Kampf gegen die Dürre - der Schwammwald am Möhnesee
Lokalzeit Südwestfalen. 19.09.2025. 02:14 Min.. Verfügbar bis 19.09.2027. WDR. Von Heinz Krischer.
In den Wäldern südlich des Möhnesees standen früher viele Fichten - die meisten hat der Borkenkäfer vernichtet. Doch es gibt noch Spuren des Waldbaus, aus der Zeit, als die Fichten gepflanzt wurden. Damals mussten die Wälder trocken gelegt werden, um dort besser arbeiten zu können.
So legten vor mehr als hundert Jahren die Waldbauern Entwässerungsgräben an. Drainagen, die dem Boden Wasser entzogen und gesammelt in Bäche oder Flüsse leiteten. So konnten sie mit ihren Pferden und später Traktoren die Wälder bearbeiten.
Drainage-Gräben trocknen Böden aus
Heute ist das ein Problem: Regen fällt seltener, und wenn, dann auch schon mal in kurzer Zeit in großen Mengen. Dann leiten die Drainage-Gräben das Wasser schnell ab – der Boden trocknet aus, den Bäumen fehlt das Wasser. "Hier haben wir mit unserem Konzept des Schwammwaldes angesetzt", sagt Arne Heck, Förster vom Ruhrverband und dort Leiter des Flussgebietsmanagements.
Wichtig ist uns, dass das Wasser länger im Waldboden gehalten wird. Arne Heck, Förster vom Ruhrverband
Vor etwa zwei Jahren begann der Ruhrverband in seinen Wäldern am Möhnesee, die ersten Entwässerungsgräben umzubauen – so dass sie ihre Drainage-Wirkung verloren. "Wichtig ist uns, dass das Wasser länger im Waldboden gehalten wird", sagt Arne Heck.
Jetzt bleibt das Wasser länger im Boden
"In trockenen Sommern, wenn wenig Niederschlag fällt und die Bäume in der Vegetation sind und wachsen, brauchen sie viel Wasser. Den Effekt, den wir uns damit erhoffen, ist, dass dann in diesen Dürreperioden das Wasser länger im Boden verbleibt und damit eben auch länger Pflanzen verfügbar ist", erklärt Arne Heck.
Der nasse Boden im Arnsberger Wald.
Wenn es jetzt regnet, sollen die Waldböden Wasser wie ein Schwamm speichern. Und das Konzept funktioniert. Arne Heck zeigt eine Stelle, wo vor eineinhalb Jahren Entwässerungsgräben verschlossen wurden. Ein Spatenstich in den Boden zeigt: Hier ist das Erdreich richtig satt nass.
Ein paar Hundert Meter weiter, wo die alten Entwässerungsgräben noch vorhanden sind, bröselt hingegen staubtrockene Erde vom Spaten.
Zusatzeffekt: Das hilft gegen Hochwasserspitzen
19 Kilometer solcher Entwässerungsgräben gibt es in den Wäldern des Ruhrverbandes am Möhnesee. Sie sollen nach und nach umgebaut werden. Denn es gibt noch zwei weitere positive Effekte: Der Schwammwald sorgt dafür, dass die Bäche verlässlicher mit Wasser gefüllt sind - und bei Starkregen speichert der Schwamm Wasser und gibt es erst verzögert ab.
Förster Arne Heck ist mit seinem Hund regelmäßig im Schwammwald unterwegs.
"Wir können damit kein Hochwasser verhindern – aber wir können in diesen Bereichen dem Hochwasser die Spitzen nehmen", sagt Arne Heck.
Solche Entwässerungsgräben gibt es nicht nur am Möhnesee. An vielen Stellen, wo Fichten standen, wurden sie früher angelegt – und könnten jetzt zurückgebaut werden, weiß Marietta Puhl vom Naturpark Arnsberger Wald.
Marietta Puhl vom Naturpark Arnsberger Wald.
"Wir haben den gesamten Arnsberger Wald kartiert, da gibt es überall solche Gräben", sagt sie. Und wo es sie nicht gibt: Dort kann ebenfalls gezielt das Regenwasser in kleinen Biotopen aufgefangen werden, um es länger den Bäumen im Wald zur Verfügung zu stellen.
Unsere Quellen:
- Förster des Ruhrverbandes
- Sprecherin des Naturparks Arnsberger Wald
