Im Hintergrund eine Mutter mit drei Kindern

Neue Bertelsmann-Studie Staatliches Geld für Freizeit kommt bei vielen Kindern nicht an

Stand:

Viele Kinder aus Familien mit wenig Geld nutzen diese staatliche Unterstützung nicht. Das sagt eine neue Bertelsmann-Studie.

Familien, die Grundsicherung beziehen, haben in Deutschland Anspruch auf das Bildungs- und Teilhabepaket. Ein zentraler Baustein ist der sogenannte Teilhabebetrag für Kinder und Jugendliche: 15 Euro pro Monat. Gedacht für Sportverein, Musikunterricht oder Ferienfreizeiten.

So sollen Kinder und Jugendliche aus Familien mit wenig Geld bei Bildung, Freizeit und sozialem Leben mitmachen können - unabhängig vom Geldbeutel der Eltern.

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt jedoch, dass dieses Versprechen der Politik in vielen Fällen uneingelöst bleibt: Mehr als acht von zehn anspruchsberechtigten Kindern und Jugendlichen erhalten den Teilhabebetrag nicht. Nur 18 Prozent der sechs- bis 15-Jährigen nehmen die Leistung in Anspruch, von den 15- bis unter 18-Jährigen nur 12 Prozent.

Warum kommt die Unterstützung nicht an?

Laut Studie sind die Gründe dafür, dass das Geld bei den Kindern und Jugendlichen nicht ankommt, vielfältig. Die Formulare, um das Geld zu beantragen, seien zu kompliziert, es fehlen Informationen über das Angebot und es gebe zu viele Pflichten für die Familien, den Anspruch auf die Leistungen nachzuweisen.

"Das Bildungs- und Teilhabepaket würde das Leben für junge Menschen aus einkommensschwachen Familien verbessern. Das Geld wäre gut angelegt, weil es sie im Schulalltag unterstützt und ihnen hilft, sich auszuprobieren und bei Freizeitaktivitäten dabei zu sein. Das erhöht langfristig ihre Chancen auf Teilhabe an unserer Gesellschaft." Antje Funcke, Expertin für Familienpolitik der Bertelsmann Stiftung

Das Bildungs- und Teilhabepaket wurde vor 15 Jahren von der Politik eingeführt und soll Kinder und Jugendliche unterstützen, die Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) II beziehen. Es umfasst Leistungen für den Schulbedarf, ein- und mehrtägige Ausflüge an Schulen und Kitas, Schülerbeförderung, gemeinschaftliches Mittagessen in Schule oder Kita, Lernförderung sowie Leistungen für soziale und kulturelle Teilhabe ("Teilhabebetrag"). Der Teilhabebetrag von derzeit 15 Euro kann für Aktivitäten wie Vereinssport, Musikunterricht oder Ferienfreizeiten verwendet werden. Er wird nach Vorlage eines Nachweises in Form von Gutscheinen, Direktzahlung an Anbieter oder auch an die Familien selbst ausgezahlt.

Auch andere staatliche Unterstützung kommt kaum bei Kindern an

Der Teilhabebetrag von 15 Euro ist nur ein Teil der staatlichen Unterstützung. Familien mit wenig Geld können zusätzlich einen jährlichen Zuschuss für Schulbedarf bekommen, etwa für Hefte, Stifte und andere Lernmittel. 195 Euro stehen dafür zur Verfügung, damit Kinder im Unterricht vernünftig mitarbeiten können.

Auch hier zeigt die Bertelsmann-Studie: Bei jedem fünften Kind komme diese Unterstützung nicht an. Ähnlich sieht es beim kostenlosen Mittagessen in der Schule aus. Eigentlich soll es Kindern aus ärmeren Familien eine warme Mahlzeit sichern - genutzt wird das Angebot nur von rund 37 Prozent.

Essensausgabe Luisenschule

Unterstützung für arme Familien: Kostenloses Mittagessen für Kinder in der Schule.

Reform des Bildungs- und Teilhabepakets nötig

Die Autorinnen der Studie fordern, dass die Unterstützung bei den Kindern und Jugendlichen besser ankommen muss. Zudem seien verlässliche Daten wichtig, wie viele junge Menschen tatsächlich anspruchsberechtigt sind, welche Leistungen sie nutzen, welche Kosten entstehen und an welchen Hürden die Inanspruchnahme scheitert.

Zudem reiche besonders der Teilhabebetrag von 15 Euro pro Monat nicht aus, um echte Kosten zu decken. Zum Beispiel für Freizeit, Sport, Kultur, Aktivitäten mit Freunden oder persönliche Interessen.

Sie fordern auch, dass das Sozialleistungssystem reformiert werden sollte. Verschiedene Leistungen wie Wohn- und Kindergeld könnten zusammengeführt werden, um so Hürden und Komplexität abzubauen. Zudem sollten die Verwaltungen digitaler werden.

Staatliches Geld für Freizeit kommt bei vielen Kindern nicht an

WDR 20.07.2026 01:13 Min. Verfügbar bis 19.07.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Bertelsmann-Studie
  • Autorinnen der Studie: Antje Funcke und Sarah Menne

Sendung: WDR.de, Staatliches Geld für Freizeit kommt bei vielen Kindern nicht an, 20.07.2026, 05:01 Uhr

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