Der kleine, etwas in die Jahre gekommende Trecker steht an der Startlinie. Vor dem modernen wuchtigen Anhänger wirkt er etwas verloren. Doch aufs Startsignal heult er los, schwarzer Rauch schießt aus seinem Auspuff und mit einem Ruck zieht er seine Last über das Feld.
Der Startschuss zum Olfener Trecker Treck ist gefallen. Doch dahin war es ein langer Weg.
Wer gewinnt das Rennen durch Matsch und Dreck?
Es ist ein verregneter Freitagmorgen in Olfen. Zwischen Radladern, Hubwagen und Treckern steht eine Gruppe Jugendlicher auf einem Feld. Alle tragen Arbeitsklamotten und sie haben Lust, anzupacken, trotz des Regenwetters. Es gibt viel zu tun, denn der große Tag ist nicht mehr weit.
Seit 25 Jahren veranstaltet die Landjugend Olfen einen Wettkampf der Traktoren. Die Aufgabe: Wer ist der Champion auf einer 100 Meter langen schwerbefahrbaren Strecke - und das mit schwerem Zusatzgewicht am Heck?
Dieser Wettkampf nennt sich "Trecker-Treck" und er erfordert eine Menge Vorbereitung. Am Sonntag sollen hier in Olfen tonnenschwere Maschinen über den Acker donnern.
Extra Urlaub für den Trecker-Spaß
"Wir sind seit 9 Uhr morgens hier, manche haben sich extra Urlaub genommen", erzählt Jakob Siepe sichtlich stolz. Er ist Vorsitzender der katholischen Landjugend und wuselt genauso wie die anderen Mitglieder mit über das Feld, damit am Sonntag die perfekten Bedingungen herrschen.
Wie am Fließband wird die Absperrung hochgezogen
Bildquelle: WDR/Niklas StichtHoch oben hantieren Tom Scholbrock und Matthias Pieper. Die beiden Jungs montieren gerade vom Hubwagen aus ein Transparent über der Ziellinie. "Mehr nach rechts! Das sieht so nicht aus", rufen die anderen scherzhaft vom Boden hinauf. Die Stimmung ist top, trotz Nieselregen und harter körperlicher Arbeit.
Auch die Banner in der Luft: Hier wird alles ehrenamtlich gestemmt
Bildquelle: WDR/Niklas StichtLandjugend Olfen erstmals mit im Rennen
Während auf der Rennstrecke noch fleißig gearbeitet wird, bereiten andere schon ihre Traktoren vor, so wie Henrik Kruse, ebenfalls Mitglied in der Landjugend Olfen. Er schraubt noch liebevoll an seinem Deutz herum.
"Wir waren als Kinder schon immer beim Trecker-Treck. Das war immer ein Highlight." Henrik Kruse, Landjugend Olfen
Die Landjugend freut sich schon sehr auf den Trecker-Treck
Bildquelle: WDR/Niklas StichtZum ersten Mal in der Geschichte des Trecker-Trecks schickt die Landjugend Olfen eine eigene Maschine ins Rennen. Für Fahrer Henrik gilt das olympische Motto, " Dabeisein ist alles: "Ein Treppchen-Platz wirds wohl nicht werden, aber das solls auch nicht."
Besser sein als der Nachbar
Henrik hat ein anderes Ziel. "Mein Nachbar macht auch mit, da ist der Anspruch weiterzukommen als er." Damit das klappt, hat Kruse an seinem Deutz noch einiges zu tun. Der Reifendruck muss geprüft werden, eine Stange am Heck verschraubt werden und der Trecker muss auf die Waage.
2.5 Tonnen auf der Vorderachse, das sieht gut aus
Bildquelle: WDR/Niklas StichtBeim Trecker-Treck treten die Fahrzeuge in drei Gewichtsklassen an. Wie schwer die Trecker in der jeweligen Gruppe sein darf, gibt die Deutsche Trecker-Treck Organisation vor. Im Fall der Landjugend Olfen darf Henrik Kruses Landmaschine nicht schwerer als fünfeinhalb Tonnen sein. Punktlandung. Die Waage zeigt: 5,5 Tonnen! Der Trecker ist startberechtigt.
Zusammenhalt macht`s möglich
Noch ist die Strecke aber nicht startklar. Die Landjugend in Olfen hat noch einiges zu tun. Es müssen noch Gräben gegraben werden, um Kabel zu verlegen. Zwei Kräne müssen aufgestellt, nach dem Regen vom Freitag muss der Boden nochmal bearbeitet werden und noch vieles mehr.
Urlaub für die Landjugend? Aber natürlich
Bildquelle: WDR/Niklas StichtNicht jeder könnte sich vorstellen so das Wochenende zu verbringen oder sich gar Urlaub dafür zu nehmen. Bei der Landjugend ist es anders. "Mit der gesamten Mannschaft macht das Spaß, das schweißt zusammen", erzählt Tom Scholbrock. Er ist einer derjenigen, die sich für den Aufbau extra Urlaub genommen haben.
"Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung!" Jörg Kublun, Landjugend Olfen
Benny Reher hat eine ganz besondere Verbindung zum Trecker-Treck. "Ich habe hier vor zwei Jahren meine Freundin kennengelernt. So gesehen haben wir Jahrestag am Trecker-Treck!" Ob sich am Sonntag wieder ein Liebespaar findet, ist noch nicht klar.
Herausforderungen bis zum Schluss
Auch am Sonntag ist das Wetter wenig freundlich. Dunkle Wolken hängen über dem Feld und auch der Nieselregen bleibt erhalten. Trotzdem haben sich bereits viele Zuschauer eingefunden. Alle freuen sich auf den Start des Trecker Trecks, doch klappt das auch?
Gerade mal zwei Teilnehmer ziehen den Wagen übers Feld bevor abgebrochen wird. Die Strecke ist viel zu weich und matschig. Es gibt nur eine Lösung: Die Landjugend muss kurzerhand eine neue Strecke bauen. Nur einige Meter neben der alten.
Der Wettkampf der Landmaschinen
Wo Landmaschinen sich messen
Wer schafft die neue Strecke?
Schnell werden Absperrungen verschoben, Streckenmarker neu aufgebaut und 3 Traktoren ziehen eine frische Strecke ins Feld. Der Trecker Treck kann endlich richtig starten. Eifrig ziehen die Landmaschinen ihre schwere Last übers Feld und bäumen sich auf, sobald der Anhänger zu schwer wird.
Es dauert eine Zeit bis der erste Teilnehmer die kompletten 100 Meter, den ersten Full-Pull schafft. Jan Kortstiege grinst breit und lässt sich feiern: "Damit hätte ich nicht gerechnet, ein geiles Gefühl." Und der nachbarschaftlich Wettkampf? Henrik Kruse setzt sich durch. Mit acht Metern mehr als sein Nachbar. Da dürfte in zwei Jahren eine Revanche fällig sein. Beim nächsten Olfener Trecker Treck.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des Reporter vor Ort
- Katholische Landjugend Olfen
Sendung: WDR 2, WDR 2 für das Münsterland, 28.08.2026, 15:31 Uhr