Das bedeutet der Italo-Auftrag für Krefeld
WDR. 01:58 Min.. Verfügbar bis 21.07.2028.
Es ist ein milliardenschwerer Auftrag: Das italienische Unternehmen Italo hat mit dem Zugbauer Siemens Mobility einen Vertrag über die Lieferung von 26 Schnellzügen abgeschlossen, wie der Konzern mitteilte.
Die Fahrzeuge sollen im Siemens-Werk in Krefeld produziert werden. Für den Wirtschaftsstandort seien das endlich wieder positive Nachrichten, betont die Industrie- und Handelskammer (IHK).
Hoffnung auf neue Arbeits- und Ausbildungsplätze
Insgesamt will Italo drei Milliarden Euro für die Produktion der Schnellzüge an Siemens zahlen. "Gerade in einer Zeit, in der viele Industrieunternehmen unter großem Druck stehen, ist dieser Auftrag ein starkes Signal für Krefeld. Zumal zuletzt die schlechten Nachrichten überwogen", sagt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein.
Die Industrieumsätze in Krefeld seien merklich zurückgegangen, zudem gab es Ankündigungen von Produktionsschließungen und Verlagerungen. Das betraf etwa Ende Mai das Venator-Werk im Chempark Krefeld-Uerdingen. Weil der geplante Verkauf an einen Investor gescheitert war, musste das Werk endgültig schließen. Rund 400 Beschäftigte verloren ihren Job.
Mit Blick auf das Geschäft zwischen Italo und Siemens in Krefeld ist Jürgen Steinmetz von positiven Effekten überzeugt.
Dieser Auftrag wird Arbeits- und Ausbildungsplätze sichern und weitere entstehen lassen Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer IHK Mittlerer Niederrhein
Davon profitiere nicht nur Siemens selbst, sondern "die gesamte regionale Wirtschaft von den Zulieferbetreiben bis hin zu Handel und Gastronomie."
Siemens setzt auf das Werk in Krefeld
Der Standort Krefeld sei ein wichtiger Bestandteil des europäischen Produktionsnetzwerks von Siemens, betont der Konzern auf WDR-Anfrage. Schnellzüge, die in dem Werk entstehen, würden weltweit an Kunden ausgeliefert.
Dieser Zug wird in Krefeld für Italo gebaut.
Bei den Bahnen, die das Unternehmen Italo nun bei Siemens bestellt hat, handele es sich um das "Velaro Multi System". Diese Fahrzeuge ähneln optisch und baulich den ICE-3- und ICE-3-Neo-Zügen der Deutschen Bahn.
Inwieweit der Italo-Auftrag sich auf das Krefelder Werk auswirkt, verrät Siemens nicht. Zu Produktionsdetails und der Personalplanung wolle man sich "aus Wettbewerbsgründen" nicht äußern.
Italo-Auftrag ist auch eine Herausforderung
Ralf Claessen, Geschäftsführer der IG Metall Krefeld
Für überschwängliche Euphorie habe der Großauftrag bei den Betriebsräten im Siemens-Werk nicht gesorgt, sagt Ralf Claessen, Geschäftsführer der IG Metall Krefeld. "Einen Vertrag zu unterschreiben und ihn tatsächlich umzusetzen sind zwei Paar Schuhe", so Claessen.
Es ist natürlich eine Herausforderung, die Züge möglichst schnell und qualitativ hochwertig zu fertigen. Zumal das Werk schon gut ausgelastet ist. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass die Truppe das hinbekommt. Ralf Claessen, Geschäftsführer der IG Metall Krefeld
Unabhängig davon, sei der Produktionsvertrag zwischen Italo und Siemens eine gute Nachricht für die Industrie in Krefeld, betont Claessen. "Solche Aufträge führen das Märchen ad absurdum, dass wir in Deutschland solche Produkte nicht mehr zu einem konkurrenzfähigen Preis fertigen können."
Unsere Quellen:
- Siemens Mobility
- Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer IHK Mittlerer Niederrhein
- Ralf Claessen, Geschäftsführer IG Metall Krefeld
- Unternehmen Italo
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 21.07.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Rheinland, Ruhrgebiet und Niederrhein, 21.07.2026, 14:31 Uhr
