Erste deutsche islamisch-theologische Fakultät eröffnet
Bildquelle: WDR / Paule Goebel3 Min. 31 Sek.. Verfügbar bis 24.09.2028.
Für die Studierenden markiert die offizielle Gründung der ersten deutschen islamisch-theologische Fakultät in Münster einen deutlichen Wandel. Die Fakultät gehört nun als Fachbereich 16 zur Universität Münster.
Vom jungen Projekt zur international viel beachteten Islam-Fakultät
Abdulkerim Şenel promoviert an der Fakultät und kennt die Entwicklung der islamischen Theologie in Münster seit ihren Anfängen. Die Aufwertung zur Fakultät verändert aus seiner Sicht die Möglichkeiten für Studierende.
"Viele Muslime gucken dann auch in diese Richtung, weil wir brauchen als muslimische Gemeinschaft nicht nur Gebetsräume, sondern wir brauchen auch Räume, wo man gewisse Denkprozesse anstoßen kann, offen diskutieren und reflektieren kann." Abdulkerim Şenel, promoviert in der Religionssoziologie
Mit eigenen Gremien und einer eigenen Promotionsordnung kann die islamische Theologie ihre Strukturen nun selbst gestalten, eigene Forschungsschwerpunkte entwickeln.
Einzigartigkeit bringt neue Perspektiven für die Forschung über den Islam
Auch Recep Aktaş - der ebenfalls an der Fakultät promoviert - blickt optimistisch auf die kommenden Jahre. Mit dem neuen Status der einzigartigen Fakultät könnten sich weitere Spezialisierungsmöglichkeiten ergeben.
Bereits jetzt gibt es Interesse aus dem Ausland an Kooperationen und gemeinsamen Projekten. Dekan Mouhanad Khorchide sieht darin eine Chance, die islamische Theologie an der Universität Münster auch international stärker zu vernetzen.
Interreligiöser Austausch wichtigste Aufgabe auf dem Campus der Religionen in Münster
Eine weitere Perspektive eröffnet der geplante Campus der Theologien und Religionswissenschaften. Dort sollen künftig islamische, katholische und evangelische Theologie sowie Judaistik enger zusammenkommen.
"Die Möglichkeit zu haben, gemeinsam an einem Campus zu forschen, sich miteinander auszutauschen, auch wenn es nur bei einer Begegnung in der Mensa ist, ist natürlich für uns sehr bedeutend." Recep Aktaş, promoviert im Bereich Koranexegese
Für die Studierenden bedeutet das neue Möglichkeiten für Begegnungen und gemeinsame Projekte. Der interreligiöse Austausch findet zwar bereits statt, bekommt mit dem gemeinsamen Campus künftig aber auch einen festen Rahmen.
Auf dem Campus der Religionen kommen in Zukunft alle theologischen Fakultäten zusammen.
Bildquelle: WDR / Paula GoebelLeitmotiv der neuen Fakultät: "In Verantwortung, Zukunft gestalten"
Gründungsdekan Prof. Dr. Mouhanad Khorchide verbindet mit der Fakultät außerdem einen gesellschaftlichen Anspruch. Unter dem Leitmotiv "Islamische Theologie in Verantwortung, Zukunft gestalten" soll sie wissenschaftlich arbeiten und zugleich stärker mit der Gesellschaft in Kontakt treten.
"Wir dürfen innerhalb der islamischen Theologie nicht in Opferdiskurse hineingehen." Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Dekan Islamisch-Theologische Fakultät
Islamische Theologie zwischen Vorbehalten und Verantwortung
Mit der neuen Fakultät verbindet Khorchide deshalb auch einen gesellschaftlichen Auftrag. Die islamische Theologie müsse auf Menschen zugehen, die dem Islam skeptisch gegenüberstehen oder Ängste haben. Entscheidend sei, wie ein weltoffenes Verständnis des Islams in die Gesellschaft vermittelt werden könne.
Nach 15 Jahren Entwicklung steht die islamische Theologie in Münster damit vor einer neuen Etappe - mit größeren Strukturen, neuen Forschungsoptionen und dem Anspruch, ihre Rolle innerhalb der Universität und darüber hinaus weiter auszugestalten.
300 Gäste aus dem In- und Ausland bei der offiziellen Eröffnung in Münster
Hochrangige Gäste aus dem In- und Ausland sind zum Festakt im Münsteraner Schloss am Donnerstagabend, 24. September, zusammen gekommen. Gefeiert wurde die Gründung der ersten islamisch-theologischen Fakultät Deutschlands und Westeuropas.
Unter den Gästen sind auch die ehemalige deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Annette Schavan, der Münsteraner Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, sowie die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Adelheid Ruck-Schröder gewesen.
Ein Abend voller tiefer Worte
Dekan Khorchide bei der Eröffnung des Abends.
Bildquelle: WDR / Paule GoebelEröffnet wurde der Abend mit einer Rezitation aus dem Koran von Gründungsdekan Mouhanad Khorchide. In den darauffolgenden zahlreichen Reden der Gäste ging es vor allem um die Bedeutung der neuen Fakultät, die damit verbundenen neuen Mögklichkeiten und Freiheiten. Gleichzeitig aber auch um die Verantwortung, die mit der neuen Eigenständigkeit wächst.
Die Festrede hielt der Berliner Soziologe Hans Joas.
Bildquelle: WDR / Paule GoebelDie Fakultät solle nicht nur innerhalb der Universität wirken. Von ihr wird auch eine Verantwortung weit über Münster hinaus erwartet - etwa für Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit und für den Dialog zwischen Religionen und Gesellschaft.
Neben Reden, Musik und Grußworten gab es auch persönliche Worte vom Dekan. Er dankte auch seiner Familie, die ihn auf diesem langen Weg von den Kinderschuhen der islamischen Theologie bis hin zur Gründung dieser Fakultät begleitet hat. Für Khorchide gab es heute gleich zwei für ihn sehr wichtige Events: Die Gründung der Fakultät und die Geburtstag seiner Frau. Also für ihn ein echter Tag zum feiern.
Unsere Quellen:
- Uni Münster
- Gespräch mit Prof. Dr. Mouhanad Khorchide
- Gespräch mit Abdulkerim Şenel
- Gespräch mit Recep Aktaş
- Eindrücke der Reporterin vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 24.09.2026, 19:30 Uhr
