Experten diskutieren Tagebau-Zukunft
Bildquelle: WDR6 Min. 52 Sek.. Verfügbar bis 03.09.2028.
Experten diskutieren Tagebau-Zukunft : "Von Rheinbraun nach Grün-Blau"
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Eine "Jahrhundert-Aufgabe" sei die Transformation der vom Braunkohlebergbau gezeichneten Landschaft im Rheinland. So steht es im Programm einer Fachtagung, bei der sich Garten- und Landschaftsarchitekten, Stadt- und Regionalplaner trafen. Thema war die Neugestaltung des Tagesbaus Garzweiler bei Jüchen.
Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Andreas Kipar kam eigens aus Mailand angereist, wo der deutsche Experte seit Jahrzehnten lebt und arbeitet. Auf Schloss Dyck in der Nähe des Tagebaus Garzweiler fand die Fachtagung statt. Kipar sieht in der anstehenden Transformation der Braunkohleregion zwischen Mönchengladbach, Aachen und Köln eine große Chance, auch für seine Berufskollegen: "Wann kann man mal ein Gebiet so groß wie das Saarland überplanen, gestalten, renaturieren?"
"Natürlich kann man so eine wüstenartige Mondlandschaft, wie sie der Braunkohle-Bergbau hinterlassen hat, wiederbeleben. Das haben wir doch bei den Zechen und Industriebrachen im Ruhrgebiet bereits gezeigt. Und jetzt zeigen wir es im rheinischen Revier." Andreas Kipar, Landschaftsarchitekt und Stadtplaner
Am Ende bleibt vom Tagebau Garzweiler ein See
Renaturierung von Tagebauen kennt man im Rheinland, seit hier Braunkohle gefördert wird, also seit etwa einem Jahrhundert. Neu ist an der Situation jetzt, dass am östlichen Ende des Braunkohlereviers in Garzweiler ein Loch bleiben wird, das nicht mehr verfüllt werden kann und mit Wasser aus dem Rhein geflutet wird.
Über viele Jahre ist das riesige Loch vom Tagebau Garzweiler entstanden.
Bildquelle: WDRDieser Rest-See, der erst nach 30 bis 40 Jahren seinen endgültigen Wasserstand haben wird, ist immer noch umstritten. Viele Landschaftsplaner sind sich aber heute unter dem Endruck der letzten Hitzewellen einig, dass ein großes Gewässer sich künftig als großer Vorteil für die niederrheinische Landschaft und für Natur und Klima erweisen könnte.
Vorbild ist die Lausitzer Seenlandschaft
Dieser Ansicht ist auch Volker Mielchen vom Zweckverband Landfolge Garzweiler, der sich für die betroffenen Kommunen um die Transformation der Bergbau-Landschaft kümmert. Er war zuvor in den Braunkohle-Regionen Ostdeutschlands tätig, wo - etwa in der Lausitz - inzwischen eine naturnahe Seenlandschaft entstanden ist.
Das Lausitzer Seenland könnte durchaus als Vorbild für die Planungen in Garzweiler dienen, sagt Mielchen und ist überzeugt, dass sich auch der durch den Bergbau lange gestörte Wasserhaushalt im Boden wieder selbst regulieren werde.
Internationale Gartenschau 2037 in Garzweiler
Viel erhoffen sich die Akteure in der Region von der Internationalen Gartenschau 2037 (IGA), die in dem Bereich stattfinden soll, wo heute noch Braunkohle gefördert wird. Damit würden die betroffenen Städte und Gemeinden zeigen, wie aus ehemaligen Tagebauen attraktive, naturnahe und klimaresistente Landschaften gestaltet werden können.
Bei einer Fachtagung auf Schloss Dyck diskutierten Experten über die Zukunft des Braunkohlelochs.
Bildquelle: WDRJens Spanjer, Vorsitzender der Stiftung Schloß Dyck und selbst Landschaftsarchitekt, hat die Bewerbung um die IGA 2037 mit initiiert. Durch die IGA wäre es leichter, öffentliche Fördermittel für einzelne Projekte zu bekommen. Außerdem würde dann in neun Jahren ein internationales Publikum auf die begonnene Transformation im Rheinland schauen. Wichtig wäre jetzt, mit den Planungen für Garzweiler zu beginnen. Dafür brauchen alle Beteiligten allerdings Planungssicherheit, was den Ausstieg aus der Kohle angeht. Wird es beim angekündigten Ende im Jahr 2030 bleiben?
Unsere Quellen
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Gespräche mit Konferenzteilnehmden
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 03.09.2026, 19:30 Uhr
