Gütersloh erlässt Abkochgebot
WDR. 01:09 Min.. Verfügbar bis 24.07.2028.
Die Stadtwerke und das Gesundheitsamt wissen noch nicht, wie es zur Verunreinigung kam, vermuten aber eine Baustelle am Leitungsnetz als Auslöser. Die Anwohnerinnen und Anwohner sollten das Wasser bis auf Weiteres vor der Nutzung abkochen.
Keimbelastung im Trinkwassernetz festgestellt
Bei einer Routineuntersuchung haben die Stadtwerke Gütersloh in einem Teil ihres Trinkwassernetzes Bakterien nachgewiesen. Diese Bakterien können insbesondere für Menschen mit geschwächtem Immunsystem gesundheitliche Risiken darstellen.
Betroffen ist ein Bereich zwischen der Hülsbrockstraße im Norden, dem Stadtring Nordhorn im Westen, der Carl-Miele-Straße im Süden sowie dem Umspannwerk Avenwedde beziehungsweise dem Efeuweg im Osten.
Anwohner verunsichert
Bei vielen Menschen sorgt das Abkochgebot vor allem für Verunsicherung. "Man ist so unsicher. Was darf man jetzt mit dem Wasser machen, was darf man nicht machen? Wenn man sich schon das Gesicht wäscht, hat man ja schon Bedenken," erzählt Anwohnerin Anja Ibrahim dem WDR. Und auch junge Familien machen sich Sorgen, wie sich die Verunreinigung bei ihren Kindern auf die Gesundheit auswirkt.
"Meine Tochter hatte vor drei Tagen Magen-Darm. Da macht man sich schon Sorgen als Eltern, ob das mit der Keimbelastung zusammenhängt." Carolin Claassen
Seit das Gesundheitsamt gewarnt hat, sind drei Tage vergangen. Viele Anwohner wünschen sich eine bessere Kommunikation: "Man möchte gern Bescheid wissen, zwischendurch informiert werden. Das nervt ein bisschen", sagt Ute Blomberg. Auch Per Blomberg hatte gedacht, dass es schneller geht: "Wir müssen es jetzt halt so lange aushalten. Aber aufgrund meiner Kinder ist man da schon ziemlich sensibel. Vor allem wenn das über so einen Zeitraum anhält."
Ein weiterer Anwohner kritisiert gegenüber dem WDR: "Das Informationsangebot war dürftig. Da stand zum Beispiel gar nicht, wie es mit Duschen aussieht."
Die Arbeiten am Trinkwassernetz in der Othilienstraße sind ein möglicher Auslöser der Verunreinigung.
Wo aufpassen?
Wer gesund ist, kann auch weiterhin mit dem Wasser duschen. Bei Kleinkindern, Kranken oder immungeschwächten Personen empfiehlt der Kreis Gütersloh aber ebenfalls abgekochtes oder gekauftes Wasser. Beim Duschen sollte das Wasser nicht geschluckt werden und auch nicht in Wunden kommen.
Wer im betroffenen Gebiet wohnt, sollte Leitungswasser bis auf Weiteres sprudelnd aufkochen und anschließend langsam abkühlen lassen.
Das gilt insbesondere für:
- Trinkwasser
- Kaffee, Tee und andere Getränke
- Kochen und Zubereiten von Lebensmitteln
- Waschen von Obst, Gemüse und Salat
- Zähneputzen
- Reinigung von Wunden
- Pflege von Kontaktlinsen
- Geschirrspülen von Hand
Für diese Zwecke kann alternativ auch abgefülltes Mineral- oder Trinkwasser genutzt werden.
"Der Wasserkocher ist jetzt immer voll mit abgekochtem Wasser. Zähneputzen machen wir gerade noch mit Mineralwasser." Anja Ibrahim, Anwohnerin
Stadtwerke spülen Leitungen und suchen Ursache
Nach Angaben der Stadtwerke werden die betroffenen Leitungen bereits intensiv gespült und das Wasser gechlort. Gleichzeitig werden laufend weitere Wasserproben genommen, um die Ursache der Verunreinigung zu finden und den betroffenen Bereich möglichst genau einzugrenzen. Die Maßnahmen wirken zwar, aber reichen noch nicht für eine Entwarnung.
Wie lange gilt das Abkochgebot noch?
Ein Ende steht bislang noch nicht fest. Das Abkochgebot bleibt bestehen, bis neue Wasserproben bestätigen, dass das Trinkwasser wieder uneingeschränkt genutzt werden kann. Wann das ist, können Stadtwerke und Gesundheitsamt noch nicht sagen. Bis Mittwoch (29. Juli) soll das Abkochgebot wohl aber noch mindestens bestehen bleiben.
Unsere Quellen:
- Kreisgesundheitsamt Gütersloh
- Stadt Gütersloh
- Recherchen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 24.07.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Ostwestfalen und Lippe, 27.07.2026, 17:30 Uhr