Ein Hoffnungsschimmer ist da, aber die Vorsicht bleibt: noch immer könnten sich gefährliche Erreger verbreiten.

WDR 02:18 Min. Verfügbar bis 31.07.2028

Tierheime im Münsterland in Sorge Katzenseuche bedroht Tiere

Stand:

Nicht nur Katzen sondern auch Besucher stehen vor verschlossenen Türen. Das Tierheim Ahaus nimmt bereits seit Juni keine Katzen mehr auf und vermittelt auch keine mehr. Der Grund: die Katzenseuche.

Von Katja Bothe, Joana Galetzka

22 Katzen sind in Ahaus bereits gestorben. Insgesamt leben rund 160 Katzen in dem Tierheim, sie bekommen derzeit jedoch keinen Zuwachs. Seit dem 29. Juni gilt nämlich ein Aufnahmestopp und auch die Vermittlung ist stillgelegt.

Parvovirose ist eine hochansteckende und für Katzen lebensbedrohliche Erkrankung. Vor allem Jungtiere und ungeimpfte Katzen sind gefährdet. Eine Horrorvorstellung für alle Tierheimbetreiber.

"Ich kenne Tierheime, denen ist fast der ganze Katzenbestand daran gestorben." Hans-Ulrich Hickstein, Vorsitzender des Tierschutzvereins Rheine
Eine Person im Schutzanzug streichelt hinter einem Gitter eine Katze.

Im Schutzanzug zum Katzenstreicheln

Ende Juni zeigte eine Katze im Ahauser Tierheim erste Symptome. Zunächst galt sie als durch die Hitzewelle geschwächt, tatsächlich war sie aber von Parvoviren infiziert.

Impfungen und hohe Kosten

Im Tierheim Ahaus leben rund 80 Kitten. Solange sie jünger als acht Wochen sind, können sie noch nicht gegen das Virus geimpft werden. In dieser Zeit sind sie besonders schutzlos gegen die Katzenseuche. Die Impfung konnte deshalb erst in der vergangenen Woche erfolgen, als die Kitten alt genug waren.

Eine Person streift sich im Gebäude einen Schutzanzug über.

Nur durch eine Schleuse gehts ins Katzenhaus

Der finanzielle Schaden des Tierheims liegt im hohen vierstelligen Bereich, unter anderem für Tierarzt, Betreuung und auch wegen fehlender Vermittlungsgebühren. Einen Lichtblick gibt es aber: einige Kommunen, aus denen noramlerweise die Fundtiere ins Tierheim kommen, haben finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt.

Ab dem 4. August sollen Katzen hier wieder in ein neues zu Hause gegeben werden. Bisher konnten knapp 100 Katzen nicht vermittelt werden. Neue Tiere aufnehmen will das Tierheim erst wieder Anfang September. Schätzungsweise müssen Sie bis dahin 150 Tiere ablehnen.

Neunkirchen als Verdachtsfall

Auch in Neunkirchen gab es zwei Verdachtsfälle auf Parvovirose. Hans-Ulrich Hickstein, der Vorsitzende des Tierschutzvereins Rheine, der das Tierheim Rote Erde in Neunkirchen betreibt, brachte zwei Katzen mit Symptomen sofort zum Tierarzt. Ein Schnelltest bestätigte den Verdacht zunächst. Durchfall und Schnupfen hatten den Parvovirose-Alarm ausgelöst.

Wahrscheinlich war es ein Fehlalarm. Die neuesten Kotproben sind unauffällig und den beiden betroffenen Katzen geht es auch wieder gut. Trotzdem haben der Kreis Steinfurt und der Tierarzt beschlossen, das Tierheim aus Vorsichtsgründen die ganze Woche geschlossen zu lassen.

Und was machen die Städte und Gemeinden jetzt?

Das Foto zeigt einen Mülleimer mit dem Inhalt eines Katzenklos, während eine Katze daneben steht.

Weitere Kottests stehen noch aus.

Vertragskommunen, die ihre Fundtiere normalerweise in das Tierheim in Ahaus bringen, müssen sich derzeit Alternativen suchen. Örtliche Tierpensionen werden angefragt oder Tierfinder kümmern sich zunächst selbst um herrenlose Tiere.

Eine schwarze Katze und zwei gefleckte Katzen schauen in die Richtung der Kamera.

Die Hygienemaßnahmen wurden massiv verschärft, um die anderen Katzen zu schützen.

Viele Gemeinden aus dem Kreis Borken werden vom Tierheim in Coesfeld unterstützt. Das Tierheim Coesfeld war im vergangenen Jahr selbst von Parvoviren betroffen. Solange dort noch Platz ist, nimmt das Tierheim gefundene Tiere auf und unterstützt die Kommunen. Im vergangenen Jahr ist in Coesfeld ein Drittel der Katzen an der Seuche gestorben.

Parvo-Verdacht: Tierheim in Neuenkirchen geschlossen

WDR Studios NRW 30.07.2026 01:00 Min. Verfügbar bis 29.07.2028

Unsere Quellen:


  • Tierheim Rote Erde in Neuenkirchen
  • Julias Tierheim in Ahaus
  • Tierheim Nordkreis Coesfeld
  • Stadt Ahaus, Stadt Borken, Stadt Rheine, Stadt Stadtlohn, Stadt Steinfurt, Gemeinde Altenberge
  • Gespräch mit Hans-Ulrich Hickstein, 1. Vorsitzender des Tierschutzvereins Rheine

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 31.07.2026, 19.30 Uhr

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