Wegen Trockenheit muss Obsthof in Wesel mehr bewässern
Bildquelle: WDR/Jörg ConradiWDR. 01:55 Min.. Verfügbar bis 18.08.2028.
Auf dem Obsthof der Familie Heinen in Wesel war in diesem Sommer besonders viel Wasser nötig. Auf rund 30 Hektar baut die Familie unter anderem Spargel, Erdbeeren, Äpfel und Kirschen an. Die lange Trockenheit bedeutete für den Betrieb erheblichen zusätzlichen Aufwand.
"Wir mussten diesen Sommer extrem viel bewässern. Ohne die Bewässerung hätten wir bei der Trockenheit deutliche Einbußen gehabt. Das bedeutet für uns natürlich zusätzlichen Aufwand und zusätzliche Kosten." Peter Heinen, Obstbauer aus Wesel
Tägliches Bewässern
Die Familie Heinen sei in Wesel leicht an Grundwasser gekommen, das dort noch nicht so tief sei. Dennoch hätten die Pflanzen unter der Hitze gelitten. Julius Heinen erklärt: "Die Pflanze wollte einfach nur noch überleben, hat sich nicht mehr darum gekümmert, dass die Früchte größer werden und gut ausgebildet sind." Es sei noch ein paar Wochen Zeit bis zur Ernte. "Ich hoffe da können wir noch ein bisschen was aufholen," sagt Julius Heinen.
Normale Apfelernte - aber Qualität leidet
Ihre Äpfel musste die Familie Heinen täglich bewässern und das über acht Wochen lang. "Das ist eine ziemliche Arbeit. Ich bin damit jeden Tag bis zu drei Stunden beschäftigt," erklärt Julius Heinen. Das Bewässern koste aber nicht nur zusätzliche Arbeitszeit, sondern auch Energie. Das Grundwasser holt die Familie mit einer Elektro-, aber auch mit Dieselpumpen. Bei hohen Dieselpreisen komme da einiges an Kosten zusammen.
"Bei den Äpfeln rechnen wir mit einer normalen Ernte. Ich hoffe dass wir wieder um die 100 Tonnen ernten können. Da haben wir wahrscheinlich noch Qualitätseinbußen, wo wir einiges aussortieren müssen." Julius Heinen, Obstbauer aus Wesel
Sieben Prozent weniger Getreide
Der Deutsche Bauernverband erwartet eine schlechtere Ernte als letztes Jahr.
Bildquelle: imago/Arnulf HettrichDer Deutsche Bauernverband zieht am Dienstag (18.08.2026) eine unterdurchschnittliche Erntebilanz. Bundesweit werden demnach 41,9 Millionen Tonnen Getreide erwartet. Das sind sieben Prozent weniger als im letzten Jahr. Der durchschnittliche Ertrag je Hektar sank sogar um neun Prozent.
Als Gründe nennt der Bauernverband ein zu trockenes Frühjahr und eine Hitzewelle in der zweiten Junihälfte. Besonders Süd- und Westdeutschland seien von schwachen Erträgen betroffen. Beim Winterraps sank der Ertrag bundesweit sogar um 20 Prozent.
Bauernverband fordert Sofortpaket
Der Deutsche Bauernverband warnt vor Liquiditätsproblemen bei vielen landwirtschaftlichen Betrieben. Bauernpräsident Joachim Rukwied fordert von der Bundesregierung ein Sofortpaket. Unter anderem sollen 80 Prozent der Direktzahlungen bereits im Oktober ausgezahlt werden. Außerdem fordert der Verband eine Aufstockung der Düngemittelhilfe und eine Senkung der Steuer auf Diesel.
Obstbauern warnen vor Betriebsaufgaben
Auf dem Hof der Familie Heinen werden auch Äpfel angebaut
Bildquelle: WDR/Jörg ConradiSchon Ende Juli hatten Obstbauern vor der wirtschaftlichen Situation ihrer Branche gewarnt. Sie beklagen neben schwierigen Anbaubedingungen vor allem hohe Lohnkosten und die Konkurrenz durch günstigere Importe. Nach Angaben der Branche geben von bundesweit rund 6.500 Obstbaubetrieben jährlich knapp 150 auf.
"In Zukunft planen wir fest damit, dass wir regelmäßig bewässern müssen. Deswegen haben wir jetzt auch einen Tropfschlauch installiert. Der kann ressourcensparend bewässern und wir können so das Wasser auch effektiv nutzen." Julius Heinen, Obstbauer aus Wesel
Die Familie Heinen setzt am Niederrhein seit Jahrzehnten auf den Anbau von Spezialkulturen. 1992 pflanzte der Betrieb seinen ersten Spargel, fünf Jahre später kamen Erdbeeren und 2004 Äpfel hinzu. Heute führt die Familie den rund 30 Hektar großen Betrieb in zweiter Generation.
Unsere Quellen:
- Deutscher Bauernverband: Erntebilanz 2026 vom 18.08.2026
- Julius und Peter Heinen, Spargel- und Obsthof Heinen in Wesel
Sendung: WDR.de, Obstbauern in Wesel kämpfen mit Trockenheit, 18.08.2026, 19:20 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 18.08.2026, 19:30 Uhr