Was könnte so ein Sommer-Spaziergang im Wald schön sein: Der frische Duft von sattem Grün, Sonnenstrahlen zwischen den Bäumen und Vögel, die in den Ästen zwitschern. Wäre da nicht die Trockenheit, die den Wäldern aktuell extrem zugesetzt hat. Und zur großen Gefahr werden könnte, wie unter anderem die Brände in Altena oder Hürtgenwald zeigen.
Nun hat es seither etwas geregnet. Experten sagen aber: Das reicht bei weitem noch nicht. NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) jedenfalls hat Ende vergangener Woche an die Bevölkerung appelliert, den Wäldern in NRW vorerst fernzubleiben. Die akute Trockenheit setze der Natur enorm zu, die Brandgefahr sei vielerorts hoch:
Mehrere User haben uns deswegen gefragt: Warum verhängt das Land nicht einfach ein generelles Betretungsverbot für die Wälder? Ministerin Gorißen sagte am Montag dem WDR, dass man darüber tatsächlich intern auch gesprochen habe. Aber:
"Man kann nicht überall einfach so ein Waldbetretungsverbot aussprechen." NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU)
Man müsse sich jede Region genau anschauen: "Hat man bestimmte Wälder, wo das gemacht werden sollte, weil jetzt die Brände toben? Oder haben wir Wälder, die aktuell von Bränden nicht betroffen sind?"
Im Landesforstgesetz steht zwar, dass die Behörden das Betreten eines Waldes verbieten oder beschränken können - so wie bei Bränden oder nach Orkan Kyrill 2007. Das gilt dann aber nur zeitweise und auch nur für betroffene Gebiete.
"Verbote werden nicht grundlos ausgesprochen, deshalb werden sie von den meisten Bürgerinnen und Bürgern auch akzeptiert", schreibt das Landwirtschaftsministerium auf Anfrage. Die Einhaltung würden die Behörden im Rahmen ihrer personellen Möglichkeiten kontrollieren, in Ausnahmefällen zusammen mit der Polizei. Aber: "Eine flächendeckende Präsenz ist nicht möglich."
Gorißen: Verbote sind keine Lösung gegen Brände
NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen
Bildquelle: ddp/Sven Simon/Malte OssowskiForstministerin Gorißen glaubt aber sowieso nicht, dass das die Lösung gegen die Brände wäre: "Weil wir immer Menschen haben werden, die diese Verbote nicht einhalten. Und diejenigen, die es insbesondere darauf anlegen, Dinge im Wald zu machen, die sie dort nicht tun dürfen, also beispielsweise Feuer zu legen, die werden sich von einem Verbot auf keinen Fall beeindrucken lassen. Von daher sollte man sich auch nicht vormachen, dass man damit die absolute Lösung gefunden hätte, dass es dann keine Waldbrände mehr gibt."
Auch Christoph Ewers hält ein solches Verbot für nicht sinnvoll und umsetzbar. Er ist Vorsitzender des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW und setzt stattdessen auf Prävention, Information und Appelle an die Bevölkerung, sich im Wald vernünftig zu verhalten. "Das kann schon im Kindergarten oder in der Schule losgehen, wo die Kinder über Feuer und den Brandschutz im Wald aufgeklärt werden", sagt er im WDR-Interview.
Ganzjähriges Rauchverbot im Wald?
Christoph Ewers ist Vorsitzender des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW.
Bildquelle: CDU BurbachZudem fordert der CDU-Politiker, dass das Rauchen im Wald in NRW ganzjährig verboten wird. Bislang gilt das nur vom 1. März bis 31. Oktober. Die Kommunen hätten ein hohes Interesse daran, dass sich so etwas wie in Hürtgenwald nicht wiederhole. Deswegen müssten beispielsweise Landesmittel für die Instandsetzung von Waldwegen bereitgestellt werden, damit die Fahrzeuge der Feuerwehr, die größer und breiter geworden seien, besser zu den Brandherden kämen.
Förster: Betretungsverbot weder sinnvoll noch umsetzbar
Auch der Bund Deutscher Forstleute in NRW hält ein generelles Betretungsverbot für Wälder weder für sinnvoll noch für praktisch umsetzbar.
