Gesund, trotz Sucht oder Obdachlosigkeit: Bundesweit einmaliges Projekt im Haus Maria Veen
WDR. 03:22 Min.. Verfügbar bis 17.07.2028.
Die zentrale Frage: Wie kann man Suchtkranken und Obdachlosen dabei helfen, gesund zu bleiben? Die wichtigste Antwort: Sie müssen etwas zu tun haben!
Es gehe darum, die Bewohner zu motivieren, sie zu beschäftigen, sagt Betreuungsassistent Stefan von Czarnowski. Was sie dabei genau machen, fast zweitrangig.
Freunde halfen Hubert Bewer, vom Alkohol wegzukommen.
Es gibt eine Gartengruppe, Angebote mit Meerschweinchen oder Hund, Kunst- und Sportkurse... Hauptsache, sie haben Ablenkung, etwas zu tun. "Sonst denkt man immer nur daran, wie komme ich jetzt an Bier." Hubert Bewer weiß, wovon er redet. Er ist inzwischen selbst vom Alkohol weg.
Weniger Bier - für die eigene Gesundheit
Nicht jeder Bewohner schafft diesen Schritt gleich schnell. Werner Zellerhoff hat seinen Konsum noch nicht überwunden, aber immerhin reduziert. Er weiß, er sollte noch weniger trinken - für seine Gesundheit.
"Also ich hab nicht gesoffen früher, aber ich mochte wohl ganz gerne einen." Werner Zellerhoff, Bewohner Haus Maria Veen
Es sind fundamentale Dinge, die eine Rolle spielen. "Mir geht's im Allgemeinen auch besser, seitdem ich weniger trinke. Das ist schon ganz gut", sagt Zellerhoff selbst.
Werner Zellerhoff versucht nur noch, ein oder zwei Bier pro Tag zu trinken.
Projekt in Reken für Suchtkranke und Obdachlose
Im Haus Maria Veen leben vor allem Obdachlose und Suchtkranke. Sie haben hier in Reken nicht nur einen Pflegeplatz gefunden, sondern vor allem einen Ort, um alt zu werden. Das alleine ist selten und macht das Haus Maria Veen zu einer von wenigen Einrichtungen dieser Art.
Bei Menschen mit einer derart bewegten Vorgeschichte braucht es viel Aufmerksamkeit. Das wissen auch die Pflegekräfte. "Da muss man zuhören und sich Zeit nehmen, sich reinzuversetzen", sagt Betreuungsassistent von Czarnowski.
Betreuungsassistent Stefan von Czarnowski setzt auf Empathie und Ehrlichkeit.
Bundesweit einmaliges Projekt zur Gesundheitsvorsorge
Für Projektleiterin Johanna Brechmann ist wichtig, dass sich die Bewohner zumindest so gut fühlen, dass sie wieder selbst aktiv etwas für ihre Gesundheit tun können: "Wenn es mir gut geht, kümmere ich mich mehr um mich selber. Hab vielleicht auch mehr Interesse, meine Gesundheit wieder in den Blick zu nehmen." Es geht auch darum, Hoffnung zu machen.
"Natürlich hoffe ich. Ich mach alles mit, was mir hilft. Hauptsache keine Schmerzen." Andre Terstegen, Bewohner im Haus Maria Veen
Das bundesweit einmalige Projekt wird über drei Jahre gefördert, durch den Verband der Ersatzkassen. Am Ende soll es neue Angebote zur Gesundheitsvorsorge für Obdachlose und Suchtkranke in Pflegewohnheimen geben.
Unsere Quellen:
- Verband der Ersatzkassen
- Gespräch mit Johanna Brechmann, Projektleiterin
- Gespräch mit Stefan von Czarnowski, Betreuungsassistent Haus Maria Veen
- Gespräche mit Bewohnern des Haus Maria Veen
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Gesund trotz Sucht oder Obdachlosigkeit: Bundesweit einmaliges Projekt im Haus Maria Veen, 19.07.2026, 5:03 Uhr
Erstveröffentlichung des Artikels am 19.07.2026
