Niederlande ziehen Konsequenzen in der Fleischindustrie

WDR 02:38 Min. Verfügbar bis 07.07.2028

Leiharbeit in der Fleischindustrie Niederlande ziehen Konsequenzen

Stand:

Die niederländische Regierung plant ein Verbot der Leiharbeit in der Fleischindustrie ab 2028. Kommunen am Niederrhein begrüßen den Schritt, sehen aber auch mögliche soziale Folgen für die Grenzregion.

Foto einer verdreckten Küchenzeile mit einer Waschmaschine und einem Herd, dessen Knöpfe mehrere Risse aufweisen

Eine verdreckte Küchenzeile in einer Unterkunft.

Heruntergekommene Häuser, marode Einrichtungen, überfüllte Wohnungen - häufig müssen Menschen, die in Leiharbeiterunterkünften untergebracht werden unter augenscheinlich menschenunwürdige Bedingungen leben. Darüber hinaus arbeiten die Menschen zu Hungerlöhnen und oft mehr als acht Stunden am Tag. Nun hat der Ministerrat in den Niederlanden entschieden, Leiharbeit in der Fleischindustrie verbieten zu wollen. Das soll auch Auswirkungen auf Städte und Kommunen und Deutschland haben.

Kommunen am Niederrhein begrüßen den Schritt

Eine brünette Frau mit Brille schaut in die Kamera.

Claudia Lindlahr (CDU), Bürgermeisterin von Emmerich am Rhein

In Deutschland wohnen gerade in den Städten nahe der Grenze häufig Menschen, die in der niederländischen Fleischindustrie arbeiten - zum Beispiel in Emmerich. Bürgermeisterin Claudia Lindlahr (CDU) ist froh über die Entscheidung des niederländischen Kabinetts, der Leiharbeit dort einen Riegel vorzuschieben. "Ich freue mich wirklich sehr darüber und hoffe, dass das Gesetz in den Firmen umgesetzt wird", sagt Claudia Lindlahr.

"Ich hoffe, dass das Verbot das System verändert. Die Abhängigkeit wird reduziert. Und ich glaube, dass damit ein großer Schritt getan ist." Claudia Lindlahr, Bürgermeisterin Emmerich

Ausbeutern das Leben schwer machen

Ein Mann mittleren Alters mit Brille steht draußen und schaut in die Kamera.

Torsten Matenaers von der Stadt Goch

Auch Goch kämpft mit der Situation in den Leihunterkünften. Hier hoffen sie, dass das bald Vergangenheit ist und das angekündigte Gesetz in den Niederlanden keine Schlupflöcher mehr für die ausbeutenden Betriebe bietet. Auch Torsten Matenaers, Sprecher der Stadt Goch, hält es zumindest für einen richtigen Schritt und "nun erstmal ein richtiges und auch wichtiges Signal".

"Wir hoffen, dass den Betrieben, die den Menschen so ausbeuten, das Leben so schwer gemacht wird, dass sie einfach keinen Geschäftszweck mehr in ihrem Treiben sehen." Torsten Matenaers, Stadt Goch.

Fortschritt mit möglichen Risiken

Portrait des Geschäftsführers der Euregio Rhein-Waal Andreas Kochs

Geschäftsführer der Euregio Rhein-Waal Andreas Kochs

Sobald das Parlament entschieden hat, soll das Gesetz im Frühjahr 2028 in Kraft treten. Bei der Euregio Rhein-Waal begrüßt auch Geschäftsführer Andreas Kochs die Entscheidung. Es sei ein Fortschritt, trotzdem hat er Bedenken. "Wir denken schon, dass Personenkreise, die in der Fleischindustrie tätig sind und dort ihre Arbeitsverträge haben, diese verlieren werden und dann möglicherweise gar keinen Arbeitsvertrag mehr haben und dadurch möglicherweise zu sozialen Problemen auf der deutschen Seite werden", so Kochs.

Mehr Schutz für Arbeitsmigranten

Frau mit langen Haaren steht vor grünem Busch

Nicoleta Frankemoelle-Badulescu hilft Leiharbeitern am Niederrhein

Seit über zwei Jahren berät der Träger "Arbeit und Leben" die Leiharbeiter direkt vor Ort in Goch. Dazu sagt Nicoleta Frankemölle-Bădulescu vom Verein "Arbeit und Leben", "unser Netzwerk hat sich deutlich vergrößert und unsere Zusammenarbeit mit lokalen sowie niederländischen Beratungsstrukturen ist deutlich enger geworden. Dadurch können wir Fälle inzwischen gemeinsam gut bearbeiten. Und wir verfügen über viele direkte Ansprechpartner für Meldungen von Missständen".

Unsere Quellen:

  • Stadt Emmerich
  • Stadt Goch
  • Verein "Arbeit und Leben" Goch
  • Gespräche der WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Duisburg, 06.07.2026, 19:30 Uhr

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