Tischlerei verklagt syrisch-orthodoxe Kirchengemeinde
Bildquelle: WDR / Hartmut VollmariDer Bau strahlt in hellem Klinker, daneben ein Gemeindesaal und Wohnungen für Bedienstete der syrisch-orthodoxen Gemeinde St. Georg Ahlen. Gemeindemitglieder leben verteilt in ganz Ostwestfalen.
Kirche in Ahlen gerne mitgebaut
Wilfried Probst, Prokurist der Tischlerei Fuchs und Schwalbe hat anfangs gerne mitgebaut. Jetzt blickt er mit Wut auf den Neubau.
"Die sind auf uns zugekommen und haben gesagt, ob wir unterstützen können für Tischlerarbeiten und Fensterarbeiten. Und das haben wir gemacht, mit Herzblut."
"Wir haben hier zig Stunden geleistet, ich würde mal sagen, das sind schon Freundschaftspreise." Wilfried Probst, Prokurist der Tischlerei Fuchs und Schwalbe
Rechnungen nur schleppend bezahlt?
Seine Firma hatte unter anderem 150 Fenster, dazu diverse Türen und Rollläden geliefert und montiert. Das Material sei zu 75 Prozent bezahlt worden, sagt Wilfried Probst. Aber die Montagearbeiten nur schleppend bis gar nicht.
"Also wir haben immer weiter montiert und dann ist es nachher ins Stocken gekommen", erklärt Wilfried Probst den Ablauf.
Die Kirche während der Bauphase
Bildquelle: Wilfried ProbstBaumängel bei Kirche der St. Georg-Gemeinde in Ahlen?
Denn der Bau lief nicht ganz rund. Beim Einbau der Fenster stellte sich etwa heraus, dass geplante Maße des Mauerwerks nicht passten. Es gab einen Architektenwechsel. Immer wieder musste offenbar nachgebessert werden, so Probst:
"Da wurde nachträglich gesagt, dass wir falsche Rundbögen geliefert haben. Deswegen musste der Rundbogen im Mauerwerk erneuert werden."
Kirche im Prozess: Bauarbeiten des Kirchen-Innenraums
Bildquelle: Wilfried ProbstLautstarker Streit mit St. Georg-Gemeindevorstand
Von den Bauproblemen ist nichts mehr zu sehen. Geblieben ist der handfeste Streit mit dem Gemeindevorstand. Der macht den Tischlereibetrieb von Wilfried Probst verantwortlich und will ausstehende Rechnungen nicht begleichen.
Seit vier Jahren hat es immer wieder Gespräche gegeben. Probst berichtet von lautstarken Auseinandersetzungen.
"Wir haben gesagt, wir machen einen Strich darunter und wir gehen einfach sauber auseinander. Aber es wurde ja nichts gemacht. Wir wurden nur aufgeschoben. Und das macht einen halt ärgerlich", sagt Wilfried Probst.
Güteverhandlung vor dem Landgericht Münster geplatzt
Inzwischen liegt der Fall vor dem Landgericht Münster, eine Güteverhandlung war geplatzt. Der Streitwert liegt mit Zinsen mittlerweile bei über 200.000 Euro. Eine Interviewanfrage des WDR und einen detaillierten schriftlichen Fragenkatalog zu dem Fall beantwortet die Gemeinde mit dem Hinweis: Die Aussagen der Firma seien "...falsche Behauptungen, die nicht den Tatsachen entsprechen."
Ein weiterer Prozesstermin vor dem Landgericht Münster steht noch aus.
Unsere Quellen:
- Wilfried Probst von der Tischlerei Fuchs und Schwalbe
- Schriftliche Antwort der St. Georg Gemeinde in Ahlen
- Beobachtungen der WDR-Reporter vor Ort
Sendung: WDR 2, WDR 2 für das Münsterland, 18.08.2026, 10:32 Uhr