Rentenreform: Auswirkungen auf den Gartenbaubetrieb am Niederrhein

WDR 03:16 Min. Verfügbar bis 14.07.2028

Rentenreform 2027 Minijobs im Gartenbau vor dem Aus

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2027 soll eine neue Rentenreform kommen. Darin sind einige Änderungen geplant: der klassische Minijob könnte wegfallen. Und: Arbeitgeber sollen in eine kapitalgedeckte Zusatzrente einzahlen. Schon jetzt sind Mitarbeiter und Inhaber von Gartenbaubetrieben am Niederrhein in Sorge.

Es ist sieben Uhr in der früh. Christel Scharonat ist eine der ersten im "Pflanzgarten" in Dinslaken. Ausgestattet mit einem Gartenschlauch wässert sie die vielen Blumenkübel, die bei Hitze im Sommer dringend Wasser brauchen. Mehrmals die Woche ist die 67-jährige Rentnerin hier im Einsatz.

"Bei den aktuellen Temperaturen gießen wir teilweise mehrere Stunden am Tag", sagt sie. Scharonat arbeitet hier auf Minijob-Basis, um sich etwas zur Rente dazu zu verdienen. Wie lange sie den Job noch machen kann, weiß sie nicht.

Rentenreform 2027: Minijobs im Gartenbau vor dem Aus

Durch die Rentenreform könnten klassische Minijobs vor allem im Gartenbau künftig wegfallen

Inhaber Christian Sill beschäftigt im Pflanzgarten aktuell viele Rentner als Minijobber

Denn mit der neuen Rentenreform, die 2027 in Kraft treten soll, könnte der klassische Minijob wegfallen und die Beschäftigten wären regulär sozialversicherungspflichtig. Ausgenommen von dieser Regelung sollen Schülerinnen und Schüler sein. Die Minijobber sind im "Pflanzgarten" eine unverzichtbare Arbeitskraft.

"Wir sind auf die Minijobber angewiesen. Gerade in den Sommermonaten haben wir sonst niemanden, der zeitlich so flexibel ist und uns in den frühen Morgenstunden oder auch an Wochenenden und Feiertagen beim Bewässern der Pflanzen unterstützten kann", sagt Inhaber Christian Sill. Und diese Aufgabe übernehmen überwiegend Rentnerinnen und Rentner.

Gartenbaubetriebe am Niederrhein warnen vor steigenden Kosten durch die Rentenreform

Die Rentenreform könnte Auswirkungen auf den Gartenbaubetrieb am gesamten Niederrhein haben, wo regelmäßig Saisonarbeiter und Aushilfskräfte im Einsatz sind. Geplant ist, dass Arbeitgeber verpflichtend in eine kapitalgedeckte Zusatzrente einzahlen. Damit würden die Lohnnebenkosten weiter steigen. "Wir können diese Kosten nur stemmen, indem unsere Produkte am Ende für den Endkunden teurer werden", erklärt Christian Sill.

Bei Pellens-Hortensien in Geldern arbeiten viele Saisonarbeiter und Minijobber.

Auch der Gartenbaubetrieb Pellens-Hortensien in Geldern fürchtet Veränderungen für die Beschäftigten durch die Rentenreform.

Dass sich viele Betriebe diese Kostensteigerung längst nicht mehr leisten können, bestätigt auch Andreas Pellens von Pellens Hortensien in Geldern. "Wir haben aktuell in unserer Branche viele Betriebe, die schließen müssen, das sind vornehmlich Kleinere."

Rentner als unverzichtbare Minijobber: Was sich 2027 ändern könnte

Und weiter: "Die Größeren investieren in Technik und Automatisierung und reduzieren die Lohnkosten, weil man weniger Mitarbeiter braucht." Die Folge: Mitarbeiter werden entlassen und finden im schlimmsten Fall keine weitere Beschäftigung, so der Unternehmer.

Besonders hart könnte das Rentnerinnen und Rentner wie Christel Scharonat treffen. "Ich würde den Minijob ungern aufgeben. Es gibt viele ältere Menschen, die eine ähnliche Situation haben. Wir sind froh über einen Job und gebraucht zu werden."

Bis Ende des Jahres will der Koalitionsausschuss die insgesamt 33 Empfehlungen der Alterssicherungskommission für eine Rentenreform prüfen und umsetzen.

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Mitarbeitern "Der Pflanzgarten" Dinslaken
  • Gespräch mit Mitarbeitern Pellens Hortensien
  • Informationen zur geplanten Rentenreform
  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: WDR.de, Rentenreform: Auswirkungen auf den Gartenbaubetrieb am Niederrhein, 14.07.2026, 05:02 Uhr

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