Guckt hier die Römerzeit aus dem Wasser?

Bildquelle: Frank Geile

WDR 45 Sek. Verfügbar bis 25.08.2028

Niedrigwasser in der Erft Guckt hier die Römerzeit aus dem Wasser?

Stand:

In Neuss hat das Niedrigwasser einen alten Pfeiler freigelegt - vermutlich gehört er zur Römerbrücke, die auch das Wappen von Neuss-Grimlinghausen zeigt. Archäologen wollten den Überrest untersuchen. Warum das jetzt doch warten muss ...

Von Frank Büsdorf, Noah Matzat

Ganz selten kommen die Steine in der Erft in Neuss-Grimlinghausen zum Vorschein - zumindest bisher. Erstmals gesichtet wurden die Überreste im Jahr 1887, danach noch in den Jahren 2010 und 2015.

Und jetzt wieder: Die extreme Dürre in diesem Sommer hat den Pegel der Erft so sinken lassen, dass das historische Bauwerk aus dem Wasser aufgetaucht ist, erzählt Ivonne Weiler-Rahnfeld vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Dort vermutet man, dass der Pfeiler Teil einer alten Römerbrücke war.

Denkmalpfleger wollten Bauwerk mit der Drohne filmen

Nichts mehr von dem Pfeiler zu sehen: Der Pegel der Erft ist wieder gestiegen. Es ist ein Drohnenbild der Erft zu sehen.

Nichts mehr zu sehen: Der Pegel der Erft ist wieder gestiegen

Bildquelle: WDR

Dieser letzte von mutmaßlich neun Pfeilern sollte eigentlich mit Drohnenaufnahmen untersucht werden, um mehr Informationen zu sammeln. Das fällt allerdings jetzt aus: Durch den steigenden Pegel der Erft liegt der Pfeiler wieder unter Wasser.

Die LVR-Experten waren in den vergangenen Tagen außerdem mit anderen Entdeckungen beschäftigt, die das Niedrigwasser hervorgebracht hat. Priorität habe dann der Fund, der bisher noch nie gesichtet worden war, um ihn für die Nachwelt festzuhalten, erklärt der LVR. Weil der Pfeiler der Römerbrücke schon bekannt war, musste er warten.

Till Lodemann, Bodendenkmalpfleger der Stadt Neuss, ist im Porträt zu sehen

Till Lodemann, Bodendenkmalpfleger der Stadt Neuss

Bildquelle: WDR

Das bedauert auch Till Lodemann, Bodendenkmalpfleger der Stadt Neuss: "Wir wissen so wenig über die Brücke: Ist es wirklich die Römerbrücke? Ist es eine spätere Ausbaustufe?" All das sind Fragen, auf die es jetzt erst einmal keine Antworten gibt. Beim nächsten Niedrigwasser soll der Pfeiler dann aber näher untersucht werden.

Niedrigwasser beschleunigt Verfall der Überreste

Das historische Bauwerk aus Stein hatte eine Holzunterkonstruktion, die bei normalem Flusspegel vom Wasser bedeckt ist. Archäologin Ivonne Weiler-Rahnfeld erklärt, dass es für die Überreste besser sei, wenn sie unter Wasser liegen. Denn das Wasser konserviere das Holz und schütze die Überreste vor einem schnelleren Verfall.

Die Brücke war laut Forschungsstand rund 85 Meter lang und wurde vor etwa 2.000 Jahren von den Römern erbaut. Sie diente vor allem dazu, Truppen und Handelswaren über den Fluss und damit über die befestigte römische Fernstraße von Köln über Krefeld nach Xanten zu bringen. Laut schriftlichen Quellen wurde die Brücke im späten 16. Jahrhundert zerstört.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
  • Interview mit Archäologin Ivonne Weiler-Rahnfeld vom Landschaftsverband Rheinland (LVR)
  • Interview mit Till Lodemann, Bodendenkmalpfleger der Stadt Neuss
  • Niederrhein Tourismus GmbH

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 25.08.2026, 19:30 Uhr

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