Ylber Uka sitzt im Vordergrund an einem Tisch mit weiteren Schülern und Schülerinnen im Klassenraum

Ylber Uka im Klassenraum

Bildquelle: WDR / Helen Erdbrügge

Bereit für Gespräche am Krankenbett: Dafür lernt Ylber Uka Deutsch

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Als Reinigungskraft in der Uniklinik Münster braucht Ylber Uka die deutsche Sprache: im Gespräch mit seinem Arbeitgeber, mit Patienten, mit Kollegen. Wie viele andere ist er aus dem Ausland nach Deutschland gekommen, ohne Deutsch zu sprechen. Ein auf seinen Beruf zugeschnittener Kurs hilft ihm dabei, sich zu verständigen.

Von Helen Erdbrügge

Désinfectant, مطهر, Desinfectante… Ylber Uka schreibt "Dezinfektues" daneben an die Tafel - das albanische Wort für Desinfektionsmittel. Jeder der Teilnehmer hier im Kurs kommt aus einem anderen Land, spricht eine andere Sprache. Elf Nationen, und alle wollen so Deutsch lernen, dass sie im Berufsalltag gut zurechtkommen. Uka ist vor anderthalb Jahren nach Deutschland gekommen. Seine Frau hat hier einen Job als Krankenschwester im Universitätsklinikum Münster (UKM) gefunden. Er ist hinterher gereist und arbeitet seitdem als Reinigungskraft - auch beim UKM.

Deutschkurse für Reinigungskräfte am Uniklinikum Münster

Bildquelle: WDR

Lokalzeit Münsterland 10.03.2026 2 Min. 38 Sek. Verfügbar bis 10.03.2028 WDR Von Helen Erdbrügge

Zweimal in der Woche geht Uka zum Deutschkurs. Der 31-Jährige lernt dort nicht nur Vokabeln, sondern übt vor allem das Sprechen. Das ist nicht nur wichtig, um sich mit Kollegen und Vorgesetzten zu unterhalten - Uka ist auch oft in Patientenzimmern unterwegs: "Manchmal spreche ich mit Patienten, weil sie sehr traurig sind. Sie brauchen diese Gespräche, weil sie alleine im Zimmer sind und ihre Familien sie nicht jeden Tag besuchen."

Angehende Deutschlehrer unterrichten ehrenamtlich

In solchen Situationen nicht die richtigen deutschen Worte zu finden, sei die größte Angst der meisten, sagt Dominik Wellmann. Er leitet den Deutschkurs seit einem halben Jahr zusammen mit Maya Hohl. Beide studieren Deutsch im Master an der Uni Münster. Sie helfen den Reinigungskräften ehrenamtlich, können dadurch auch Praxiserfahrung sammeln. In einigen Monaten übernehmen dann neue angehende Deutschlehrer, die ebenfalls kurz vor dem Abschluss ihres Studiums stehen.

Ein Mann mit einem weißen Shirt steht neben einem Putzwagen

Ylber Uka arbeitet als Reinigungskraft beim UKM

Bildquelle: WDR / Helen Erdbrügge

Die Idee zu den Kursen in Kooperation mit den Studenten kam vom Uniklinikum Münster selbst. Andreas Rütz, Leiter des Gebäudemanagements, hat gemerkt, dass Standardkurse mit B1-Abschluss seine Mitarbeiter nicht genug auf den Arbeitsalltag vorbereiten. Deswegen hat er vor etwa sieben Jahren mit den Kursen - speziell für Reinigungskräfte - angefangen.

Die größte Herausforderung sei die Kommunikation untereinander. Mehr als 43 Prozent der Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte spricht laut Statistischem Bundesamt zuhause vorwiegend eine andere Sprache, 23 Prozent sprechen gar kein Deutsch in den eigenen vier Wänden. Damit fehlt die regelmäßige Übung im Alltag. Da Deutsch aber die einzige gemeinsame Sprache im Kurs ist, sprechen hier alle automatisch Deutsch - und lernen es dadurch auch schneller.

Vom Offizier in Albanien zur Reinigungskraft

Im Unterricht liest immer einer aus der Gruppe die Textaufgaben laut vor. Uka meldet sich und liest: Die Teilnehmer sollen im Zweiergespräch so tun, als würden sie einem neuen Kollegen die Arbeit erklären. "Zuerst müssen wir uns einstempeln. Ohne Stempel kriegen wir kein Geld", sagt Uka lachend. Gerade solche Formalitäten sorgen oft für Unsicherheit. Deswegen lernen sie auch im Kurs, wie man sich zum Beispiel krankmeldet und Urlaub anfragt.

Ylber Uka sitzt in einem hellen Shirt neben anderen Schülern in seinem Deutschkurs an einem Tisch

Die Schülerinnen und Schüler des Kurses sprechen die unterschiedlichsten Sprachen

Bildquelle: WDR

Für Uka ist Deutsch zu sprechen zwar mittlerweile Alltag, aber immer noch schwierig. In Albanien hat er erst studiert und war dann jahrelang Offizier beim Militär. Die Arbeit als Reinigungskraft mache ihm aber auch Spaß. Die Patienten sind sehr freundlich, erzählt er, und bedanken sich immer. Er wolle sich hier ein Leben aufbauen, und fühle sich vor allem durch die Wertschätzung für seinen Beruf jetzt schon in Deutschland zuhause.

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 10.03.2026, 19.30 Uhr.

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