Fundsachen im Rhein: Trajekt und Hinweise auf Römischen Hafen

Bildquelle: WDR/ Maike Krebber

WDR 2 Min. 15 Sek. Verfügbar bis 01.09.2038

Von Schiffswrack bis Granate Kuriose Funde, die das Niedrigwasser sichtbar macht

Stand:

Während die Wirtschaft unter den niedrigen Flusspegeln ächzt, freuen sich Schatzsucher und Archäologen. Der Rheinpegel ist an manchen Stellen auf dem historischen Tiefstand angekommen. Dadurch kommen längst vergessene Gegenstände zum Vorschein. Manche Funde haben sogar geschichtliche Bedeutung.

Von Sven Lüüs, Alexander Schwinning und Michael Jung
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Hinweise auf einen Römischen Hafen?

Was hier aus dem Boden ragt, könnte von den alten Römern stammen: Das Team des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege im Rheinland rund um Eva-Cott Everding hat mindestens drei Holzpfähle gefunden: "Also für uns war das eine kleine Sensation. Es gibt hier nämlich nicht so viele Meldungen von Holzpfählen. Also uns ist eigentlich nur konkret jetzt eine aus der jüngeren Zeit bekannt, nämlich von 1985."

Am Ufer des Rheins liegt die Spitze eines Holzstumpfes. Daneben im Sand ein Zollstock, außerdem eine kleine schwarze quadratförmige Texttafel mit weißen Lettern.

Stammt dieser Holzpfahl aus einem alten römischen Hafen?

Bildquelle: WDR/ Maike Krebber

1985 wurde an der Stelle bereits ein Pfahl gefunden. Auch Keramikscherben oder Bleiobjekte aus der römischen Zeit wurden in den letzten Jahrzehnten in der Nähe entdeckt. Die Stelle gilt daher schon seit längerem als eingetragenes Bodendenkmal.

Einen der ca. 60 cm langen Pfähle hat das LVR-Team jetzt für weitere Untersuchungen komplett ausgegraben. Anhand von Jahresringen wollen sie herausfinden, ob die Pfähle wirklich aus der römischen Zeit stammen.

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Eine alte Eisenbahnfähre zwischen Bonn und Beuel

Auch ein paar Meter weiter rheinaufwärts unter der Bonner Südbrücke gibt das Niedrigwasser Geheimnisse frei: Überreste eines sogenannten Trajekts, einer Eisenbahnfähre, die die Bahnstrecken zwischen der Bonner und der Beuler Rheinufer verbunden hat. Beladene Eisenwagons waren zu schwer, um sie mit der Fähre zu transportieren. Deswegen wurden sie auf das Trajekt gesetzt.

Die Überreste eines Trajekts, im Hintergrund der Rhein.

Diese Gleise auf der Beueler Rheinseite verbanden die rechtsrheinische Bahnstrecke mit der linksrheinischen

Bildquelle: WDR/ Maike Krebber

Doch es wurden nicht nur schwere Güter transportiert. "Jede Fähre hatte auch zwei, drei Personenwagons. Die dienten vor allen Dingen den Bäuerinnen aus Limperich, Küdinghoven, Ramersdorf und Oberkassel, um ihre Waren zum Markt in Bonn zu fahren.", erzählt Christina Bertram-Mayer vom Heimat- und Geschichtsverein Beuel am Rhein. Als dann die erste Bonner Rheinbrücke zwischen Beuel und Bonn öffnet, wird das Trajekt nicht mehr gebraucht.

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Schiffswrack aus dem 19. Jahrhundert bei Emmerich

Kurz vor der niederländischen Grenze ragt ein Gerippe aus dem Sand am linken Rheinufer: Die "De Hoop", ein Frachter aus dem 19. Jahrhundert. Das Schiff havarierte vor 130 Jahren bei einer Dynamit-Explosion. Zuletzt lag das hölzerne Skelett beim Rekord-Niedrigwasser vor acht Jahren vollständig frei.

Schiffswrack der "De Hoop", dahinter auf dem Rhein das WSA-Arbeitsboot "Emmerich"

Das Niedrigwasser lässt auch das Schiffswrack der "De Hoop" wieder erscheinen.

Bildquelle: WDR/Michael Jung

Damals fiel der Pegel in Duisburg-Ruhrort auf 1,53 Meter. Am Ende dieses Wochenendes werden die Pegelstände laut Prognose noch etwas darunter liegen - ein neuer Minusrekord.

Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt auf dem Rhein

Bildquelle: WDR/Michael Jung

WDR 3 Min. 14 Sek. Verfügbar bis 01.09.2028

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Hungersteine erinnern an Dürre am Rhein

In Leverkusen hat der sinkende Rhein sogenannte Hungersteine freigelegt. Gerade kann man sie direkt an der Einmündung der Wupper in den Rhein finden.

