Warum schließen Kitas im Münsterland?
Bildquelle: WDR/Brigitte LiebWDR. 02:29 Min.. Verfügbar bis 03.08.2028.
Eltern der Kita St. Ida in Gescher im Kreis Borken würden bei dem Sommerwetter lieber ganz ohne Sorgen mit ihren Kindern ins Freibad oder zur Eisdiele. Doch viele von ihnen machen sich momentan Gedanken, denn die Einrichtung soll in einem Jahr schließen. Das wissen die Mütter und Väter seit drei Wochen.
Eine Gruppe um Linda Prost hat sich kurzum zu einer Elterninitiative zusammengeschlossen. "Die Entscheidung ist gefällt worden, bevor wir Eltern mit einbezogen wurden", erklärt die 36-jährige Mama.
Die Kinder fühlen sich in ihrer Kita wohl.
Bildquelle: WDR/Brigitte LiebDie Eltern hätten sich bewusst für die Kita entschieden, weil die Mädchen und Jungen in dem teiloffenen Konzept hier zumindest morgens noch feste Gruppen haben. Woanders in Gescher gebe es das nicht. Um ein Zeichen zu setzen, sammeln sie jetzt Unterschriften für eine Petition.
Entscheidung gegen älteste Kita im Ort
Der Kita-Träger, die katholische Kirchengemeinde, hat Verständnis für den Unmut der Eltern. Die Schließung sei jedoch unausweichlich. Die Anmeldezahlen für die Kindergärten in Gescher sind insgesamt zu stark zurückgegangen.
Vor einigen Monaten wurden deshalb schon erste Gespräche zwischen Kreisjugendamt, Stadt und weiteren Trägern geführt, bestätigt auch der Kreis Borken. Im weiteren Verlauf haben sich Behörden und Kirchengemeinde entschieden, die "älteste Kita mit dem ältesten Raumprogramm" zu schließen, so Pfarrer Hendrik Wenning.
"Wir wollen jetzt gucken, dass wir den Übergang für die Kinder und Mitarbeitenden so angenehm wie möglich gestalten," so Wenning. Für unbefristet angestellte Erzieherinnen und Erzieher soll es im Rahmen der vertraglichen Vereinbarungen andere Stellen beim Träger geben.
Kreis Steinfurt und Münster besonders betroffen
Was in Gescher passiert, ist kein Einzelfall. Über das Münsterland verteilt kehren schon in diesem Jahr reihenweise Kitas nach der Sommerpause nicht mehr in den gewohnten Betrieb zurück. Zu Ende Juli haben Einrichtungen unter anderem in Nordwalde, Rheine und Nottuln geschlossen. Und es wird nicht dabei bleiben.
Insgesamt machen 23 Kitas dieses und kommendes Jahr dicht, Stand jetzt. Es sind vor allem Einrichtungen in Münster und im Kreis Steinfurt. Für alle Beteiligten ist es ein sehr emotionales Thema. Kinder verlieren ihre gewohnte Umgebung und für Erzieherinnen und Erzieher geht es um ihren Arbeitsplatz.
"Es ist eine große Ungewissheit, weil man gar nicht weiß, wie die Perspektive im nächsten Jahr ist", sagt eine Erzieherin der Kita St. Nikolaus in Altenberge. Wer aus dem Team der 50 Jahre alten Einrichtung weiterbeschäftigt wird, hängt auch von den Anmeldezahlen zum Kitajahr 2027/ 28 ab.
Weniger Geburten als Hauptgrund
Dass so viele Kindergärten schließen müssen, liegt vor allem daran, dass in Münster und den Kreisen des Münsterlandes deutlich weniger Kinder geboren werden als noch vor zehn Jahren. Dementsprechend sinkt auch der Bedarf an Kita-Plätzen.
"Nach Jahren des Ausbaus und eines deutlichen Platz- und Personalbedarfs erleben wir nun das Gegenteil", erklärt der Kita-Träger Outlaw auf WDR-Nachfrage. Er wird in Ochtrup und Ostbevern je eine Einrichtung schließen.
Pfarrer Jochen Kosmann aus Altenberge ist auch dafür verantwortlich, einen Kita-Betrieb nach 50 Jahren abzuwickeln.
Bildquelle: WDR/Brigitte LiebOb es sich in Zukunft als richtige Entscheidung erweisen wird, die betroffenen Einrichtungen im Münsterland zu schließen, ist abschließend schwer zu beurteilen. Den Bedarf an Kitaplätzen zu planen, fordere Behörden und Träger stetig heraus. Pfarrer Jochen Kosmann aus Altenberge fasst es so zusammen:
"Wenn wir heute von einer Kitaplatzprognose 2030/ 31 sprechen, dann reden wir von Kindern, deren Eltern sich vielleicht noch gar nicht kennen. Also das ist ein sehr schwieriges Gebiet." Jochen Kosmann, katholische Kirchengemeinde Altenberge
Eltern in Gescher kämpfen weiter
In Gescher wollen sich die Eltern nicht mit der Entscheidung zur Schließung abfinden. Sie haben jetzt gegenüber der Kita ein Banner aufgehängt, das auf ihre Petition verweist. Wie lange sie Unterschriften sammeln möchten, hänge vor allem von den weiteren Schritten des Trägers ab.
"Wir hoffen auf jeden Fall, dass wir nochmal ins Gespräch kommen", sagt Linda Prost. Wenn es nach der Elterninitiative ginge, sollte der Kindergarten gar nicht zu machen - oder später als Ende Juli 2027.
Unsere Quellen:
- Kreisverwaltungen im Münsterland
- Stadt Münster
- Gespräche mit verschiedenen Kita-Trägern
- Gespräche mit betroffenen Eltern
- Eindrücke der Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, Kehrtwende beim Kita-Notstand, Weshalb schließen Kitas im Münsterland?, 3.8.2026, 5:03 Uhr
