Ein Gärtner gießt die Blumen in einem Beet in der Innenstadt

Niedrigwasser und Trockenheit Muss ich in NRW jetzt Wasser sparen?

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Niedrigwasser und Trockenheit werden zunehmend zum Problem. In einigen Teilen von NRW dürfen die Menschen kein Wasser mehr aus Flüssen und Bächen entnehmen. Lokal ist auch das Trinkwasser knapp. Was das für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet.

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Felix Wessel

Die aktuelle Lage auf dem Rhein macht gerade vielen Binnenschiffern große Sorgen. Sie warnen vor einem möglichen finanziellen Totalausfall, sollte das Wasser noch länger und weiter fallen und die Schifffahrt eingestellt werden.

Am Rheinufer in Köln sind niedrige Wasserstände zu erkennen

Niedrige Pegelstände in Köln am 15.07.2026.

Trotz der sinkenden Pegelstände auf dem Rhein sind weiter Schiffe unterwegs, Auswirkungen spüren wir aber schon jetzt in NRW. Wegen des Niedrigwassers hat zum Beispiel Thyssenkrupp in Duisburg die Produktion etwas gedrosselt. Laut einer Sprecherin kann das Stahlwerk gerade nur eingeschränkt mit Rohstoffen über den Rhein versorgt werden.

Auch Bundesumweltminister Carsten Schneider macht sich Gedanken über die Lage. Schon kurz nach seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr hat er den Rhein in Bonn teilweise im trockenen Flussbett gesehen, erzählt der SPD-Politiker am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Und auch jetzt gebe es wieder eine ähnliche Situation.

Niedrigwasser-Informationssystem sammelt bundesweit Daten

Schneider hat in Berlin ein neues bundesweites Niedrigwasser-Informationssystem namens Niwis vorgestellt. Es trägt Wasserstände in Flüssen und Bächen, Grundwasser, Bodenfeuchte und andere Daten zusammen, an denen sich auch in NRW Kommunen zum Beispiel für Entnahmeverbote orientieren.

Der Umweltminister nannte dabei eine bemerkenswerte Zahl: "Wir haben in Deutschland in den letzten 25 Jahren 60 Milliarden Kubikmeter Wasser verloren". Das sehe man an niedrigen Wasserständen in Flüssen, Seen, an trockeneren Böden und an niedrigen Grundwasserpegeln.

Bundesumweltminister Carsten Schneider steht bei Niedrigwasser am Rhein bei Bonn

Bundesumweltminister Carsten Schneider 2025 bei Niedrigwasser am Rhein.

Viele Menschen in Nordrhein-Westfalen fragen sich gerade: Haben wir überhaupt noch genügend Wasser - und müssen wir jetzt im Alltag sparsamer damit umgehen?

Einige Kreise und Städte verbieten Wasser-Entnahme

Mehrere Kreise und Städte in NRW verbieten wegen der anhaltenden Trockenheit, Wasser für private Zwecke aus Bächen, Flüssen und Seen zu entnehmen. Ausnahmen gibt es meist für kleine Mengen wie einen Eimer Wasser oder um Vieh zu tränken. Laut NRW-Umweltministerium gibt es aktuell hier entsprechende Regeln:

  • Bezirksregierung Arnsberg
  • Bezirksregierung Köln
  • Bezirksregierung Münster
  • Städteregion Aachen
  • Kreis Borken
  • Kreis Euskirchen
  • Kreis Herford
  • Stadt Köln
  • Kreis Mettmann
  • Oberbergischer Kreis
  • Rheinisch-Bergischer Kreis
  • Rhein-Erft Kreis
  • Rhein-Sieg-Kreis
  • Stadt Remscheid
  • Stadt Solingen

(Stand: 15. Juli 2026)

Trinkwasserlage regional sehr unterschiedlich - Tipps zum Wassersparen

In NRW liegt der Trinkwasserverbrauch im Schnitt bei 135 Litern pro Einwohner und Tag, so das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK). Auch bei der Versorgung mit Trinkwasser ist die Lage aktuell nicht überall in NRW gleich. Das liegt auch daran, wie es gewonnen wird.

Der Städte- und Gemeindebund NRW kam Ende Juni zu der Einschätzung, dass eher Gegenden von Wasserknappheit betroffen seien, in denen für die Versorgung mit Trinkwasser das Grundwasser entscheidend sei. Land und Kommunen würden sich intensiv mit dem Thema beschäftigen, sagte der Verband dem WDR - auch wenn es momentan kein Thema in ganz NRW sei.

