Kosten machen Tafeln wie in Emsdetten zu schaffen
WDR. 02:38 Min.. Verfügbar bis 09.05.2028.
"Preise von über zwei Euro pro Liter Sprit sind heftig", sagt Andreas Steppuhn. Der gebürtige Münsteraner ist Vorsitzender des Verbandes Tafel Deutschland. Die Spritpreise seien der stärkste Preistreiber, aber auch die Ausgaben für Mieten, Heizung und Strom seien gestiegen, erklärt der Verbandschef. Insgesamt liege der Kostenanstieg bei 30 Prozent.
So erlebt das auch Sophie Oberfeld, Leiterin der Tafel Emsdetten-Greven-Reckenfeld-Saerbeck. Ihre Tafel steht unter der Trägerschaft des Caritas-Verbands, 180 Ehrenamtliche engagieren sich dort. Oberfelds Team hat zwei Fahrzeuge und fährt damit rund 30.000 Kilometer im Jahr.
Die Tafel in Emsdetten will ihre bedürftigen Kunden auch weiter gut mit Lebensmitteln versorgen.
Von Montag bis Freitag werden jeweils 35 Supermärkte angefahren, um die rund 2.000 bedürftigen Kunden der Tafel mit Lebensmitteln zu versorgen. Unter ihnen sind fast 670 Kinder unter 18 Jahren. Alle Tafel-Kunden zahlen pro Einkauf drei Euro.
Tafel will Angebot aufrechterhalten
Während anderswo das Angebot bereits eingeschränkt wird, haben sie sich in Emsdetten anders entschieden. Sie halten ihr Angebot aufrecht. Aber auch sie spüren die höheren Kosten, erzählt Oberfeld. Sie hofft weiter auf Sach- und Geldspenden.
"Gerade jetzt in dieser Situation bitte nicht aufhören, sondern weiter spenden!" Sophie Oberfeld, Leiterin der Tafel Emsdetten-Greven-Reckenfeld-Saerbeck
Aktuell denken sie in Emsdetten darüber nach, über Social Media oder die örtliche Presse wieder vermehrt zum Spenden aufzurufen. Es sei aber noch keine Entscheidung gefallen.
Zwei dieser Bullis fahren jeden Tag 35 Supermärkte an, um Spenden einzusammeln.
In Krisenzeiten wie diesen merken die Tafeln ziemlich schnell, dass nicht mehr so viele Lebensmittel gespendet werden. Bei Geld ist das was anderes. Da sind die Menschen rund um Emsdetten offenbar bereit, zu helfen.
Ausweg: E-Mobilität statt Diesel-Laster
30 Prozent Spendenzuwachs, um den Kostenanstieg auszugleichen, gebe es aber nirgendwo, gibt Verbandschef Steppuhn zu bedenken. Aufgrund der steigenden Lebenshaltungskosten suchten auch mehr Menschen Unterstützung und kommen zu den Tafeln. "Die Lebensmittelpreise sind ja seit 2020 um durchschnittlich 37 Prozent gestiegen", rechnet er vor.
Sorgt sich um die Lage der Tafeln: Dachverbandschef Andreas Steppuhn.
Um aus der Spritkostenfalle rauszukommen, gibt es für die Tafeln eigentlich nur eine Lösung: schneller auf E-Autos umsteigen. Doch auch das sei eine Kostenfrage: "Die Zahl der E-Autos nimmt nur langsam zu."
Bundesweit sind laut Steppuhn ungefähr zehn Prozent elektrische Fahrzeuge für die Tafeln im Einsatz: "Wir sehen hier zwar eine positive Entwicklung, aber unabhängig von Kraftstoffen sind die Tafeln noch lange nicht."
Unsere Quellen:
- epd Evangelischer Pressedienst
- Sophie Oberfeld von der Tafel Emsdetten-Greven-Reckenfeld-Saerbeck
- Gespräche des WDR-Reporters bei der Tafel in Emsdetten
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 8.5.2026, 19:30 Uhr