"Kirchlengern 21" - NRWs Problem-Bahnübergang
WDR. 02:36 Min.. Verfügbar bis 27.07.2037.
Problem-Bahnübergang Kirchlengern : Der Ort der ewig wartenden Autofahrer
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Mindestens sieben Stunden sind die Schranken des Bahnübergangs in Kirchlengern geschlossen. Jeden Tag, mitten in der Gemeinde. Und seit Jahrzehnten versprechen Politik, Verwaltung und Deutsche Bahn eine Lösung. Doch passiert ist bislang nichts. Ein Ortsbesuch.
Eine unendliche Geschichte
Kirchlengern, im Zentrum der Gemeinde, kurz nach 10 Uhr an einem Montagmorgen. Ein paar Hammerschläge aus einem Lautsprecher und ein rotes Blinken am Andreaskreuz verkünden den herannahenden Stillstand. Zum dritten Mal binnen einer Viertelstunde schließen sich in Kirchlengern die Bahnschranken. Ein Regionalzug fährt vorbei, dann noch einer.
Der Bahnübergang in Kirchlengern liegt mitten im Ort.
In Nordrhein-Westfalen sind Schulferien und trotzdem staut sich der Autoverkehr binnen kürzester Zeit über einhundert Meter durch den Ort. Am Bahnübergang macht sich Frust breit.
Eine Rentnerin erzählt, sie hätte 45 Jahre neben der Bahn gearbeitet und davon 15 Jahre nur mit Warten zugebracht. "Ich hoffe, dass mein Sohn mich noch erkennt, wenn ich ihn gleich abhole", meint ein Autofahrer. Der Bahn-Stillstand ist für viele Kirchlengeraner nur noch mit Galgenhumor zu ertragen.
Im September 2017 war Kirchlengerns Bürgermeister Rüdiger Meier (CDU) noch guter Dinge. Zu einer gemeinsamen Infoveranstaltung mit Bau-Partner Straßen NRW hatte er eine große Zusage mitgebracht.
Seit Anfang der 1980er wurden immer mal wieder verschiedene Lösungen diskutiert, doch nun wolle man einen Tunnel bauen, der den nervenzehrenden Bahnübergang ein für allemal ersetzen würde. Finanziert zu je einem Drittel von der Deutschen Bahn, dem Land und Straßen NRW. 2021 ließ Meier sich im Westfalen-Blatt zitieren, wolle man wohl loslegen mit dem Bau.
Zum Zuschauen verdammt
Fast zehn Jahre nach diesem denkwürdigen Infoabend ist der ungeliebte Kirchlengeraner Bahnübergang immer noch da. Das Problem der Gemeinde: Sie kann am Status Quo nicht wirklich etwas ändern. Denn die Zuständigkeit für den geplanten Tunnelbau liegt bei den sogenannten "Kreuzungspartnern" Straßen NRW und der Deutschen Bahn.
Und dort scheint man dem Tunnelbau zu Kirchlengern nicht gerade Priorität einzuräumen. Eine Interviewanfrage des WDR wurde von allen Beteiligten abgelehnt. Schriftlich teilt Straßen NRW mit, man stecke aktuell im "Vorplanungsverfahren".
Die Zukunftsvision: Der Bahnübergang soll durch einen Tunnel ersetzt werden.
Die nächsten Meilensteine im Bürokratie-Dschungel: Einleitung des Planfeststellungsverfahrens, Durchführung des Planfeststellungsverfahrens, Ausführungsplanung und Ausschreibung der Bauarbeiten. Und das, schreibt Straßen NRW, könne noch "mehrere Jahre" dauern.
Stress im Rathaus
Ist also nur die Bürokratie schuld am schleppenden Tunnelbau? In Kirchlengern glaubt man diese Version offenbar nicht. Obwohl im Rathaus offiziell niemand über das Projekt reden möchte, gibt es hinter vorgehaltener Hand Kritik am Vorgehen der Deutschen Bahn und Straßen NRW.
Nach Informationen des WDR sollen Planer, die mit dem Projekt betraut waren, zwischenzeitlich immer wieder andere Aufgaben zugewiesen worden sein. Dadurch sei die Planung des Projekts erheblich verzögert worden.
Straßen NRW weist diesen Vorwurf zurück. Zwar hätten sich Zuständigkeiten geändert, dies gehöre jedoch zum "normalen Verwaltungshandeln". Das Projekt sei dadurch nicht "ins Stocken" geraten.
Für die leiderprobten Kirchlengeraner wird sich so schnell also nichts ändern. Alles wie immer also an ihrem Bahnübergang. Mit Warten kennen sie sich eh bestens aus. Und außerdem: 17 Stunden pro Tag sind die Schranken schließlich geöffnet.
Unsere Quellen:
- Recherchen des WDR-Reporters vor Ort
- Berichterstattung des Westfalen-Blatts: "Tunnelbau könnte 2021 starten" vom 22.09.2017
- Schriftliche Stellungnahme von Straßen NRW
Sendung: WDR.de, "Kirchlengern 21" - NRWs Problem-Bahnübergang, 27.07.2026, 05:01 Uhr