NRW-Landesregierung will Versorgung in den Kommunen prüfen

Das NRW-Umweltministerium erklärte auf Anfrage des WDR, bereits seit 2016 im Rahmen der sogenannten "Wasserversorgungskonzepte" mit den Kommunen über die Sicherung der regionalen Wasserversorgung in Verbindung zu stehen. Dieses System habe bereits in den vergangenen "Trockenjahren" seit 2018 dabei geholfen, lokale Engpässe bei der Wasserversorgung zu meistern. In den kommenden Jahren sei geplant, die kommunalen Konzepte darauf zu überprüfen, ob sie auch in Zeiten des Klimawandels die Versorgung mit Trinkwasser sicherstellen.

Hydrologe: Wichtig, junge Bäume zu gießen

Andreas Wagner, Hydrologe im ARD-Wetterteam, betont, dass Wasser sparen wegen der Trockenheit auf jeden Fall angebracht sei. Möglichkeiten gebe es dabei viele: 

  • Beim Zähneputzen das Wasser nicht laufen lassen.
  • Beim Obst und Gemüse waschen, das Wasser auffangen und damit die Blumen gießen.
  • Beim Duschen einen Duschkopf nutzen, der weniger Wasser durchlässt.
  • Rasen nicht bewässern, erst recht nicht mit Trinkwasser. Der Rasen könne braun werden, er erhole sich schnell beim nächsten Gewitterschauer.

Wichtig sei aber, junge Bäume zu gießen. Denn die sterben, wenn sie zu trocken werden, wie Wagner erklärt. Dabei seien sie gerade jetzt wichtig. Sie produzierten nicht nur Sauerstoff, sondern spendeten auch Schatten. Falle der weg, werde es noch heißer. Gießen sollte man aber nur abends oder am Morgen - tagsüber verdunste ein Großteil des Wassers direkt in der Sonne.

Trinkwasser-"Ausnahmezustand" in mehreren Kommunen in OWL

Besonders angespannt ist die Trinkwasserlage nach wie vor beim Wasserbeschaffungsverband Am Wiehen, der für die Städte Bad Oeynhausen, Hille, Hüllhorst und Löhne zuständig ist. Dort gibt es eine Trinkwasser-Ampel, die über die aktuelle Lage informiert. Grün bedeutet, dass der Bedarf normal ist und voll gedeckt wird. Rot heißt: Der Trinkwasserverbrauch kann nicht mehr gedeckt werden. Aktuell ist die Ampel sogar noch eine Stufe höher: auf Ausnahmezustand.

Konkret bedeutet das: Die "nicht notwendige Nutzung von Trinkwasser" ist verboten. Konkret zählt dazu unter anderem, Rasenflächen zu gießen. Außerdem dürfen private Pools nicht befüllt werden und auch das "private Waschen von Fahrzeugen jeglicher Art" ist untersagt. Wer sich nicht daran hält, dem drohen Bußgelder von bis zu 1.000 Euro.

Unter einem Wasserhahn wird ein Glas mit Leitungswasser aufgefüllt

Kochen ja, Rasen gießen nein.

"Die Nutzung von Trinkwasser für lebensnotwendige Zwecke bleibt selbstverständlich uneingeschränkt möglich", stellt der Wasserbeschaffungsverband klar. Dazu gehörten etwa Trinken, Kochen und Körperpflege.

Warum Hochsauerlandwasser nicht zum Sparen aufruft

In Meschede, Olsberg und Bestwig sieht die Situation dagegen ganz anders aus. Die Kommunen versorgen mit der Hochsauerlandwasser GmbH seit 20 Jahren gemeinsam die Bevölkerung mit Trinkwasser. "Wir haben noch nie zum Wassersparen aufgerufen und machen es auch jetzt nicht", sagt Sprecher Jörg Fröhling.

Hennesee im Sonnenschein, im Vordergrund Bäume

Die Hennetalsperre trägt auch zur lokalen Trinkwasserversorgung bei.

Natürlich sollte Wasser nicht verschwendet werden, betont Fröhling - schließlich sei es eine natürliche Ressource. Aber die Situation müsse immer lokal und von Kommune zu Kommune betrachtet werden. Man habe ein Wasserwerk im Bereich der Hennetalspere. Dort sei man gut aufgestellt.

Außerdem gebe es beim Wasser sparen auch mögliche Kehrseiten. Das könnte zu Schäden an der Kanalisation führen, weil der Mindestdurchfluss nicht mehr stattfinde.

Muss ich in NRW jetzt Wasser sparen?

WDR 15.07.2026 01:58 Min. Verfügbar bis 14.07.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Andreas Wagner, Hydrologe im ARD-Wetterteam
  • Gespräch mit Jörg Fröhling, Pressesprecher der Hochsauerlandwasser GmbH
  • Pressekonferenz des Bundesumweltministeriums zum Niedrigwasser-Informationssystem NIWIS
  • Informationen des NRW-Umweltministeriums und des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen
  • Mitteilung des NRW-Umweltministeriums auf Anfrage des WDR

Sendung: wdr.de, Muss ich in NRW jetzt Wasser sparen?, 15.07.2026, 16:53 Uhr.

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