Restaurator Robert Wennemer versucht, eine Statue in Ennigerloh-Ostenfelde zu retten.

Bildquelle: WDR/ Jörn Haarmann

WDR 2 Min. 42 Sek. Verfügbar bis 30.04.2028

Klimawandel schlägt zu Sandstein-Denkmäler im Münsterland zerbröseln

Stand:

Restauratoren wollen die alten Sandstein-Denkmäler im Münsterland retten. Der Klimawandel zerstört sie, sagen Experten.

Die Sandstein-Statue der heiligen Margaretha auf dem Dorfplatz in Ennigerloh-Ostenfelde war mal eine Schönheit. Schon 145 Jahre trotzt das etwa vier Meter hohe Denkmal Wind und Wetter. Doch viele Teile der Figur sind inzwischen marode - ihr Gesicht, die Hände und auch der Sockel. Wie ein Chirurg versucht Restaurator Robert Wennemer aus Münster zu retten, was zu retten ist.

Sandstein: Dankbares, aber verwundbares Material

Die Statue ist aus Baumberger Kalksandstein gearbeitet, genau wie unzählige Wegekreuze, Bildstöcke, aber auch monumentale Bauten wie der Münstersche Dom, Klöster oder Wasserschlösser. Bildhauer schätzen den weichen Stein, weil er sich gut bearbeiten lässt.

Wasser ist größter Feind der Denkmäler

Wasser ist allerdings der größte Feind des Steins. Es läuft in die Poren und kleinen Risse. Bei Frost dehnt es sich aus und sprengt das Material, stellt Wennemer mit einem musternden Blick auf die Statue fest: "Die Oberfläche löst sich ab, die Folge ist, dass die Teile dann abfallen, dann fehlt uns die originale Oberfläche. Wir versuchen zu sichern, was noch da ist". Luftschadstoffe, Moos, Flechten und Vogelkot vergrößern die Schäden.

Nahaufnahme von Beschädigungen an der Statue.

Wind und Wetter haben den Sandstein schwer beschädigt.

Restaurator Robert Wennemer arbeitet mit speziellem Werkzeug an der St. Margaretha-Statue in Ostenfelde.

Die Denkmäler werden sanft gereinigt.

Nahaufnahme des Kopfes der St. Margaretha-Statue.

Die St. Margaretha-Statue ist mehr als 145 Jahre alt.

Nahaufnahme von Restaurator Robert Wennemer an der St. Margaretha-Statue in Ostenfelde. Er schlägt alten Mörtel ab.

Restaurator Robert Wennemer schlägt lose Teile und alten Mörtel vorsichtig ab.

Ausschnitt wo ein Mann mit speziellem Mörtel Schadstellen an einer Statue ausbessert.

Mit speziellem Mörtel werden Schadstellen ausgebessert und wettergeschützt.

Aufnahme von Kunstvollem Fassadenbild aus Sandstein. Es ist zum Beispiel ein Frauenkopf und ein Engel zu sehen.

Am Schloss in Münster wurden viele Fassadenbilder aus Sandstein schon restauriert.

Wind und Wetter haben den Sandstein schwer beschädigt.

Die Denkmäler werden sanft gereinigt.

Die St. Margaretha-Statue ist mehr als 145 Jahre alt.

Restaurator Robert Wennemer schlägt lose Teile und alten Mörtel vorsichtig ab.

Mit speziellem Mörtel werden Schadstellen ausgebessert und wettergeschützt.

Am Schloss in Münster wurden viele Fassadenbilder aus Sandstein schon restauriert.

Klimawandel beschleunigt den Verfall

Und es wird künftig nicht besser, ist Dr. Birte Graue überzeugt. Sie ist Chefrestauratorin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Münster und macht sich große Sorgen um die kunstvollen Sandstein-Denkmäler.

"Wir erwarten mehr Extremwetter-Ereignisse wie deutlich mehr Regen und stärkere Frostperioden. Das alles wird den Stein noch stärker schädigen." Dr. Birte Graue, Chefrestauratorin des Landschaftverbands Westfalen-Lippe

Solche Zerstörungen zu sehen, tue ihr auch aus einem anderen Grund weh. Eine Statue, Skulptur oder ein Wegekreuz habe für den Ort natürlich eine ganz große Bedeutung. Am Faltenwurf der Gewänder sei zum Beispiel das Verständnis der Mode der damaligen Zeit zu sehen.

Imprägnieren hilft dem Stein nicht

Den Stein einfach mit Imprägniermitteln wasserabweisend zu streichen, helfe nicht, sagt Graue. Noch bis in die 1980er-Jahre war dies gängige Praxis. Die Versiegelung hat die Poren verschlossen, so dass Wasser nicht mehr raus konnte und den Verfall des Sandsteins bei Frost sogar noch beschleunigt hat.

Deshalb bessert Wennemer die kaputten Stellen an der St. Margaretha-Statue zunächst aus und trägt dann vorsichtig eine dünne Schicht aus Mörtel auf: "Die verbindet sich gut mit dem Stein und kann dann langsam verwittern - statt des eigentlichen Sandsteins darunter".

Online-Praxistipps für jedermann

Um kommunale und private Denkmalbesitzer für das Problem zu sensibilisieren, hat der LWL jetzt einen Online-Praxisratgeber zusammengestellt. Dort finden sich typische Schadensbilder, aber auch Pflegetipps und konkrete Schutzmaßnahmen. "Zum Beispiel die, dass man die Objekte von Oktober bis Ostern mit einer Art Schutzhütte umschließt. Wir können und müssen diese detailreichen Kunstwerke erhalten", appelliert Graue.

Klimawandel lässt uralte Sandstein-Denkmäler zerbröseln

WDR 30.04.2026 35 Sek. Verfügbar bis 29.04.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe
  • Restaurationsbetrieb Wennemer, Münster
  • Beobachtungen des WDR-Reporters bei der Restauration

Sendung: WDR.de, Klimawandel schlägt zu: Sandstein-Denkmäler im Münsterland zerbröseln, 03.05.2026, 6:01 Uhr

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