Nach Stade: Wie Jugendhelfer:innen am Niederrhein reagieren
WDR. 02:30 Min.. Verfügbar bis 03.07.2028.
Die tödliche Gewalttat im niedersächsischen Stade hat Jugendhelfer auch am Niederrhein erschüttert. In einer teilstationären Tagesgruppe in Rheinberg sprechen die Mitarbeitenden über ihre Gedanken nach dem Angriff. "Nach dem ersten Schock macht man sich schon Gedanken. Ich habe kurz überlegt: Könnte mir das auch passieren?", sagt Jugendhelferin Anna Marsula. Körperliche Gewalt gehöre bislang kaum zu ihrem Arbeitsalltag.
Gewalt beschäftigt auch Jugendhelfer
Seit rund anderthalb Jahren arbeitet Marsula mit Kindern aus schwierigen familiären Verhältnissen. Regelmäßig führt sie Gespräche mit Eltern und besucht Familien zu Hause. Der Fall in Stade sei auch in ihrer Einrichtung Thema gewesen. "Mich hat es erstmal geschockt. Ja, Übergriffe kommen heutzutage vermehrt vor, aber wenn es den eigenen Berufsstand trifft, hat mich das nochmal mehr beschäftigt, muss ich zugeben."
"Das Ausmaß an Gewalt ist härter geworden"
Rico Burggraf ist Jugendhelfer in der Tagesgruppe Rheinberg
Auch ihr Kollege Rico Burggraf beobachtet gesellschaftliche Veränderungen. Seit zehn Jahren arbeitet er in der Jugendhilfe. "Gewalt gab es immer. Aber das Ausmaß der Gewalt ist in meinen Augen größer und härter geworden. Das lässt sich ja in mehreren Bereichen der Gesellschaft beobachten."
Vertrauensvolles Verhältnis als Grundlage der Jugendhilfe
Trotz der Ereignisse wollen die Jugendhelfer ihre Arbeit nicht verändern. Ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Familien bleibe die Grundlage ihrer Arbeit. "Jetzt mit Angst da reinzugehen, wäre der falsche Weg", sagt Burggraf. Die Eltern wollten das Beste für ihre Kinder. Deshalb verdiene jede Familie die Chance, Unterstützung anzunehmen und neue Wege zu gehen.
Unsere Quellen:
- Interviews der WDR-Reporterin mit Jugendhelfern
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Duisburg, 02.07.2026, 19:30 Uhr