Wie Gütersloh den Winterdienst smart macht

Bildquelle: WDR / Mischa Dallmann

2 Min. 28 Sek. Verfügbar bis 24.08.2028

Digitale Stadtplanung Wie Gütersloh den Winterdienst smart macht

Stand:

In Gütersloh melden Sensoren ab sofort Glätte in Echtzeit, damit der Winterdienst besser und schneller reagieren kann.

Zugegeben, diese Geschichte erfordert, besonders jetzt im Spätsommer, eine gewisse Portion Vorstellungskraft. Aber es lohnt sich, die Fantasie zu bemühen: Man stelle sich vor, über Nacht hat es plötzlich geschneit. Die Straßen sind komplett weiß, Brücken vereist und im Radio werden Staus gemeldet.

Und der Winterdienst? Selbst vom Wintereinbruch überrascht, ist er gerade vielleicht irgendwo unterwegs, wo er gar nicht so dringend gebraucht wird. In Gütersloh soll ab diesem Winter Schluss damit sein.

Neue Straßenzustandssensoren erfassen Glätte in Echtzeit

Überall im Stadtgebiet montiert eine Fachfirma aktuell kleine, weiße Geräte an Masten und Laternen, drei bis vier Meter über der Straße. Dabei handelt es sich um Straßenzustandssensoren. Sie erkennen, wie die Fahrbahn gerade beschaffen ist: trocken, nass oder überfroren - und funken die Messwerte an die Stadtverwaltung.

Direkt daneben hängt eine kleine Wetterstation, die rund um die Uhr Temperatur und Luftfeuchtigkeit misst, ein Solarmodul daneben liefert den Strom. Zusammen bilden Sensoren, Wetterstation und Solarmodul die Standorte des "Smarten Winterdienstes", eines von mehreren Smart-City-Projekten, mit denen Gütersloh derzeit den Testbetrieb startet.

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Ziel ist es, gezieltere Einsätze bei Glatteis und Schnee fahren zu können, gestützt auf Daten anstatt wie bisher auf auf Erfahrung.

So lief die Kontrollfahrt im Winterdienst bisher ab

Schwierig wird die Entscheidung nicht bei klarem Frost, sondern in der Grauzone um den Gefrierpunkt. Andreas Lüdke, stellvertretender Leiter der Stadtreinigung Gütersloh, kennt das Dilemma: "Wenn es nachts um zwei Uhr noch plus ein Grad ist, kann es zwei Stunden später trotzdem glatt sein. Und dann müsste man doch losfahren."

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Bislang fährt dann ein Mitarbeiter der Stadtreinigung eine Kontrollrunde zu 13 festgelegten Punkten im Stadtgebiet ab, prüft die Straßen auf Glätte und entscheidet danach, ob der Streudienst ausrückt. Rund anderthalb Stunden dauert diese Tour, einmal quer durchs Stadtgebiet.

Echtzeitdaten in einer Plattform ersetzen nächtliche Rundfahrten

Genau hier soll der smarte Winterdienst ansetzen und die Kontrollfahrten überflüssig machen: Die Sensoren liefern rund um die Uhr Messwerte und funken sie an die Datenplattform "Urban Stack". Die Stadtreinigung kann die Werte jederzeit abrufen.

"Der Anwendungsfall ist in Gänze sehr innovativ, weil wir diesen multifunktionalen Ansatz fahren: Wir installieren die Sensorik nicht nur für den Winterdienst, sondern nutzen sie ganzjährig, auch für Starkregen- und Klimafolgenanpassung." Thorsten Schmidthuis, Leiter des Fachbereichs Digitalisierung und Geoinformation

Statt einmal am Abend die Runde zu drehen, kann der Kollege künftig am Abend, in der Nacht oder erst am nächsten Morgen jederzeit auf die aktuellen Werte schauen. Je nach Lage kann er einen Einsatz auslösen oder wieder absagen. Die erhofften Effekte: Mehr Effizienz, weniger unnötige Fahrten, gezieltere Einsätze und deutlich weniger Streusalzverbrauch.

Sensoren messen auch Starkregen und helfen bei Hochwasserlagen

Für den Winterdienst ist das Projekt aus Sicht der Stadtreinigung erst einmal ausgereizt. Die Sensorik selbst kann aber mehr: Sie misst ganzjährig auch Niederschlag; nützlich etwa für die Einschätzung von Starkregen und möglichen Hochwasserlagen.

Gefördert wird der "Smarte Winterdienst" aus dem Bundesprogramm "Modellprojekte Smart Cities made in Germany". Ob sich der erhoffte Effizienzgewinn tatsächlich einstellt, zeigt sich erst im Ernstfall - sobald die Sensoren zum ersten Mal wirklich Glätte melden müssen.

Unsere Quellen:

  • Stadt Gütersloh
  • Recherchen des WDR-Reporters vor Ort

Sendung: WDR.de, Wie Gütersloh den Winterdienst smart macht, 26.08.2026, 05:07 Uhr

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