Verrückte Funde durch Niedrigwasser im Rhein
WDR. 02:30 Min.. Verfügbar bis 31.07.2028.
Während die Wirtschaft unter den niedrigen Flusspegeln ächzt, weil Schiffe kaum mehr Waren transportieren können, freuen sich Schatzsucher. Der Rheinpegel ist an manchen Stellen auf dem historischer Tiefstand angekommen. Dadurch kommen längst vergessene Gegenstände zum Vorschein. Manche Funde haben sogar geschichtliche Bedeutung.
Schiffswrack aus dem 19. Jahrhundert bei Emmerich
Kurz vor der niederländischen Grenze ragt ein Gerippe aus dem Sand am linken Rheinufer: Die "De Hoop", ein Frachter aus dem 19. Jahrhundert. Das Schiff havarierte vor 130 Jahren bei einer Dynamitexplosion. Zuletzt lag das hölzerne Skelett beim Rekord-Niedrigwasser vor acht Jahren vollständig frei.
Das Niedrigwasser lässt auch das Schiffswrack der "De Hoop" wieder erscheinen.
Damals fiel der Pegel in Duisburg-Ruhrort auf 1,53 Meter. Am Ende dieses Wochenendes werden die Pegelstände laut Prognose noch etwas darunter liegen - ein neuer Minusrekord.
Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt auf dem Rhein
WDR. 03:14 Min.. Verfügbar bis 31.07.2028.
Hungersteine, die an vergangene Dürrephasen erinnern
In Leverkusen hat der sinkende Rhein sogenannte Hungersteine freigelegt. Gerade kann man sie direkt an der Einmündung der Wupper in den Rhein finden.
Der vielleicht älteste Hungerstein in Leverkusen
Hungersteine wurden vor etlichen Jahren am Flussufer platziert, wenn besonders wenig Wasser im Rhein war. Der Name kommt daher, dass Bauern bei Dürren weniger Ernte einfahren. Deswegen liegen die Steine tief in den Flussbetten und sind erst sichtbar, wenn wieder extremes Niedrigwasser ist.
Einige Hungersteine wurden der Legende nach sogar mit Sprüchen beschrieben, die in heißen Zeiten die Auswirkungen der Dürre auf die Menschen beschrieben. Auch in Leverkusen soll es so einen Stein geben. Auf ihm soll stehen: "Wenn du mich siehst, dann wirst du weinen."
Aktuell ist der älteste Hungerstein in Leverkusen aber einer aus dem Jahr 1959. Auf den meisten Steinen stehen neben der Jahreszahl vermutlich einfach die Initialen der Verfasser.
Immer noch gefährlich: eine Granate
Erst vor wenigen Tagen haben die Müllsammler von Blockblocks Cleanup in Düsseldorf in der Nähe der Theodor-Heuss-Brücke eine alte Granate gefunden. Jetzt, während des historischen Niedrigwassers, tauchen immer wieder Bomben und Granaten auf, schreibt die Bezirksregierung Düsseldorf.
Unscheinbar, aber potenziell gefährlich: alte Granate bei Düsseldorf.
Bei solchen Fällen überprüfe dann der Kampfmittelbeseitigungsdienst den Gegenstand. Oft stellen sie sich nur als ungefährlicher Metallschrott oder als Betonteil heraus. Aber bei Niedrigwasser können viele Arten von Kampfmitteln aus dem Flusswasser wieder auftauchen - von der Granate bis zum tonnenschweren Blindgänger.
Die Bezirksregierung warnt Spaziergänger und Schatzsucher: Sie sollen die verdächtigen Gegenstände auf keinen Fall anfassen. Stattdessen sollen sie den Fund sofort bei der Kommune oder der Polizei melden. Dann solle man am besten an der Fundstelle bleiben bis die Einsatzkräfte da sind und aufpassen, dass auch niemand anderes das Fundstück berührt.
Aalschokker - Geisterschiff bei Neuss
Zwischen Neuss und Dormagen, wo bei normalem Wasserstand der Silbersee in den Rhein mündet, taucht dieser Aalschokker immer dann auf, wenn sehr wenig Wasser im Rhein ist. Ein Aalschokker ist ein Schiff, das speziell dafür gebaut wurde, Aale zu fangen.
Die "Conny": ein Aalfänger-Schiff mit Geschichte.
Bis in die 1990er Jahre war der im Rhein liegende Aalschokker wohl im Einsatz. Sein Besitzer war wohl einer der letzten Aal-Fischer auf dem Rhein. Der Mann soll versucht haben, seine ehemalige Partnerin und ihren neuen Freund zu töten. Der Fischer landete dafür im Gefängnis. Nach seiner Haft versuchte der Mann, Geld für die Bergung seines Schiffs zu sammeln - vergeblich. Kurz darauf verschwand der Mann spurlos. Was aus ihm geworden ist, weiß niemand.
Niedrigwasser legt Aalschokker frei | Video
WDR. 00:30 Min.. Verfügbar bis 27.07.2028.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen von WDR-Reportern vor Ort
- WDR-Gespräch mit Blockblocks Cleanup
- Antwort der Bezirksregierung Düsseldorf auf WDR-Anfrage
- Beitrag Deutschlandfunk über Hungersteine
- WDR-Gespräch mit Walter Montkowski, Stadtgeschichtliche Vereinigung e.V. Leverkusen
- WDR-Archiv
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 30.07.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 27.07.2026, 18:09 Uhr
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Rheinland, Ruhrgebiet und Niederrhein, 31.07.2026, 17:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 31.07.2026, 19:30 Uhr