"Es ist schlichtweg unmöglich, den gesamten Wald in NRW zu sperren und eine solche Sperrung anschließend auch wirksam zu kontrollieren. Der Wald ist kein abgeschlossenes Gelände." Fred Josef Hansen, Landesvorsitzender Bund Deutscher Forstleute Nordrhein-Westfalen
Es gebe unzählige Wege und Zugänge, unterschiedliche Eigentumsverhältnisse und große zusammenhängende Waldgebiete. "Hinzu kommt: Das freie Betreten des Waldes zur Erholung ist in Nordrhein-Westfalen grundsätzlich gesetzlich gewollt."
Prävention und Information gegen Waldbrände
Bei landesweiten Verboten wäre eine wirkliche Kontrolle praktisch ausgeschlossen. "Wir setzen deshalb sehr viel stärker auf Aufklärung, Verantwortungsbewusstsein und deutlich sichtbare Information der Waldbesucher."
Örtlich und zeitlich begrenzte Sperrungen könnten bei einer konkreten extremen Gefahrenlage durchaus richtig sein. "Eine starre Schwelle nach dem Muster 'ab Waldbrandgefahrenstufe X wird der Wald gesperrt' halten wir dagegen nicht für sinnvoll“, sagt der Grünen-Politiker.
Entscheidend sei die Situation vor Ort: Vegetationszustand, Trockenheit, vorhandene Brandlast, Gelände, Erschließung, Wetterentwicklung und die Möglichkeiten der Feuerwehr, einen Brand schnell zu erreichen und zu bekämpfen.
Hohe Strafen für Verursacher von Waldbränden
Eine Zigarettenkippe kann in kürzester Zeit den trockenen Waldboden entzünden.
Bildquelle: WDR / dpa / Pleul, PatrickIn den Wald dürfen wir also weiter, Betretungsverbote gibt es höchstens partiell und temporär. Wer dann aber beispielsweise durch eine weggeworfene Zigarette, ein Lagerfeuer oder einen Grill fahrlässig einen Waldbrand auslöst, dem drohen empfindliche Strafen. Das kann bis hin zur Gefängnisstrafe von zehn Jahren gehen. Und es wird richtig teuer: Der Verursacher muss die Löscheinsätze und die (großen) Schäden im Wald zahlen. Hier sieht Hansen keinen grundsätzlichen Nachbesserungsbedarf:
"Entscheidend ist, Brandstifter zu ermitteln und die bestehenden Gesetze konsequent anzuwenden. Wer vorsätzlich oder grob fahrlässig unsere Wälder, Menschen und Einsatzkräfte gefährdet, muss mit einer konsequenten strafrechtlichen Verfolgung rechnen." Fred Josef Hansen, Vorsitzender Bund Deutscher Forstleute NRW
Förster: Diskussion nicht verengen
Gleichzeitig dürfe die Diskussion nicht auf Waldbesucher und Verbote verengt werden. "Die Brände der vergangenen Tage in Sundern und im Hürtgenwald sowie der Großbrand im Hohen Venn zeigen, dass wir uns dauerhaft auf längere Trockenperioden und eine zunehmende Waldbrandgefährdung einstellen müssen", sagt Hansen.
Dafür brauche es neben Aufklärung vor allem eine bessere Waldbrandvorsorge: Funktionsfähige Waldwege für Einsatzfahrzeuge, ausreichende Löschwasserstellen, aktuelle digitale Karten und Lageinformationen, geeignete Technik sowie regelmäßige gemeinsame Übungen von Feuerwehren und Forstleuten, sagt Hansen. Und eben keine pauschalen Betretungsverbote.
Unsere Quellen:
- Interview mit NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen
- Bund Deutscher Forstleute NRW
- Interview mit Christoph Ewers, Vorsitzender des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW
- Landesforstgesetz
- Nachrichtenagentur dpa
- Nachrichtenagentur AFP
Sendung: wdr.de, Kein Waldbetretungsverbot in NRW, 18.08.2026, 13 Uhr