Polizei im Kreis Coesfeld jagt frisierte E-Scooter
WDR. 06:12 Min.. Verfügbar bis 08.07.2028.
Schulschluss, gleich steigen viele Schüler auf ihre E-Scooter. Die Polizei hat vor dem Schulzentrum in Coesfeld kurz zuvor den Einsatz besprochen. Jetzt teilen sich die Kontroll-Teams der Polizei auf. Polizei-Oberkommissar Steffen Beckenhusen postiert sich an der Kreuzung gegenüber.
Noah Röttger wird verwarnt
Nun geht es los. Schülerinnen und Schüler zu Fuß, mit Rädern und eben E-Scootern. Alles dicht gedrängt. Es dauert nur kurz, bis Steffen Beckenhusen erstmals einschreiten muss.
Schüler akzeptiert Verwarngeld
Der 15-jährige Noah Röttger war auf seinem E-Scooter quasi als Geisterfahrer unterwegs. "Viele sind halt gleichzeitig vom Sportfest gegekommen, da hatte ich keine Lust, in irgendwen reinzufahren", begründet der Coesfelder seine Fahrt auf der falschen Straßenseite.
"Die Kontrollen finde ich in Ordnung. Viele fahren mit E-Scootern, die viel zu schnell sind, da kann ich mir schon vorstellen, dass da schnell Unfälle passieren." Noah Röttger, Schüler aus Coesfeld
Verwarngeld statt Ermahnung
Mit 20 Euro Verwarngeld wäre Noah eigentlich dabei. Doch Steffen Beckenhusen gewährt quasi Schüler-Rabatt: 10 Euro sind es noch. Zahlbar sofort - per Bankkarte. Noah telefoniert kurz mit seiner Mutter und ist einverstanden.
Kreis Coesfeld: Alarmierende Unfallzahlen mit E-Scootern
Im Kreis Coesfeld haben sich die Unfallzahlen mit E-Scootern in den letzten Jahren teils verdoppelt, sagt Sprecher Sascha Kappel. Gegensteuern sei angesagt. Unter anderem mit mehrtägigen Sonderkontrollen. Die soll es nun öfter geben. In dieser Woche neben Coesfeld auch in Dülmen und Lüdinghausen.
"Es ist vielfach so, dass E-Scooter frisiert sind, das heißt, schneller als die erlaubten 20 km/h unterwegs sind. Auch das ist ein potentielles Unfallrisiko." Sascha Kappel, Kreispolizei Coesfeld
Sascha Kappel sieht einen klaren Unfall-Trend
Unfall mit E-Scooter: Schwere Kopfverletzungen drohen
Die Polizei setzt auch auf Prävention. In der Coesfelder Innenstadt demonstriert Verkehrssicherheitsberaterin Conny Niemann zeitgleich, welche Kräfte schon bei Unfällen mit geringem Tempo auf den Kopf wirken können.
Die Polizei informiert über schwere Folgen
Passantin Pia Stromberg schnappt sich den Hammer. Und sie schlägt zu. Ein Sensor in der Kopf-Attrappe zeigt an: Aufprall mit 11 Stundenkilometern. Für eine Gehirnerschütterung hätte es gereicht, sagt Conny Niemann. Ein Helm hätte bei einem vergleichbaren Aufprall schützen können.
Keine Helmpflicht, aber Promille-Grenze
Eine Helmpflicht besteht für E-Scooter-Fahrerinnen und Fahrer aber nicht. Versicherungspflicht schon. Sichtbar montiert mit einem Kennzeichen. Übrigens gelten für Nutzer in puncto Alkohol dieselben Regeln wie für Autofahrer.
Reaktionen unterschiedlich
Die nächste Kontrollstelle liegt an einem Kreisverkehr in Bahnhofsnähe. Hier wird es ruppig. Zunächst zeigen zwei Fahrer, die eilig von der Arbeit nach Hause wollen, nur wenig Verständnis, dass sie kontrolliert werden. Dann fällt eine Fahrerin auf, die kein Versicherungskennzeichen hat.
Typenschild und Versicherungskennzeichen im Check
Bei Jasmin Usta hingegen ist alles in Ordnung. Sie darf nach kurzem Check weiterfahren. Und sie findet es gut, dass die Polizei genauer hinschaut. "So wie ich das mitbekommen habe, haben halt viele illegal die Geschwindigkeit ihrer E-Scooter erhöht", sagt sie. Das sei schon gefährlich.
Aktion lielf auch in Dülmen und Lüdinghausen
Folgende Dinge sind schlichtweg verboten: Beispielsweise das Fahren auf Gehwegen oder in Fußgängerzonen. Oder die Fahrt zu zweit auf dem E-Scooter. Und wer jünger als 14 Jahre ist, darf gar nicht erst auf so einen E-Roller steigen.
Bilanz: Viele Verstöße, es hagelt Anzeigen
Jasmin Usta findet die Kontrollen in Ordnung
Rund 370 Fahrerinnen und Fahrer von E-Scootern und Pedelecs wurden kontrolliert. Mehr als 80 von ihnen müssen ein Verwarngeld zahlen. Gegen mehrere Dutzend fertigte die Polizei zudem Anzeigen. Das Ergebnis bestätige die Notwendigkeit solcher Schwerpunktkontrollen, sagte eine Sprecherin der Kreispolizei Coesfeld.
Bundesregierung will Haftung für E-Roller ändern
Am 9. Juli beschäftigt sich der Bundestag mit dem Thema der Gefahren. Künftig sollen für E-Rollerfahrer die gleichen Haftungsregeln gelten wie für alle anderen Kraftfahrer, wie etwa Autofahrer.
Das heißt, sie müssten bei einem Unfall beweisen, dass sie keine Schuld haben. Können sie das nicht, sollen sie für die Schäden haften. Begründet wird der Vorstoß der Regierung mit den drastisch gestiegenen Unfallzahlen mit E-Rollern.
Unsere Quellen:
- Kreispolizei Coesfeld
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Polizei im Kreis Coesfeld jagt frisierte E-Scooter, 08.07.2026, 5:00 Uhr
