Über 90 Prozent der Waldbrände werden durch Menschen verursacht.
Bildquelle: picture alliance / rtn - radio tele nord / christoph leimigWald-, Scheunen- und Feldbrände, ein brennendes Auto, abgefackelte Mülltonnen. Mindestens 17 Brandstiftungen sollen drei Männer aus Rüthen im Kreis Soest gelegt haben. Ermittler kamen ihnen auf die Spur, nachdem eine Waldfläche von rund 350 Quadratmetern gebrannt hatte.
Brandstifter aus Rüthen gingen "äußerst professionell und planvoll vor"
Die Brandstifter im Alter von 19, 20 und 29 Jahren seien äußerst professionell und planvoll vorgegangen, so die Staatsanwaltschaft Arnsberg. Das Motiv? Unklar. Alle drei sitzen in Untersuchungshaft. Ermittelt wird, ob sie auch für weitere Taten verantwortlich sein könnten.
90 Prozent der Waldbrände sind von Menschen verursacht
Auch im Hohe Venn und im Hürtgenwald wird fieberhaft nach den Ursachen gesucht. Bekannt ist, dass natürliche Ursachen wie Blitzeinschläge sehr selten sind. Über 90 Prozent der Waldbrände werden durch Menschen verursacht - etwa durch weggeworfene Zigaretten, offenes Feuer oder eben Brandstiftung.
Können härtere Strafen Brandstiftung verhindern?
Allein im Hürtgenwald dürften die Schäden durch den Brand in die Millionen gehen. Deswegen diskutiert die Politik höhere Strafen für Brandverursacher - zuzüglich des Schadenersatzes für den zerstörten Wald.
Der Brand im Hürtgenwald hat Spuren hinterlassen
Bildquelle: WDR/Bettina StaubitzDie Union hat sich offen für einen Vorstoß des Parlamentarischen Geschäftsführers Dirk Wiese, SPD, gezeigt, die Strafen für Brandstiftung zu erhöhen. Man müsse prüfen, "ob die erhöhte Mindeststrafe von zwei Jahren generell für die Verursachung großflächiger Waldbrände gelten sollte" - auch unabhängig von der Gefährdung von Menschen, sagte CDU-Vize-Fraktionschef Günter Krings dem Redaktions-Netzwerk Deutschland (RND).
Bisher Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr
Bisher gilt bei vorsätzlicher Brandstiftung eines Waldes eine Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr, bei Gefährdung oder Gesundheitsschädigung von Menschen von zwei Jahren. Krings wies darauf hin, dass die Höchststrafen bei fahrlässiger Brandstiftung schon heute identisch seien mit der Höchststrafe bei fahrlässiger Tötung.
"Wer im Wald zum Beispiel grillt oder achtlos eine Zigarette wegschmeißt und so einen Waldbrand auslöst, handelt in der Regel fahrlässig", erklärt WDR-Rechtsexperte Philip Raillon. Da drohen bis zu fünf Jahren Haft oder eine Geldstrafe - das entscheidet dann ein Gericht je nach Einzelfall.
Dichter Rauch über Gey während des Waldbrands im Hürtgenwald
Bildquelle: Federico Gambarini/picture alliance/dpaMit schärferen Strafen lassen sich aber kaum Taten verhindern, schätzt Raillon die Forderungen ein. Täter gingen nicht davon aus, dass sie erwischt werden, bei fahrlässiger - also versehentlicher - Brandstiftung ohnehin nicht. Und: "Bei Waldbränden, vor allem in weiten, ländlichen Gebieten, kann oft gar kein Verursacher ermittelt werden."
Waldbrandeinsätze schädigen auch den Steuerzahler
CDU-Politiker Krings forderte zudem, der Staat müsse sich dafür einsetzen, dass geschädigte Zivilpersonen vom Waldbrandverursacher entschädigt würden. "Der Staat sollte den Geschädigten helfen, die Schäden von den Verantwortlichen einzutreiben. Auch das dürfte faktisch als sehr spürbare Strafe wirken", sagte er.
130 Feuerwehrkräfte waren mit Hubschraubern bei Attendorn und Werdohl im Einsatz
Bildquelle: Kai OsthoffDie Kosten für den Löscheinsatz kann die Feuerwehr in NRW aber auch heute schon zurückverlangen, wenn der Brand grob fahrlässig oder vorsätzlich gelegt wurde.
CDU-Innenminister Reul fordert mehr Eigenverantwortung
NRW-Innenminister Herbert Reul, CDU, äußert sich zu höheren Strafen zurückhaltend: Er plädiert für eine Prüfung, ob der bisherige Strafrahmen überhaupt ausgeschöpft wird. Entscheidend sei, dass jeder Einzelne Verantwortung übernimmt, so Reul gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger. "Bei extremer Trockenheit gehört man nicht mit Feuer, Grill oder Zigarette in Wald und auf Wiesen."
Ein Banner in Duisburg weist auf das Grill- und Feuerverbot im Wald sowie mögliche Bußgelder hin
Bildquelle: WDR/Jörg ConradiWenn Behörden dazu aufforderten, den Wald zu meiden, sollte man das ernst nehmen. "Wer in so einer Lage sein Verhalten nicht hinterfragt und anpasst, ist verantwortungslos. Für diese Haltung müssen Einsatzkräfte ihren Kopf hinhalten", sagt Reul.
Feuerwehrverband: Menschen für Verhalten im Wald stärker sensibilisieren
Ähnlich äußerte sich auch der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Karl-Heinz Banse. Höhere Strafen seien kein Allheilmittel, sagte er dem RND. Sinnvoller sei, die Menschen stärker dafür zu sensibilisieren, wie gefährlich bestimmtes Verhalten im Wald sein kann - zum Beispiel in den Nachrichten, in Schulen oder über soziale Medien.
Kiefernwälder gehören zu den besonders stark gefährdeten Gebieten
Bildquelle: dpa"Helfen kann auch, wenn Polizei und Ordnungsamt an Waldparkplätzen und Stellen, wo oft gegrillt oder Party gemacht wird, viel kontrollieren und sensibilisieren", sagt Raillon. Klar müsse aber sein: Solche Maßnahmen binden Personal und kosten somit auch Geld.
Hinweisportal der Polizei zu den Waldbränden in NRW
Zur Ursache des Großbrandes im Hürtgenwald und auch zu den Waldbränden im sauerländischen Sundern, Marsberg und Altena hat die Polizei Köln ein Hinweisportal für Zeugen eingerichtet. Dabei interessieren sich die Ermittler vor allem für Fotos und Videos aus dem Zeitraum der Brandentstehung.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa/lnw
- Portale RND/KSTA
- WDR-Rechtsexperte Philip Raillon
- Polizei Köln
Sendung: WDR.de, Polizei ermittelt zu Ursachen der Waldbrände, 18.08.2026, 5:01 Uhr