Universität Münster: Eine neue Fakultät entsteht

WDR 02:26 Min. Verfügbar bis 30.03.2028

Einzigartig in Westeuropa Neue Islamisch-Theologische Fakultät in Münster

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Die Uni Münster ist Vorreiter: Sie hat nun offiziell die erste Islamisch-Theologische Fakultät Deutschlands und auch Westeuropas.

Bereits seit 2012 gab es mit dem Zentrum für Islamforschung an der Uni Münster einen Lehrstuhl für islamische Theologie. Der Leiter, Mouhanad Khorchide, tritt für ein liberales Verständnis vom Islam ein, das die Aussagen des Korans zeitgemäß auslegt und starre Auffassungen hinterfragt. Er warnt regelmäßig vor radikalen Tendenzen und wurde von konservativen Islamvertretern immer wieder kritisiert.

Mit dem neuen Status als Fakultät, ebenfalls unter der Leitung von Khorchide, erhält die bisherige Einrichtung mehr Eigenständigkeit und soll so ihre Forschung sowie den internationalen Austausch weiter ausbauen können. Schon jetzt scheint sich der Schritt auszuzahlen.

Universität Münster (Drohnenansicht)

Der neue Campus der Theologien und Religionswissenschaften bringt die evangelische, katholische und islamische Theologie sowie die Judaistik zusammen. (Bild vom 16.04.2026)

Aus der gesamten islamischen Welt trudelten Kooperationsanfragen und Promotionsbewerbungen in der Fakultät ein, so Prof. Dr. Mouhanad Khorchide. Für den Dekan ist die Gründung ein Meilenstein.

"Damals, muss ich gestehen, hat man nicht gedacht, dass irgendwann doch dieser Traum Wirklichkeit wird." Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Dekan Islamisch-Theologische Fakultät

Sein Ziel ist es, eine Vision von einem aufgeklärten, weltoffenen Islam zu etablieren. Und das nicht nur in Deutschland und Europa, sondern in der gesamten islamischen Welt, so Mouhanad Khorchide.

Wissenschaftlich fundierter Umgang mit dem Islam

Gleichzeitig wachse für die Fakultät die Verantwortung, Antworten auf gesellschaftlich relevante Fragen zum Islam wissenschaftlich fundiert zu erarbeiten. Eine Herausforderung, der man sich gewachsen fühlt.

Studiogespräch mit Gründungsdekan Mouhanad Khorchide der Islamisch-Theologische Fakultät in Münster

WDR 04:10 Min. Verfügbar bis 30.06.2028

"Wir hoffen, dass dieser Status der Fakultät uns hilft, uns besser zu etablieren - im gesamten islamischen Diskurs. Man wird anders wahrgenommen als Fakultät." Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Dekan Islamisch-Theologische Fakultät

Ort eines aufgeklärten Islam

Die Fakultät soll für einen wissenschaftlichen und zeitgemäßen Zugang zum Islam stehen. Entscheidungen würden innerhalb der Universität getroffen, vergleichbar mit den Fakultäten für evangelische oder katholische Theologie, so ein Sprecher der Uni. Von islamischen Verbänden wie Ditib sei die Fakultät komplett unabhängig.

Eine Studentin wird im Hörsaal interviewt.

Jasmin Bakkar studiert bereits islamische Theologie an der Universität Münster

Auch bei den Studierenden ist die Freude groß. Denn die neue Fakultät bedeutet auch für sie mehr Gleichstellung mit den anderen Religionswissenschaften und Theologien. Anerkennung, die auch bei der beruflichen Zukunft wichtig sein wird.

"Man fühlt sich auch einfach wertgeschätzt. Man merkt, mein Studiengang, meine Lehre, die ich dann davon nehme, ist genauso gleichwertig wie andere." Jasmin Bakkar, Bachelor Studentin Islamische Theologie

Künftig soll die Fakultät außerdem neue Studienangebote schaffen - darunter den Masterstudiengang "Islam und Soziale Arbeit", der ab dem nächsten Jahr angeboten werden soll. Ein Berufsfeld wird vor allem der islamische Religionsunterricht an Schulen sein, so die Uni. Auch Imame werden dort ausgebildet werden.

Gemeinsame Grundwerte als Grundlage

"Mit der Einführung einer islamisch-theologischen Fakultät soll der interreligiöse Austausch und gegenseitiges Verständnis intensiviert werden", so ein Sprecher des Kultusministerium NRW. "Dazu gehört eine Imam-Ausbildung in deutscher Sprache von Lehrenden, die in Deutschland sozialisiert wurden, die in unserer Gesellschaft und mit unseren Grundwerten aufgewachsen sind." Bislang stammen fast alle Imame in deutschen Moscheegemeinden aus dem Ausland und sind dort ausgebildet worden.

Gemeinsamer Campus der Theologien

Perspektivisch zieht die Fakultät auf den neuen Campus der Theologien und Religionswissenschaften. Dort werden künftig auch die katholische und evangelische Theologie sowie die Judaistik vertreten sein. Der gemeinsame Standort soll den Austausch zwischen den Religionen und den interreligiösen Dialog stärken.

Die Baustelle am neuen Theologiegebäude.

Der neue Campus ist noch im Bau, soll aber 2027 fertig werden.

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Dekan der neuen Fakultät
  • WDR-Gespräch mit Jasmin Bakkar

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 30.06.2026, 19.30 Uhr

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