Ein Stein mit einer eingeritzten Jahreszahl "1959"

Der vielleicht älteste Hungerstein in Leverkusen

Bildquelle: WDR/Michelle Mink

Hungersteine wurden vor etlichen Jahren am Flussufer platziert, wenn besonders wenig Wasser im Rhein war. Der Name kommt daher, dass Bauern bei Dürren weniger Ernte einfahren. Deswegen liegen die Steine tief in den Flussbetten und sind erst sichtbar, wenn wieder extremes Niedrigwasser ist.

Einige Hungersteine wurden der Legende nach sogar mit Sprüchen beschrieben, die in heißen Zeiten die Auswirkungen der Dürre auf die Menschen beschrieben. Auch in Leverkusen soll es so einen Stein geben. Auf ihm soll stehen: "Wenn du mich siehst, dann wirst du weinen."

Aktuell ist der älteste Hungerstein in Leverkusen aber einer aus dem Jahr 1959. Auf den meisten Steinen stehen neben der Jahreszahl vermutlich einfach die Initialen der Verfasser.

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Granate und Kampfmittel bei Düsseldorf

Erst vor wenigen Tagen haben die Müllsammler von Blockblocks Cleanup in Düsseldorf in der Nähe der Theodor-Heuss-Brücke eine alte Granate gefunden. Jetzt, während des historischen Niedrigwassers, tauchen immer wieder Bomben und Granaten auf, schreibt die Bezirksregierung Düsseldorf.

Das flache Rheinufer, umgeben von Steinen verschiedener Größe liegt ein länglicher, grauer Gegenstand.

Unscheinbar, aber potenziell gefährlich: alte Granate bei Düsseldorf.

Bildquelle: Blockblocks Cleanup gGmbH

Bei solchen Fällen überprüfe dann der Kampfmittelbeseitigungsdienst den Gegenstand. Oft stellen sie sich nur als ungefährlicher Metallschrott oder als Betonteil heraus. Aber bei Niedrigwasser können viele Arten von Kampfmitteln aus dem Flusswasser wieder auftauchen - von der Granate bis zum tonnenschweren Blindgänger.

Die Bezirksregierung warnt Spaziergänger und Schatzsucher: Sie sollen die verdächtigen Gegenstände auf keinen Fall anfassen. Stattdessen sollen sie den Fund sofort bei der Kommune oder der Polizei melden. Dann solle man am besten an der Fundstelle bleiben bis die Einsatzkräfte da sind und aufpassen, dass auch niemand anderes das Fundstück berührt.

Müllsammler finden Kampfmittel im Rhein bei Niedrigwasser

WDR 31.07.2026 46 Sek. Verfügbar bis 01.09.2028

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Aalschokker "Conny" – Geisterschiff bei Neuss

Zwischen Neuss und Dormagen, wo bei normalem Wasserstand der Silbersee in den Rhein mündet, taucht dieser Aalschokker immer dann auf, wenn sehr wenig Wasser im Rhein ist. Ein Aalschokker ist ein Schiff, das speziell dafür gebaut wurde, Aale zu fangen.

Ein ehemaliger wiederaufgetauchter Aalschokker auf dem Rhein

Die "Conny": ein Aalfänger-Schiff mit Geschichte.

Bildquelle: WDR / Alexander Schwinning

Bis in die 1990er Jahre war der im Rhein liegende Aalschokker wohl im Einsatz. Sein Besitzer war wohl einer der letzten Aal-Fischer auf dem Rhein. Der Mann soll versucht haben, seine ehemalige Partnerin und ihren neuen Freund zu töten. Der Fischer landete dafür im Gefängnis. Nach seiner Haft versuchte der Mann, Geld für die Bergung seines Schiffs zu sammeln - vergeblich. Kurz darauf verschwand der Mann spurlos. Was aus ihm geworden ist, weiß niemand.

Niedrigwasser legt Aalschokker frei | Video

Bildquelle: WDR

WDR 30 Sek. Verfügbar bis 01.09.2028

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen von WDR-Reportern vor Ort
  • WDR-Gespräch mit Blockblocks Cleanup
  • Antwort der Bezirksregierung Düsseldorf auf WDR-Anfrage
  • Beitrag Deutschlandfunk über Hungersteine
  • WDR-Gespräch mit Walter Montkowski, Stadtgeschichtliche Vereinigung e.V. Leverkusen
  • WDR-Gespräch mit Christina Bertram-Mayer, Heimat- und Geschichtsverein Beuel am Rhein
  • WDR-Archiv

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 30.07.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 27.07.2026, 18:09 Uhr
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Rheinland, Ruhrgebiet und Niederrhein, 31.07.2026, 17:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 31.07.2026, 19:30 Uhr

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