Josef Brinker schreibt Alltagsgeschichten für Menschen im Altenheim
Bildquelle: WDRWDR. 02:37 Min.. Verfügbar bis 17.08.2028.
"Sie gucken ja gar nicht auf ihre Hände". Josef Brinker ist verblüfft. Zusammen mit seiner Frau ist er in Bevergern zu Besuch, bei den Spinnerinnen und Strickerinnen dort. Fasziniert schaut er zu, wie eine Spinnerin aus Wolle Garn macht.
Das Ehepaar Brinker schreibt Geschichten aus der Nachbarschaft für 48 Altenheime.
Bildquelle: WDR / Antje KleyDer 78-jährige Brinker ist hier, weil er einen Artikel über die Frauen und ihr Hobby schreiben will. Für sein "Lesekränzchen" - so nennt er das, was er verfasst.
Lesekränzchen für 48 Altenheime
Seit sechs Jahren fahren Brinker und seine Frau Thea von Termin zu Termin. Mal ist es ein altes Handwerk, dass sie besuchen, mal ein Fußballverein, mal eine Firma. Und aus jedem Besuch entsteht ein seitenlanger Brief, den er an Altenheime schickt.
Zuhause wird aus den Geschichten der Brinkers das "Lesekränzchen".
Bildquelle: WDR / Antje KleyOft per E-Mail, manchmal ausgedruckt, immer liebevoll. 48 Einrichtungen beziehen sein Lesekränzchen - dass es so viele werden, damit hat Brinker im Leben nicht gerechnet.
Alles begann in der Coronazeit
"Der Lockdown ist Schuld", erzählt Josef Brinker. Während der Coronazeit ist seine Schwiegermutter im Altenheim und er und seine Frau durften nicht mehr zu Besuch kommen.
Die Schwiegermutter war 101 Jahre alt und verstand die Welt nicht mehr. Also überlegte Brinker: Ich schreib ihr einfach. Über alles, was mir so am Wegesrand vor die Füße fällt. Über den Frühling, über das Wetter, über Ostern. Damit sie weiß, was draußen passiert.
Auch andere Heime wollten die Geschichten
Irgendwann kam der Leiter des Heimes in Recke auf ihn zu und sagte, diese Briefe seien so schön. Er hätte noch 75 weitere Bewohner. Ob er nicht auch für die schreiben könnte. So fing es an.
Dann fragten andere Altenheime an - im Kreis Steinfurt sprach sich rum, dass da einer ist, der den Bewohnern vom Leben da draußen erzählt. Es tue den alten Menschen einfach gut - es sei eine Form von Wertschätzung. Nur weil sie nicht mehr viel rauskönnen, sind sie ja trotzdem noch da.
Die Geschichten werden nach dem Druck in die verschiedenen Altenheime gebracht.
Bildquelle: WDR / Antje KleyAus dem Hobby wurde ein Vollzeit-Ehrenamt
Josef Brinker und seiner Frau macht es Spaß. Rumsitzen und Däumchen drehen - das mögen sie nicht. Und da sie seit 50 Jahren in Ibbenbüren wohnen, sind sie gut vernetzt.
Ihnen fallen immer wieder Themen ein, dann rufen sie an, machen einen Termin aus und los gehts. Der nächste ist bei einem Fußballverein in Niedersachsen - beim VfL Osnabrück.
Unsere Quellen:
- Altenheim St. Benedikt Recke
- Interview mit Josef und Thea Brinker
- Eindrücke der Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, Josef Brinker schreibt Alltags-Geschichten für Menschen im Altenheim, 18.08.2026, 05:16 Uhr
