Rheine baut klimafreundliche Straße mit Pflanzenkohle
Bildquelle: WDR/Markus WollnikWDR. 03:15 Min.. Verfügbar bis 30.06.2028.
Im Zentrum steht ein für den Straßenbau ganz neuartiger Baustoff: Pflanzenkohle. Die wird beim Asphalt in großen Mengen dazu gemischt. Und bei dieser Biokohle handelt es sich um abgestorbene Bäume und Äste aus dem Wald. Beim natürlichen Verrotten würden sie viel CO2 abgeben, als Biokohle bleibt das CO2 aber in der Straßendecke gebunden.
CO2 – tausend Jahre im Asphalt eingelagert
Mike Gieseke, Chef der gleichnamigen Baufirma aus Rheine, hat sogar herausgefunden, dass die Kohle dem Asphalt "technisch hilft“. Da sie sehr fein ist, wird der Asphalt insgesamt dichter. "Gleichzeitig bleibt der Kohlenstoff der Biokohle, also das CO2, über tausend Jahre im Asphalt eingelagert und kann auch wieder recycelt werden.“
Doch die Biokohle ist noch nicht das ganze Geheimnis, verrät Gieseke. So falle hier die reine Asphaltschicht einen Zentimeter dünner aus. Da in ihr auch viel erdölhaltiges Bitumen steckt, eine weitere CO2-Ersparnis. "Dafür nehmen wir eine dickere Schotter- und Kiesschicht darunter, damit die Straße die gleiche Tragfähigkeit hat.“
Mitarbeiter müssen weniger schwitzen
Der dritte Punkt ist die Verarbeitungstemperatur. Immer wieder hält Maik Gieseke ein Thermometer in den frisch angelieferten Asphalt. 140 Grad zeigt die Anzeige. Das sind 20 bis 30 Grad weniger als im konventionellen Straßenbau.
"Weil wir an der Stelle weniger Energie einsetzen, sparen wir nochmal klimaschädliche Gase“ Maik Gieseke, Firmenchef
Firmenchef Maik Gieseke achtet darauf, dass beim neuen Prozess nichts schief läuft.
Bildquelle: WDR/Markus WollnikDas kommt auch den Mitarbeitern zugute. Der 33-jährige Niklas Ladwig steuert den Asphaltfertiger. Gerade im Hochsommer ein heißer Job. "Ich finde die Gase sind nicht so stechend und vor allem die Temperaturen auf Dauer viel angenehmer.“
Jede Straße in Deutschland könnte so gebaut werden
Die Fahrradstraße in Rheine ist 350 Meter lang. Die Kosten liegen bei 800.000 Euro, nur minimal über denen einer normalen Straße. Jochen Vennekötter, Leiter der Technischen Betriebe Rheine, hat ausgerechnet: "Durch die klimafreundliche Bauweise sparen wir 40 Tonnen CO2 ein. Klingt vielleicht nicht nach viel, aber damit könnte man mit einem normalen PKW sieben Mal um die Erde fahren.“
Was aussieht wie eine gewöhnliche Straße, ist eigentlich eine kleine Baurevolution.
Bildquelle: WDR/Markus WollnikIn einem sind sich der Stadt-Mitarbeiter Vennekötter und der Chef der Baufirma Gieseke einig. Es ist zwar nur eine kleine Straße. Aber vielleicht der Anfang für eine völlig neue Bauweise. Maik Gieseke: „Das gleiche Konzept ist für jede Straße in Deutschland machbar.“
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Gespräch mit dem Chef der Baufirma, Maik Gieseke
- Gespräch mit dem Leiter der Technischen Betriebe Rheine, Jochen Vennekötter
- Gespräche mit Mitarbeitern
Sendung: WDR 2 Münsterland, Lokalzeit, 30.06.2026, 6.31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit, 30.06.2026, 19.30 Uhr