Aalschokker wie "Conny" erinnern heute noch an den einst traditionellen Aalfang auf dem Rhein.
Bildquelle: WDRSchiffswrack und Skelett : Diese Geheimnisse versinken wieder im Rhein
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Langsam steigt der Rheinpegel wieder an. Damit verschwinden auch kuriose Funde, die das Niedrigwasser in NRW zum Vorschein gebracht hatte. Manche hatten kulturhistorischen, andere sogar kriminologischen Wert. Diese bisweilen mysteriösen Relikte werden nun veschwinden - oder sind es bereits.
Aalschokker-Schiff "Conny"
Schon Ende Juli tauchte in Neuss an der Mündung zum Silbersee, an der dieser bei normalem Wasserstand in den Rhein mündet, ein alter Bekannter auf: "Conny". Dahinter steckt ein ehemaliger "Aalschokker", der immer dann zum Vorschein kommt, wenn der Rhein zu niedrig steht.
Niedrigwasser legt Aalschokker frei | Video
Bildquelle: WDRWDR. 30 Sek.. Verfügbar bis 01.09.2028.
Das Schiff war bis in die 1990er-Jahre im Einsatz, um Aale aus dem Wasser zu fischen. Diese Sorte Schiff wurde einst in den Niederlanden extra für den Fang von Aalen hergestellt. Erstmals war "Conny" im Sommer 2003 wieder komplett zu sehen, zuletzt 2022. Pläne, das Schiff zu bergen, gibt es derzeit nicht.
Autowrack mit Menschenknochen
Noch bevor es sich das Wasser zurückholen konnte, hat die Polizei in Königswinter Mitte August ein Autowrack geborgen. Der Grund: In dem alten Fiat befanden sich Menschenknochen.
Der Fiat 126 soll aus den 1970er- oder 1980er-Jahren sein.
Bildquelle: Polizei DuisburgDas Wrack war bereits Anfang August entdeckt worden. Nun beschäftigt sich die Kölner Rechtsmedizin mit dem Fall - und versucht herauszufinden, wem die Knochen möglicherweise zuzuordnen sind.
Hungersteine als Tor zur Geschichte
An verschiedenen Stellen im Rhein hatte der sinkende Fluss sogenannte Hungersteine freigelegt, zum Beispiel in Leverkusen oder Remagen an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. In Leverkusen konnte man sie Anfang August direkt an der Einmündung der Wupper in den Rhein finden, in Remagen ragte ein Felsen in Remagen-Kipp aus dem Wasser.
Hungersteine kommen nur dann zum Vorschein, wenn das Wasser extrem niedrig steht.
Bildquelle: WDR/Michelle MinkHungersteine wurden vor etlichen Jahren am Flussufer platziert, wenn besonders wenig Wasser im Rhein war. Auf ihnen stehen die Pegelstände oder Jahreszahlen eingeritzt, manchmal auch weitere Inschriften. "Hungersteine" liegen so tief in den Flussbetten, dass sie sichtbar werden, wenn extremes Niedrigwasser ist. Ihr Name kommt daher, dass Bauern bei mit Niedrigwasser verbundenen Dürren weniger Ernte einfuhren und potenziell auch hungern mussten.
Die historische Bedeutung dieser Hungersteine hat auch das Haus der Geschichte in Bonn erkannt und einen der Steine aus Leverkusen zu sich ins Museum geholt. Dort wird der Stein künftig Teil der Dauerausstellung sein.
Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg
Sowohl in Bonn, Köln als auch in Düsseldorf hat der Rhein in den trockenen Augustwochen mehrere Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt. So wurde in Düsseldorf Anfang August in der Nähe der Theodor-Heuss-Brücke eine alte Granate gefunden. Ebenfalls im August wurde in der Nähe des Rheinufers in Köln-Deutz, im Rheinpark, ein Fünf-Zentner Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt.
In Bonn musste kurze Zeit später eine 125-Kilogramm-Bombe entschärft werden. Sie war im Rhein auf der Höhe der Bonner Rheinaue aufgetaucht - und war nur wegen des Niedrigwassers sichtbar. Auch eine Panzerfaust wurde am Bonner Rheinufer gefunden und musste gesprengt werden.
Explodiertes Schiffswrack "De Hoop"
Das Niedrigwasser ließ auch das Schiffswrack der "De Hoop" wieder erscheinen.
Bildquelle: WDR/Michael JungDer ausgetrocknete Rhein hat im Emmerich Ende Juli ein knapp 130 Jahre altes Schiffswrack zu Tage gefördert. Und zwar die "De Hoop", ein Frachter aus dem 19. Jahrhundert. Das Schiff ging 1895 bei einer Dynamit-Explosion unter.
Im Rheinmuseum Emmerich sind heute der Orden sowie Wrackteile der "De Hoop" ausgestellt. Das eigentliche Schiffswrack im Rhein wurde jedoch nie geborgen. Zuletzt lag das hölzerne Skelett beim Rekord Niedrigwasser 2018 vollständig frei.
Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt auf dem Rhein
Bildquelle: WDR/Michael JungWDR. 3 Min. 14 Sek.. Verfügbar bis 01.09.2028.
Alte Eisenbahnfähre zwischen Bonn und Beuel
Unter der Bonner Südbrücke gab das Niedrigwasser Überreste eines sogenannten Trajekts frei, einer Eisenbahnfähre, die die Bahnstrecken zwischen der Bonner und der Beuler Rheinufer einst verbunden hat. Beladene Eisenwagons waren zu schwer, um sie mit der Fähre zu transportieren. Deswegen wurden sie auf das Trajekt gesetzt.
Fundsachen im Rhein: Trajekt und Hinweise auf Römischen Hafen
Bildquelle: WDR/ Maike KrebberWDR. 2 Min. 15 Sek.. Verfügbar bis 01.09.2038.
Doch auch Bäuerinnen aus Limperich, Küdinghoven, Ramersdorf und Oberkassel nutzen die Fähre, um ihre Waren zum Markt in Bonn zu fahren. Mit Einweihung der ersten Bonn Rheinbrücke 1898 verlor das Trajekt seine Bedeutung.
Relikte eines Römerhafens
Stammt dieser Holzpfahl aus einem alten römischen Hafen?
Bildquelle: WDR/ Maike KrebberZwischen Königswinter und Röhndorf lässt sich bei Niedrigwasser ein alter Römerhafen vermuten. In diesem Sommer fand ein Team des LVR-Amts Bodendenkmalpflege im Rheinland sogar drei Holzpfähle. Inzwischen wird untersucht, ob die Pfähle wirklich aus der Römerzeit stammen.
Unsere Quellen:
- WDR-Beiträge über Niedrigwasser im Rhein
Sendung: wdr.de, Pegel steigt wieder: Geheimnisse versinken wieder im Rhein, 02.09.2026, 14:50 Uhr.
