigt auf ein Foto. "Das war das erste Weihnachten mit mir."
Die Hübners haben Milan vor acht Jahren adoptiert. Sie haben einen weiteren Adoptivsohn, Ilian, 12 Jahre alt.
Ella und Thorsten Hübner mit ihrem Sohn Milan.
Bildquelle: WDREr war in der 28. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen, ein Extrem-Frühchen, mit 620 Gramm Geburtsgewicht.
Eingeschränkt, verhaltensauffällig, aggressiv durch FASD
Beide Jungen leiden unter einer sogenannten Fetalen Alkoholspektrumstörung (FASD), sie sind geistig und zum Teil körperlich eingeschränkt, zeigen Verhaltensauffälligkeiten, reagieren bei Überforderung aggressiv. Vor allem Ilian.
"Als er Zwei war, fing er an, sich selbst zu verletzen. Er hat viel geweint, war sehr überreizt. Und als er älter wurde, merkten wir auch, mit seinem Gedächtnis stimmt was nicht", erzählt Ella Hübner.
"Er konnte nicht sagen, was 10 Minuten vorher passiert war, oder was er gerade gegessen hatte." Ella Hübner, Adoptivmutter
Bei der Adoption der Kinder war FASD für die Eltern noch weit weg
Die Hübners hatten zwar in der Vorbereitung auf die Adoption erfahren, dass Kinder, die zur Adoption freigegeben werden, FASD haben könnten. Doch sie dachten nicht daran, dass ihre beiden Jungen betroffen sein könnten.
"Die ersten Jahre sind alle Therapeuten und alle Ärzte, die uns begleitet haben, davon ausgegangen, dass das Nachwirkungen von der Frühgeburt sind und sich das nach und nach mit viel Förderung und Therapie verbessert." Thorsten Hübner, Adoptivvater
FASD-Diagnose für Paar in Münster erst nach leidvollen Jahren
Verbesserung mit der Zeit? "Das Gegenteil war der Fall", erzählen die Hübners. Erst nach sehr anstrengenden und oft leidvollen Jahren für Ilian und seine Adoptiveltern äußerte ein Kinderpsychologe den FASD-Verdacht.
Er glaubte, dass die leibliche Mutter Alkohol in der Schwangerschaft getrunken und Ilian dadurch schwere Hirnschäden davon getragen haben könnte.
Aufgeben war für die Hübners nie eine Option
Bildquelle: WDR/Petra BrönstrupEbenso Milan, den die Hübners fünf Jahre nach Ilian adoptiert hatten. Und erst mit der Diagnose FASD verstanden die Hübners, was wirklich mit ihren Kindern los ist, warum sie so anders sind als andere Kinder sind.
Verzichten, aufgeben, aushalten
Die Hübners lieben ihre Kinder über alles, sie würden sie nie wieder hergeben wollen. Aber sie sagen auch, dass die vergangenen Jahre ihnen alles abverlangt haben, weil Ilian und Milan sich eben nicht wie "normale" Kinder verhalten, sondern bei geringsten Reizen überfordert sind und explodieren.
"Wir mussten unser komplettes Leben ändern, auf vieles verzichten, viel aufgeben, viel aushalten." Ella Hübner, Adoptivmutter
Von Freunden und Verwandten hätten sich die Hübners Unterstützung gewünscht. "Stattdessen gab es am Anfang viel Kritik, dass wir nicht streng genug sind, dass Ilian uns auf der Nase herumtanzt, dass er nur seinen Willen haben will", erinnert sich Ella Hübner.
"Wir wussten ja selbst nicht, was wir machen sollen, was richtig und falsch ist", ergänzt Thorsten Hübner.
Aufklärung über Alkohol in der Schwangerschaft
Inzwischen versuchen Ella und Thorsten Hübner, sich auch wieder um sich selbst zu kümmern. Thorsten hat angefangen, Unterwasser-Rugby zu spielen. Ella malt. Aber nicht irgendwas.
Ella Hübner malt. Ihr Motiv sind ihre Kinder und deren oft chaotische Gefühlswelt.
Bildquelle: WDR/Petra BrönstrupDie 45-Jährige Illustratorin malt die Welt ihrer Kinder, ihre Ängste, ihre Aggressionen, ihre Verzweiflung. Ende September soll es in Münster eine Ausstellung mit Bildern von Ella Hübner geben. Sie will damit über Alkohol in der Schwangerschaft und die fatalen Folgen für Kinder aufklären. Denn nach ihrer Ansicht ist darüber noch immer viel zu wenig bekannt.
Unsere Quellen:
- Reporterin im Gespräch mit Ella und Thorsten Hübner
- FASD Deutschland e.V.
Sendung: WDR 2, WDR 2 für das Münsterland, 08.09.2026, 6:31 Uhr
