Krankenfahrten sollen eingeschränkt werden
Bildquelle: WDR / picture alliance / ANPAktuelle Stunde . 23.09.2026. 36 Min. 23 Sek.. UT. Verfügbar bis 23.09.2028. WDR. Von Alexander Roettig.
Im Tarifstreit zwischen den Krankenkassen und dem NRW-Verband der Kranken- und Behindertenfahrdienste bleiben die Fronten offenbar verhärtet. Der Verband empfiehlt seinen rund 160 Mitgliedsunternehmen, nicht mehr kostendeckende Krankenkassenfahrten einzuschränken oder einzustellen.
Steigende Kosten für Krankenfahrten bei gleichen Pauschalen
Trotz steigender Betriebskosten, höherer Spritpreise und des Mindestlohns verweigerten die Krankenkassen eine angemessene Bezahlung, kritisiert der Verband der Kranken- und Behindertenfahrdienste NRW (VdKBf). Besonders der Mehraufwand bei Rollstuhl-, Tragestuhl- und Liegendfahrten werde nicht ausreichend vergütet, heißt es.
"Viele Unternehmen sind kurz vor der Pleite. Wir können einfach nicht mehr." Stefan van Asch, Verband der Kranken- und Behindertenfahrdienste NRW (VdKBf)
"Die Unternehmen arbeiten seit Jahren nur kurz auf knapp, Gewinne können nicht erwirtschaftet werden, Rücklagen gibt es nicht", sagt Stefan van Asch, der Vorsitzende des Landesverbandes der Transportunternehmen mit Sitz in Lüdenscheid.
Adrian Blaschke aus Ahlen ist einer der auf Krankentransporte spezialisierten Unternehmer mit Liegewagen, der sich von den Krankenkassen im Stich gelassen fühlt. "Ich habe seit Februar bis jetzt zusätzliche Kraftstoffkosten in Höhe von 20.000 Euro, die mir bislang noch niemand refinanziert hat", sagt er.
Krankenfahrten von der Klinik nach Hause
Der Verband empfiehlt seinen Unternehmen, Krankenhausentlassungen und kurzfristige, nicht planbare Fahrten gesetzlich Versicherter nicht mehr zu bedienen. Firmen aus dem Märkischen Kreis, Ostwestfalen-Lippe, dem Kreis Warendorf und Remscheid würden sich an diesem "Fahrstreik" beteiligen, heißt es.
Krankenfahrten von der Klinik nach nach Hause wollen die Firmen nicht mehr anbieten
Bildquelle: dpa/picture alliance/Hans WiedlVorsitzender van Asch: "Wir wollen die Patienten ja transportieren, aber die Honorare müssen steigen, sie sind in NRW einfach nicht mehr kostendeckend." Die Fahrgäste, um die es gehe, benötigten in der Regel keine medizinische Betreuung, seien aber auf Trage im Liegemietwagen oder Rollstuhl angewiesen. Lebensnotwendige Serienfahrten zur Dialyse, Chemotherapie und Strahlentherapie wolle man jedoch aufrechterhalten.
Streit um Vergütung der Krankenfahrten
Den Forderungen widersprechen die gesetzlichen Krankenkassen und ihre Verbände in Nordrhein-Westfalen vehement. Sie hätten Rahmenverträge mit den Transportunternehmen "zu wirtschaftlich ausgewogenen Konditionen abgeschlossen".
"Die Verweigerung der Durchführung von Krankenfahrten in Westfalen-Lippe gegen die geltenden Versorgungsverträge stellt somit einen klaren Vertragsbruch dar", sagt AOK NordWest-Sprecher Jens Kuschel.
"Man kann seine Forderungen nicht auf dem Rücken der Versicherten austragen." Jens Kuschel, Sprecher AOK NordWest
Und weiter: "Patienten, die nicht wie vereinbart transportiert werden, sollen sich bitte mit ihrer Krankenkasse in Verbindung setzen - wir werden eine alternative Transportlösung finden", so Kuschel.
Kein Betroffener solle die Krankenfahrten aus eigener Tasche zahlen und jeder werde einen Krankentransport bekommen, heißt es von den Kassen.
Unsere Quellen:
- Verband der Kranken- und Behindertenfahrdienste NRW (VdKBf)
- Gespräche mit Stefan van Asch und Adrian Blaschke, VdKBf
- Jens Kuschel, Sprecher AOK NordWest
Sendung: WDR.de, Krankenfahrdienste protestieren gegen Honorarhöhe, 23.09.2026, 06:53 Uhr
