Jugenhilfe Münster: Angst vor Küzungen und Schock nach der Bluttat von Stade

WDR 02:44 Min. Verfügbar bis 22.07.2028

Nach erschütternder Tat in Stade So reagiert die Jugendhilfe in Münster

Stand:

Nach dem Attentat in Stade herrscht auch bei der Jugendhilfe in Münster Betroffenheit. Was plant die Einrichtung jetzt zum Schutz?

Von Dominik Hamers

150 Menschen sind am Mittwochvormittag auf den Rathausplatz in Münster gekommen. Sie schwingen ein buntes Tuch durch die Luft. Bunt als Zeichen für die Vielfalt der Jugendhilfe. Durch die Aktion wollen sie ihren Sorgen Luft machen.

Denn mit der geplanten Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe gäbe es Kürzungen in der Jugendhilfe, die ihre Arbeit weiter erschweren würden, sagen die Organisatoren der Aktion.

"Wir wollen zeigen, dass wir viele sind, dass wir groß sind hier in Münster, dass wir für Kinder und Jugendliche einstehen und dass wir die bevorstehende Reform absolut nicht in Ordnung finden." Jana Herdelt, Organisatorin

Vor allem aber wollen sie ihrer getöteten Kolleginnen und Kollegen aus Stade gedenken. Dort hatte Ende Juni ein Mann in einer Mutter-Kind-Einrichtung sechs Menschen erschossen, darunter auch drei Mitarbeitende des Jugendamts. Hintergrund war wohl ein Sorgerechtsstreit. Am Dienstag wurde der Mann tot in seiner Zelle gefunden.

Sorge in der Jugendhilfe Münster

Die Bluttat in der Einrichtung hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst, auch bei der Jugendhilfe Münster-Mauritz. Einrichtungsleiter Michael Kaiser: "Da war ich in Sorge um meine Mitarbeitenden." Er habe dann versucht, eine Balance zwischen Hysterie und Bagatellisierung zu finden.

"Natürlich ist man die eine oder andere Situation hier im Hause durchgegangen." Maike Delcour, Jugendhilfe Münster-Mauritz

Die Sozialpädagogin Maike Delcour führt das näher aus: "Es gab hier vor einiger Zeit schon eine übergriffige Situation mit der Mutter eines Kindes. Dabei wurden Mitarbeitende verletzt." Seit 23 Jahren mache sie den Job, die latente Gefahr sei über die Zeit stets gleich groß geblieben, sagt sie.

Schwindender Respekt

Kaiser wiederum spürt, dass der Respekt vor helfenden Einrichtungen schwindet, wie er im WDR-Gespräch sagt. Mögliche Gründe: "Die Komplexität der Situation von Familien, sicher auch Familienarmut." Für seine Einrichtung bedeutet das: Umdenken.

Auf orangenem Papier in Kreisform ausgeschnitten steht jeweils "Abbruch/Bedrohung/Beleidigung" sowie "Impulse - andere Meinung".

Ein Ampelsystem soll schützen.

Bei der Vorbereitung von Eltern-Gesprächen sei man nun vorsichtiger, habe Gefahren stärker im Hinterkopf, versuche mehr zu antizipieren. Aktuell, so Kaiser, helfe ein Ampel-System beim Einschätzen von Risiken. Ein grünes Gespräch etwa bedeute kein Risiko, im roten Bereich werde ein Abbruch empfohlen.

Münster gedenkt Getöteten von Stade

WDR 21.07.2026 00:37 Min. Verfügbar bis 20.07.2028

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Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Mitarbeitenden der Jugendhilfe Münster-Mauritz
  • Gespräch mit Jana Herdelt, Organisatorin

Sendung: WDR.de, Jugenhilfe Münster: Angst vor Küzungen und Schock nach der Bluttat von Stade, 22.07.2026, 19:18 Uhr

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