Klimawandel sorgt für beste Kirsch-Ernte seit Jahren

WDR 00:31 Min. Verfügbar bis 01.07.2028

Obstbauern in NRW Klimawandel sorgt für beste Kirsch-Ernte seit Jahren

Stand:

Das statistische Bundesamt rechnet mit einem Plus von acht Prozent. Die Landwirte in NRW sehen Vorteile und Herausforderungen.

Henrik Mertens schaut zufrieden auf seine langen Reihen mit insgesamt 1200 Kirschbäumen auf seiner Obstplantage in Willich am Niederrhein. Viele Reihen sind schon abgeerntet, dieses Jahr läuft die Kirsche richtig gut. 15 bis 20 Tonnen könnten es am Ende des Sommers sein, ein Drittel mehr als sonst.

Die Obstbauern in Deutschland erwartet in diesem Sommer die beste Kirschernte seit Jahren, schätzt das statistische Bundesamt - fast zehn Prozent mehr als im schon guten Jahr 2025. Ein Grund ist der Klimawandel.

Warmes, trockenes Frühjahr für gute Blüte

Auf einer Hand liegen mehrere dunkelrote Kirschen

Die Süßkirsch-Sorte Kordia ist jetzt reif und zählt zu den beliebtesten bei den Kunden

Durch das trockene und warme Frühjahr konnte sich die Kirschblüte sehr entwickeln. Die Obstbäume beginnen durch das wärmere Klima inzwischen bis zu einigen Wochen früher zu blühen. Das bereitet dem Obstbauern aber auch Sorge, denn kommt noch ein später Frost im Mai, kann das die Ernte erheblich beeinträchtigen.

"Die Süßkirsch-Sorte Kordia verträgt die Hitze gut, die werden wir in den nächsten Tagen ernten. Sie ist eine der beliebtesten Sorten bei den Kunden", erzählt Junior-Chef Henrik Mertens, der sich auf dem Hof um den Kirschanbau kümmert. Knapp ein Dutzend Sorten hat auf 1200 Bäumen in langen Reihen nebeneinander stehen. Von der guten Ernte profitieren aktuell auch die Verbraucher: In Mertens´ Hofladen ist das Pfund Kirschen mit 3,50 Euro rund zwei Euro günstiger als im Schnitt.

Aufwand für Obst- und Gemüsebauern steigt

Ein Kirschplantage ist eingerahmt von einem Foliendach oben und Netze bis zum Boden

Die Obstplantagen müssen mit Foliendächern und engen Netzen geschützt werden

Über den Kirschbäumen der Familie Mertens hängt ein großes Foliendach, rund herum ist außerdem ein engmaschiges Netz bis zum Boden gehängt, zum Schutz vor neuen Schädlingen aus Asien - und Wetterextremen, vom Starkregen über Hagel bis zu starker Sonne.

"Die asiatische Kirschessigfliege ist durch den Klimawandel hier zu uns eingewandert, da müssen wir entsprechend schützen", sagt Henrik Mertens. Vater Frank sieht über die Jahrzehnte einen immer größeren Aufwand der Landwirte: "Früher haben wir nicht so viel mit Folien oder Hilfsmitteln gearbeitet. Vor 15-20 Jahren kamen die Folientunnel dazu, die Hagelnetze kamen dazu, jetzt haben wir hier die Kirschüberdachung. Man macht immer mehr, um die Ernte zu verlängern und vor allen Dingen zu schützen."

Klimawandel: Obst- und Gemüsebauern müssen sich anpassen

Der Wasserbedarf wird durch die zunehmende Trockenheit schon seit einigen Jahren größer, sagt Peter Muß vom Provinzialverband der rheinischen Obst- und Gemüsebauern. Auch das Sortiment im Anbau verändere sich: "Es gibt mittlerweile auch ne ganze Reihe von Obstbauern, die Obstarten anbauen, die vor 15 Jahren quasi nicht anbauwürdig waren. Kulturen wie Aprikose, Pfirsich oder Nektarine haben inzwischen Einzug gehalten."

Beim Gemüseanbau wirke sich der Klimawandel weniger stark aus, sagt Muß. Da hätten südländische Produkte wie Zucchini oder Brokkoli schon seit einigen Jahrzehnten den Weg auf die nordrhein-westfälischen Äcker gefunden.

Willicher Hof baut inzwischen auch Wein an

Weinreben in langen Reihen nebeneinander

Auf dem Willicher Obsthof wächst inzwischen auch Wein

Auf dem Obsthof in Willich passen Frank und Henrik Mertens ihr Früchte auch immer weiter dem Klimawandel an: Einige Apfel- und Birnen-Sorten werden wohl absehbar verschwinden, weil sie die Hitze schlecht vertragen, italienische Erdbeeren wird es wohl bald dort geben.

Und direkt neben der Kirschplantage stehen seit zwei Jahren auch Weinreben der Sorte Sauvignon Gris, die bisher eigentlich deutlich weiter südlich wachsen. Frank Mertens versucht die Vorteile zu sehen: "Wir haben ja früher nicht damit gerechnet, hier Wein anzubauen. Das funktioniert mittlerweile. Die ersten Kollegen fangen mit Oliven in Rheinland-Pfalz an. Es geht immer weiter."

Selbst pflücken am Wochenende

Selbst Kirschen pflücken kann man am kommenden Wochenende vom 3. bis 5. Juli in Tönisvorst beim Hoffest im Apfelparadies Obstbau. Auf dem Programm stehen außerdem eine Hüpfburg, Traktorfahrten für Kinder und Kirschkernweitspucken. Auch Aprikosen können Besucherinnen und Besucher dort selbst pflücken.

Beste Kirschernte seit Jahren

WDR 00:19 Min. Verfügbar bis 01.07.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des Reporters vor Ort
  • Gespräch mit Frank und Henrik Mertens, Obsthof Mertens, Willich
  • WDR-Interview mit Peter Muß, Verband Rhein. Obst- und Gemüsebauern
  • Apfelparadies Obstbau, Tönisvorst

Sendung: WDR.de, Interview Henrik Mertens: Beste Kirschernte seit Jahren, 1.7. 2026
Sendung:
WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 01.07.2025, 19:30 Uhr

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