Miete zahlt die Stadt: Tageseltern müssen Steuern zahlen
In Münster gibt es über 40 städtische Großtagespflegestellen, in denen jeweils zwei Tageseltern bis zu neun Kleinkinder betreuen können. Hauptmieter sind zwar jeweils die selbständigen Tageseltern, den größten Teil der Miete allerdings zahlt die Stadt Münster und zwar direkt an die Vermieter. Wie so etwas läuft, liegt in der Hand der jeweiligen Städte und Kommunen.
Jahrelang wurde den Tageseltern suggeriert, dass diese Mietzuschüsse für sie keine steuerliche Relevanz haben - jetzt aber plötzlich doch.
"Es geht hier um alles" - Welche Zukunft hat die Großtagespflege in Münster?
Am Donnerstagnachmittag (24. September) ist das Thema im Jugendhilfeausschuss.
Viele haben Protestschilder gebastelt.
Bildquelle: WDR/Nicole AlbersIm Vorfeld haben sich rund 100 Tageseltern, Eltern und Kinder vor dem Stadthaus 2 versammelt, um der Verwaltung lautstark Druck zu machen. Katharina Rund, Tagesmutter in Münster, sagte dem WDR im Vorfeld: "Es muss dringend eine Lösung her, denn viele Tageseltern stehen mit dem Rücken zur Wand. Es geht hier um alles - auch um die Zukunft der Ganztagespflegestellen."
Circa 40 Tageseltern waren bei der Sitzung am Donnerstagnachmittag in der Sitzung. Aber sie verließen nach dem Tagesordnungspunkt enttäuscht und lautstark den Saal.
Es wurde noch keine Lösung für die Tageseltern bekanntgegeben. Es gab lediglich die Info, dass an einer Lösung gearbeitet wird. Die Enttäuschung war dementsprechend groß.
Tageseltern in Münster haben Existenzangst
Katharina Rund arbeitet seit mehreren Jahren als Tagesmutter bei den Heide-Hüpfern, einer Großtagespflegestelle in Münster-Gelmer. Dort betreut sie zur Zeit vier Kleinkinder und das mit ganzem Einsatz.
"Hier geht es wirklich um alles, viele haben Angst, Haus und Hof zu verlieren." Katharina Rund, Tagesmutter
Das muss sie auch, denn sie ist Alleinverdienerin ihrer vierköpfigen Familie.
Zukunft vieler Tageseltern in Münster auf der Kippe
"Ich liebe diesen Beruf, kürzlich habe ich mich weiterqualifizieren lassen, denn hier habe ich auch meine Zukunft gesehen", sagt Rund. Doch diese Zukunft wackelt gehörig, denn ihr droht eine fünfstellige Steuernachzahlung.
"Anderer Umgang der Finanzverwaltung" in Münster mit Mietzuschüssen
Das betrifft viele Tageseltern, denn in den Sommerferien hat die Stadt Münster sie informiert, dass die Mietzuschüsse der Stadt für die Großtagespflegestellen versteuert werden müssen und zwar rückwirkend. Ursache sei nach Aussage der Stadt ein "anderer Umgang der Finanzverwaltung" mit eben diesen Mietzuschüssen.
Das Logo der Heide-Hüpfer - einer Großtagespflegestelle in Münster-Gelmer.
Bildquelle: WDR / Nicole AlbersDrohende Privatinsolvenz
"Niemand sagt uns was, niemand spricht mit uns. Wir fühlen uns gerade komplett alleingelassen!" So beschreibt Dela Mußmann ihre Gefühlslage. Die 39-Jährige hat bis vor zwei Jahre bei den Heide-Hüpfern gearbeitet.
Aus gesundheitlichen Gründen hat sie damals aufgehört. Für sie geht es um alles, denn sie ist zweifache alleinerziehende Mutter und lebt von der Grundsicherung. Auch ihr droht jetzt eine fünfstellige Steuernachzahlung und damit der Gang in die Privatinsolvenz.
Offenbar wurden einige Tageseltern nicht informiert
"Was mich auch betroffen macht, ist, dass ich von der Stadt überhaupt nicht informiert wurde." Dela Mußmann, ehemalige Tagesmutter
Informiert wurde sie erst durch ihre ehemaligen Kollegin Katharina Rund. Die Infos über die steuerlichen Änderungen ging offenbar nur an Tageseltern, die aktuell in Großtagespflegestellen arbeiten, das bestätigen mehrere Tageseltern. Dennoch betrifft es genauso die Ehemaligen. "Es kann doch nicht sein, dass wir dafür zahlen müssen, weil die Stadt uns jahrelang falsch informiert hat."
Stadt Münster sucht nach eigener Aussage nach möglichen Lösungen
Gegenüber dem WDR hat sich die Stadtverwaltung bislang nur schriftlich dazu geäußert. Man bedauere, dass die derzeitige Situation für Unsicherheit und Existenzängste sorge. Derzeit werde nach Ansätzen gesucht, um die Kindertagespflegepersonen zu unterstützen.
Nur 27 Großtagespflegestellen in Münster aktuell voll besetzt
Keine leichte Aufgabe, denn die Stadt Münster steckt in der Haushaltssicherung und die Mietkostenzuschüsse für die Ganztagespflegestellen belaufen sich jährlich auf fast eine Millionen Euro, unabhängig davon, ob dort Kinder betreut werden oder nicht.
Denn um Betreuungssicherung zu garantieren, hat die Stadt 10-Jahresverträge mit den jeweiligen Vermietern abgeschlossen. Derzeit sind aber nur 27 Großtagespflegestellen vollständig besetzt.
Quellen:
- Katharina Rund, Tagesmutter bei den Heide-Hüpfern
- Dela Mußmann, ehemalige Tagesmutter
- Stadt Münster
- Eindrücke der Reporterin vor Ort
Sendung: WDR 2, WDR 2 für das Münsterland, 24.09.2026, 11:30 Uhr
