Arzttermin in 20 Minuten in der Apotheke
Bildquelle: Mareike Zeck1 Min. 8 Sek.. Verfügbar bis 29.07.2028.
Wer seinen Hausarzt nicht erreicht, ein Rezept oder ärztlichen Rat braucht, kann inzwischen in einigen Apotheken ärztliche Hilfe per Video bekommen. In der Apotheke am Markt in Bielefeld-Sennestadt gibt es dafür seit Anfang Juli einen speziellen Telemedizin-Raum.
Eine Kabine mit Bildschirm, Kamera und Mikrofon wird zum Sprechzimmer
"Er wird bereits nahezu täglich genutzt", sagt Apotheker Oliver Skopp. Eine von ihnen ist Victoria Herrmann. Sie wollte das Angebot ausprobieren und wurde in der kleinen Kabine per Bildschirm, Kamera und Mikrofon mit einem Arzt verbunden.
"Es war erstmal ein bisschen aufregend. Eben eine ganz andere Situation. Aber ich bin dazu bereit gewesen, weil ich Hilfe brauchte. Mein Hausarzt ist nicht da." Patientin Victoria Herrmann
Victoria Herrmanns erste Erfahrung mit der Telemedizin in der Apotheke war gut.
Bildquelle: Mareike ZeckApotheke will sich breiter aufstellen
Nach ihrer Videosprechstunde war Victoria Herrmann zufrieden. Aus ihrer Sicht sei das Angebot eine gute Sache. Apotheker Oliver Skopp sieht die Telemedizin vor allem als Ergänzung: Sie soll helfen, wenn die Beratung in der Apotheke nicht ausreicht, für einen Arztbesuch vor Ort aber kein zwingender Bedarf besteht.
Der Apotheker bekommt dann bei jedem Patienten etwas Geld für die Vermittlung des Arztes und hofft, dass die Leute die soeben verschriebenen Medikamente dann auch vor Ort kaufen.
Zusammenarbeit mit lokalen Hausärzten gewünscht
Wenn ein Kunde in die Apotheke kommt, kann er innerhalb von 20 Minuten einen Termin bekommen. Dafür braucht er seine Krankenkassenkarte und muss einen Fragebogen zur Ersteinschätzung ausfüllen. Für das Gespräch gibt es in den Räumen der Apotheke eine Kabine, die mit einem Monitor ausgestattet ist und besonders belüftet wird.
Apotheker Oliver Skopp begleitet Victoria Herrmann bei ihrem ersten Mal in die Videosprechstunde.
Bildquelle: Mareike ZeckDie sogenannten Telemediziner am anderen Ende der Leitung sitzen irgendwo in Deutschland. Aber auch Hausärzte aus der Region können eingebunden werden, Apotheker Oliver Skopp ist mit mehreren lokalen Hausarztpraxen in Kontakt, die vielleicht mitmachen wollen.
"Die Sprechstunde soll keine Konkurrenz zu Hausärzten sein, sondern eine Unterstützung," betont er. Skopp kann sich aber vorstellen, in Zukunft auch noch weitere medizinische Dienstleistungen anzubieten, zum Beispiel das Impfangebot auszubauen.
Komplizierte Umsetzung für Apotheken
Thomas Rochell ist Vorsitzender des Apothekerverbands Westfalen-Lippe. Er unterstützt das Konzept der Telemedizin. Aktuell sieht er aber noch viele Probleme: "Die technische und rechtliche Umsetzung ist so kompliziert, dass sie gerade kaum unfallfrei in Apotheken umgesetzt werden kann."
Apotheken dürften ausschließlich zertifizierte Systeme nutzen. Außerdem müssen alle Mitarbeitenden speziell geschult werden, um die Kundinnen und Kunden unterstützen zu dürfen. Wichtig sei außerdem, dass die Patienten - wie gesetzlich vorgeschrieben - stets zwischen mehreren Ärztinnen und Ärzten wählen können.
Angebot vor allem für ältere Menschen
Das Angebot richtet sich vor allem an Menschen, die zu Hause nicht digital ausgestattet sind oder nicht das Know-how haben, um selbst einen Telemediziner zu kontaktieren. Wenn die Arztpraxen geschlossen sind, wie zum Beispiel mittwochs, freitagnachmittag oder samstags, kann die Sprechstunde in der Apotheke auch für alle anderen interessant sein.
Unsere Quellen:
- Apotheke am Markt, Bielefeld-Sennestadt
- Apothekerverband Westfalen-Lippe
- Gespräche mit Oliver Skopp
- Gespräche mit Victoria Herrmann
Sendung: WDR.de, Videosprechstunde beim Arzt in Bielefelder Apotheke, 29.07.2026, 04:52 Uhr